20.02.2012 Welt
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Das Tierfilm-Paradis:

YouTube als Plattform für Artenschutz, Tierlehre und tierisches Entertainment

Katze kriecht in viel zu enge Vase
Foto: Screenshot Youtube
Zugegeben, die fette Katze, die sich mit aller Gewalt in eine zu enge Vase presst (Suchbegriff: „Katze passt nicht mehr in den Pott“), trägt weder zum Artenschutz, noch zur Wissensbildung bei. Nichtsdestotrotz ist das YouTube-Video köstlich anzusehen.

Aber nicht nur besonders dämliche Tiere kann man in Kurzfilmen auf YouTube sehen, sondern auch vom Aussterben bedrohte Arten. Tier-Enthusiasten müssen zum Beispiel keine Schmetterlinge mehr mit einem Käscher fangen und in einen Glaskasten stecken. Ein Video ist als Trophäe schnell ins Internet gestellt und der hübsche Schmetterling darf sich weiter seines Lebens erfreuen. Eine Win-Win-Situation also.


Die Internetplattform YouTube macht es so einfach, wie nie zuvor, exotische Tiere zu beobachten. Und erst recht, wenn diese sich wirklich seltsam verhalten. Eine Stunde auf YouTube kann zwar keinen Zoo-Besuch ausgleichen, bietet aber neben der Erweiterung des Tier-Horizonts ein hervorragendes Medium für Tierfilme, die dadurch wieder populärer werden, als je zuvor.


Internetfilme reißen Barrieren nieder
Die digitale Bildtechnik katapultiert die Möglichkeiten des Tierfilmes auf eine neue Ebene, so Georg Rüppel, ehemaliger Tierfilmer für das ZDF. Die digitale Fotografie erlaubt hochauflösende Bilder und ist wesentlich empfindlicher als die analoge Aufnahmetechnik des Films. Somit kann man selbst bei geringem Tageslicht akzeptable Aufnahmen, beispielsweise eines Schmetterlings beim Balzflug, machen, ohne durch Kunstlicht die natürliche Umgebung zu verfälschen.


Ein Film mit wackeliger Handykamera ist zudem immernoch in einer Qualität, von der Tierfilmer der frühen Generation in ihren kühnsten Träumen nicht zu hoffen gewagt hätten. Es „Barrieren zwischen Laien und Experten“ eingerissen, schreibt die Welt am Sonntag online. Und das zeigt auch die Vielfalt der Kurzfilme, die auf YouTube zu sehen ist.


Der YouTube-live-Zoo
Von gewöhnlichen Haustieren in (ungewöhnlich) witzigen Situationen über Gorillas im Zoo am Rande des Wahnsinns hin zu seltenen Vögeln in der freien Wildnis. YouTube ist für jeden zugänglich – dadurch offenbart sich eine einzigartge Bandbreite an Filmmaterial. Und die kommt an: Oscar Jones beispielsweise, ein 325 Pfund schwerer Gorilla aus dem Zoo von San Francisco, hat ein Lieblingsspiel, nennen wir es „Zoo-Besuchern einen Herzinfarkt zufügen“. Scheinbar gelangweilt sitzt er in seinem Gehege und schaut sich um, bis er urplötzlich auf einen Zoobesucher zurast und vor ihm mit seiner ganzen Wucht an die Glasscheibe klatscht. Dann setzt er sich wieder hin. Über 1,5 Millionen Menschen haben das Video „silverback attack“ bisher aufgerufen.

 

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stalkende Katze
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Tiere auf YouTube

 

Das Video der stalkenden Katze (Suchbegriff: „Stalking Cat“) hat weit über 30,5 Millionen (!) Aufrufe bis jetzt. Aber nicht nur Lustiges und Kurioses findet Anklang. Auch „echte“ Dokumentationen haben hohe Aufruf-Zahlen. Einen Film über afrikanische Jagdvögel (Suchbegriff: „africa’s Killer birds“) haben über 500.000 Nutzer angesehen. Nicht nur von der Qualität konnten frühe Tierfilmer nur träumen, sondern offensichtlich auch von den Zuschauer-Zahlen. Und diese Filme vermitteln Wissen. Über das Paarungsverhalten des australischen Samtlaubenvogels wussten die Meisten bisher wenig, doch seit das YouTube-Video von einem im Netz steht (Suchbegriff:  „crime of passion“), wie er auf einem Campingplatz blaue Schnuller, Wäscheklammer, Autoschlüssel, Stifte und Strohhalme klaut, wissen fast 50.000 Internetnutzer, dass Samtlauben-Weibchen die Attraktivität des potenziellen Partners an der Dekoration des Nests messen – sehr zum Ärgernis der benachbarten Camper.

 

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Klauender Vogel
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Tiere auf YouTube


Die Anfänge des Films
Durch die Internetplattform ist nicht nur der Tierfilm zu nie dagewesener Popularität gekommen. Das bewegte Bild per se ist zu seiner Ursprungsart zurückgekehrt. Eadweard Muybridge begann mit der seriellen Sequenzfotografie, nur um herauszufinden, wie sich ein Pferd im Galopp bewegt. Die Bilderfolge aus dem Jahr 1877 (Suchbegriff: „horse in motion“) – welche selbstverständlich auch auf YouTube zu finden ist – inspirierte später den französischen Fotospezialisten Ètienne-Jules Marey dazu, die Bildfolge mit dem fotografischen Revolver zu beschleunigen.  Dadurch sollten die Menschen über die Bewegungen von Tieren, wie Hühnern, Kaninchen oder Insekten, bis ins Detail aufgeklärt werden. Die wissenschaftliche Ergründung über die Bewegung von Tieren stand am Anfang des Films, wie man ihn kennt.


Der Kurzfilm „Earthflight – Peregrine Falcon Hunts Starlings in Rome“ zeigt das Schauspiel von fünf Millionen Vögeln, die sich jährlich in Rom versammeln. Wie eine schwarze Rauchwolke wimmelt es am Himmel der Stadt von Staren. Und jeder kann, dank YouTube, zum Betrachter werden. Oder putzige Baby-Faultiere, die man sonst äußerst selten zu Gesicht bekommt, haben fast 500.000 Nutzer in „Meet the Sloths“ gesehen.


YouTube ist zum Archiv des Tier-(Dokumentation-)Kurzfilms geworden. Von allgemein über informativ hin zu belustigend oder ausgefallen: Die Internetplattform bietet das passende Zuhause



Autor: Christine Resch
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