02.02.2012 Deutschland
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Jetzt auch per Internet:

Warnung vorm Fahrkartenkontrolleur auf Facebook und Co.

Schwarzfahren in Hamburg
Foto: Screenschot Facebook
Radiosender verbreiten schon lange Warnmeldungen über Blitzer auf deutschen Straßen. Manche Sender in Großstädten berichteten früher kurzzeitig auch über Fahrkartenkontrolleure in Bus und U-Bahn. Mittlerweile gibt es solche „Dienste“ auch im Internet, am erfolgreichsten in Hamburg. Der Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) beschwert sich jetzt darüber.

Es fehle das „Unrechtbewusstsein“, sagt Oliver Wolff vom VDV. „Jetzt ist es also schon so weit, dass potentielle Schwarzfahrer sich online öffentlich helfen und organisieren. So wird das Fahren ohne gültigen Fahrausweis in der öffentlichen Wahrnehmung verharmlost.“ Es ist zunehmend zu sehen, wie sich Fahrgäste über sozale Netzwerke wie Facebook oder Twitter über Fahrkartenkontrolleure austauschen, wann sie auf welcher Linie zuletzt gesehen wurden und wie sie aussehen.


Schätzungsweise 3,5 Prozent fahren schwarz
Der VDV schätzt, dass rund 3,5 Prozent aller Bus- und Bahnnutzer schwarz fahren. Eine Zahl, die sich binnen vier Jahren fast verdoppelt habe. Das macht insgesamt etwa 340 Millionen Fahrten ohne Ticket im Jahr. 250 Millionen Euro pro Jahr gehen so dem Nahverkehrsunternehmen angeblich durch die Lappen. Hinzu kämen 100 Millionen Euro für den Einsatz von Kontrollpersonal. „Das sind 350 Millionen Euro, die die Verkehrsunternehmen jedes Jahr kompensieren müssen“, sagt Wolff.


Höhere Strafen sollen her
Der Verband fordert Bund und Länder auf, die Strafzahlungen zu erhöhen: von 40 Euro auf bis zu 60 Euro. Wiederholungstätern solle eine erhöhte Strafe von bis zu 120 Euro blühen. Einige stellen angeblich die Überlegung an, das Schwarzfahren als eine Art Flatrate zu sehen. Für 40 Euro kann man locker 16 Mal schwarzfahren und es hätte sich gelohnt.


Steigende Fahrgastzahlen
Im vergangenen Jahr haben rund 9,7 Milliarden Fahrgäste den öffentlichen Nahverkehr in Deutschland genutzt. Um acht Prozent sei diese Zahl in den letzten zehn Jahren gestiegen. Der Präsident des VDV, Jürgen Fenke, geht von einem weiteren Wachstum aus. Vor allem in Großstädten seien die öffentlichen Verkehrsmittel gefragt, nicht nur wegen einem stärker werdenden ökologischen Bewusstsein, sondern auch aufgrund steigender Benzinpreise.


Hamburg macht’s vor
Mit steigenden Fahrgastzahlen, steigt also auch die Zahl der Schwarzfahrer. In kleineren Städten fruchtet der Online-“Warndienst“ nicht so, in Hamburg beispielsweise dafür umso mehr. Die Facebook-Gruppe „Schwarzfahren München“ hat nur 330 Mitglieder. In Hamburg informieren sich jedoch rund 14.500 Schwarzfahrer über die Aktivitäten der Kontrolleure.


Steigender Trend
Die Aussagen des VDV stoßen bei vielen Fahrgästen jedoch auf Protest. Jedes Jahr werden die Ticketpreise für öffentliche Verkehrsmittel erhöht, nach den Aussagen des Verbands, um die steigenden Verluste zu kompensieren. Über die Berechtigung kann man mit den Kunden jedoch streiten. Bei kontinuierlichen Preiserhöhungen verschwinde irgendwann das Preis-Leistungs-Verhältnis, wenn im Winter ganze Linien ausfielen und im Sommer keine Klimatisierung zu spüren sei, so die Kundenmeinung.


Warum soll ein Fahrgast in München zum Beispiel brav zwölf Euro für fünf Fahrten bezahlen, die länger als zwei Haltestellen sind, während die Person daneben nicht im Traum daran denkt? Ein Einkaufsbummel in die Innenstadt käme inklusive Parkticket und Benzinpreise billiger, als eine stickige Busfahrt. Viele Fahrgäste sagen, wenn die Preise für Fahrkarten auf ein nachvollziehbares Niveau gesenkt und dafür mehr Kontrolleure eingestellt werden würden, könnten einerseits mehr Arbeitsplätze geschaffen werden und andererseits würden mehr Menschen ihr Ticket lösen.


Der VDV beklagt sich über steigende Verluste. Viele Fahrgäste kritisieren jedoch diese Denkweise. Anstelle sich über die 100 Millionen Euro Ausgaben für Kontrolleure und über die Verluste von 250 Millionen Euro durch Schwarzfahrer zu beschweren, sollte der VDV die 350 Millionen Euro in Drehkreuze investieren, wie es sie bereits in London gibt. Arbeitsplätze würden so geschaffen werden – beispielsweise im Installationsprozess und durch das Assistenzpersonal. Mit steigenden Strafen von beispielsweise 60 Euro erziele man nicht wirklich den gewollten Effekt, wenn gleichzeitig die Fahrpreise erhöht werden. Denn dann lohne sich bei 60 Euro Strafe auch die „16-Mal-Schwarzfahren-Flatrate“.


Solange diese beiden Fronten aufeinanderprallen, wird höchstwahrscheinlich weiter über Kontrolleure „getwittert“ und „gefacebooked“ werden.



Autor: Christine Resch
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