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20.09.2012 Rottal-Inn

Prozess

Drei Jahre Haft: 49-Jähriger verging sich an Tochter

Amtsgericht und Landgericht Landshut
Foto: Grießer
Mutter und Oma wollten von dem Missbrauch nichts wissen.

 

Als sich eine heute 23-Jährige ihrer Mutter und ihrer Oma anvertraute und  vom sexuellen Missbrauch durch ihren Vater berichtete, wollten die davon nichts wissen. Trotzdem entschloss sie sich zur Anzeige und der 49-Jährige, der vor seiner Verhaftung zuletzt in Wurmannsquick lebte, räumte die sexuellen Übergriffe ein. Für insgesamt 34 Fälle handelte er sich bei der 4. Strafkammer des Landgerichts Landshut dafür eine Freiheitsstrafe von drei Jahren ein.
 
 
Der aus der Nähe von Berlin stammende gelernte Schlosser war nach mehreren Anläufen, in Bayern eine Arbeit zu finden, im Jahr 1999 mit seiner zweiten Ehefrau und seinen drei Töchtern in Unterdietfurt gelandet, arbeitete als Kraftfahrer, war aber von 2002 bis 2007 arbeitslos. 
 
 
Während seine Frau einer Job mit Schichtdienst nachging, so die von Staatsanwalt Markus Nikol vertretene Anklage, die auf den Angaben des Opfers beruhte, habe sich der Kraftfahrer ab etwa Oktober 2003 regelmäßig an seiner ältesten Tochter, die damals gerade 14 Jahre alt war, vergangen. Beim ersten Übergriff habe er sie – während ihre beiden jüngeren Schwestern schliefen – zu sich ins Wohnzimmer geholt, sie gegen ihren Willen ausgezogen und sich dann selbst entkleidet. Dann habe er einen Pornofilm gestartet und die 14-Jährige aufgefordert, „genau hinzuschauen”. Gleichzeitig habe er sie geküsst und sie im Intimbereich begrapscht.
 
 
In der Folgezeit, so die ursprüngliche Anklage, sei es dann bis Ende 2005 praktisch jeden dritten Tag und damit in mindestens 200 Fällen zu weiteren sexuellen Übergriffen gekommen – entweder im Wohnzimmer oder im Zimmer der 14-Jährigen. Dabei sei der Kraftfahrer mit dem Finger bzw. der Zunge in seine Tochter eingedrungen, habe auch mehrfach versucht, den Geschlechtsverkehr durchzuführen bzw. sich manuell befriedigen lassen. 
 
 
Vor der 4. Strafkammer des Landgerichts legte der Kraftfahrer, der sich auf der Anklagebank äußerst wortkarg gab und jeden Blickkontakt zu seiner als Nebenklägerin auftretenden Tochter vermied, ein Geständnis ab, schränkte allerdings den Zeitraum und damit auch die Zahl der Übergriffe ein. Außerdem entschuldigte er sich bei seiner Tochter: „Es tut mir leid.” Immerhin ein Fortschritt zu seiner Vernehmung beim Ermittlungsrichter im März dieses Jahres, wo er zunächst die Anschuldigungen weitgehend bestritten, dann teilweise doch eingeräumt, aber was die Intensität anging, bagatellisiert hatte. 
 
 
Angesichts des Geständnisses kam es zu einer Verständigung zwischen den Prozessbeteiligten, bei der man den Zeitraum auf Oktober 2003 bis Februar 2005 und auf monatlich mindestens zwei Missbrauchsfälle, insgesamt also „nur” mehr 34 einigte. Dafür stellten der Staatsanwalt und die Kammer eine nicht über dreieinhalb Jahre hinausgehende Freiheitsstrafe in Aussicht.
 
 
Mit dem Geständnis erspart der 49-Jährige seiner Tochter eine Aussage in öffentlicher Verhandlung. Aus ihrer verlesenen Vernehmung beim Ermittlungsrichter war zu entnehmen, dass sie sich erst 2011 ihrer Oma und ihrer Mutter anvertraut habe. Die hätten allerdings abgewiegelt und ihr geraten, „ich soll es vergessen.” Bei den Gesprächen sei auch der Verdacht aufgetaucht, dass sich der Kraftfahrer auch an einer der jüngeren Schwestern vergangen hatte. Die allerdings zog es vor, bei ihrer Vernehmung zu schweigen.
 
 
Die Kammer verhängte dann für die 34 Fälle des Missbrauchs von Schutzbefohlenen eine Freiheitsstrafe von drei Jahren. Erheblich strafmildernd, so Vorsitzender Richter Theo Ziegler, habe sich das Geständnis ausgewirkt, das seiner Tochter eine psychisch belastetende Aussage, bei der es auch um ihre Glaubwürdigkeit gegangen wäre, erspart habe. Straferschwerend dagegen fiel die erhebliche Zahl der Übergriffe über einen langen Zeitraum und die Intensität der sexuellen Handlungen ins Gewicht. 
 
 
In der Haft, so wandte sich der Vorsitzende Richter an den Kraftfahrer, habe er genügend Zeit und Gelegenheit, darüber nachzudenken, was er seiner Tochter angetan habe, „was sie ihr Leben lang verfolgen wird.” An die Tochter gewandt, wünschte ihr Ziegler, dass sie mit dem Geschehenen möglichst klar komme. Dabei könne ihr die Verurteilung des Vaters und sein Geständnis helfen, auf die Strafhöhe komme es dabei nicht an.
 
 
Beim Strafmaß war die Kammer unter dem Antrags von Staatsanwalt Nikol geblieben, der die in der Verständigung als Höchstgrenze festgelegten dreieinhalb Jahre beantragt hatte. Verteidiger Thomas Faltermeier hatte dagegen drei Jahre als ausreichend angesehen und insbesondere auf den hohen Wert des Geständnisses verwiesen und ins Feld geführt, dass die Taten schon Jahre zurück lägen.
Autor: ws