17.09.2012 Deutschland

Glauben

Ein junger Schwuler widerlegt die Behauptung, die Bibel verurteile Homosexualität


Ein 22-jähriger junger Mann provoziert derzeit konservative Christen in den USA: Weil der Homosexuelle aus seiner bibeltreuen Kirche ausgeschlossen wurde, setzte sich der junge Harvard-Student intensiv mit der Bibel auseinander. Sein Fazit: An keiner Stelle der Bibel werden einander liebende Homosexuelle verurteilt.

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USA

Ist es wahr, dass Gott etwas gegen Schwule hat (lesbische Liebe wird in der Bibel gar nicht erst erwähnt)? Stimmt es, dass all jene „gesteinigt“ werden sollen, die „als Mann bei einem Mann liegen, wie man bei einer Frau liegt“, wie es in Levitikus im Alten Testament heißt?

Einer, der sich intensiv mit dieser Frage auseinander gesetzt hat, ist erst 22 Jahre alt, aber bereits ein echter Experte für die Bibel: Matthew Vines war Mitglied einer bibeltreuen Kirche in Kansas. Der Homosexuelle wurde ausgeschlossen aus seiner Gemeinschaft – nicht etwa, weil er homosexuell ist, sondern weil er behauptete, dass Gott nichts dagegen hat!

Daraufhin nahm sich der Philosophie-Student an der Elite-Uni Harvard eine Auszeit, denn er wollte es wirklich wissen: Hat Gott etwas gegen seine Sexualität?

Sein Ergebnis teilte er kürzlich in der New York Times so mit: „Es ist ganz einfach ein Fakt, dass an keiner Stelle in der Bibel auf Liebe gründende homosexuelle Beziehungen diskutiert oder gar verdammt werden“, so Vines zur New York Times. Vielmehr werden nicht liebende Homosexuelle verurteilt, sondern Heterosexuelle, die homosexuelle Handlungen begingen beispielsweise; die Rede ist auch von Vergewaltigungen und andere Gewalttaten, die Menschen des gleichen Geschlechts zugefügt wurden.

Vines prüfte, wie die jeweilige Wortbedeutung des Originaltextes ausgelegt wurde, und er fand zahlreiche Ungereimtheiten im Bezug auf die Deutungen, wie sie heute etwa von der katholischen Kirche gepredigt werden.

Die Ergebnisse seiner Studien der Bibel in Bezug auf homosexuelle Liebe hat Mister Vines auch auf Youtube veröffentlicht. 350.000 Menschen haben sich das Video, das mehr als eine Stunde dauert, angesehen. In den USA wird über Homosexualität in Bezug auf den Glauben sehr kontrovers diskutiert. Ob Vines Beitrag hier aufklären hilft, ist wohl dahingestellt.

In Deutschland indes hat sich fast unbemerkt von der Öffentlichkeit ein Quantensprung ereignet. Insbesondere geschiedene Wiederverheiratete im kirchlichen Dienst hatten bisher mit massiven Problemen bis hin zur Kündigung zu rechnen. Das galt natürlich auch für Homosexuelle, die ihre Neigung nicht verbergen wollten. Am Wochenende hatte überraschend der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, nach einem Dialogprozess mit Laien eine Überprüfung dieser bisher angewendeten arbeitsrechtlichen Maßnahmen angekündigt. Rom entscheide zwar, aber beim Arbeitsrecht gebe es „Spielraum“, so Zollitsch.
 

Autor: Christian Eckl
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