22.06.2012 Coburg

Festnahme in Coburg:

Dubiose Händler wollten Senioren angebliches Krebsheilmittel teuer verkaufen

Sichergestellte Gegenstände, unter anderem ein angebliches "Krebsheilmittel"
Foto: Polizei
Bei der vermeintlichen Geldübergabe konnten Ermittlungsbeamte der Polizeiinspektion Coburg in Zusammenarbeit mit der Zivilen Einsatzgruppe am Mittwochnachmittag, 20. Juni, zwei offenbar gewerbsmäßig handelnde Krebsmittelbetrüger festnehmen. Einem älteren Ehepaar blieb der Verlust von nahezug 10.000 Euro erspart.

Tags zuvor hatte sich das hochbetagte Coburger Ehepaar zu einer Kaffeefahrt angemeldet. Dubioserweise erschien am Zusteigeort nicht das gebuchte Busunternehmen, sondern ein ganz anderer Fahrer. Dieser erklärte den wartenden Senioren, dass ihre Reise leider ausfallen müsse. Freundlich bot er an, die Reiselustigen zu einem Kaffeeausflug in die Tschechei zu transportieren.

 

Angebliches Krebsheilmittel "Vitasanitas Q 10"

Die Reise ging nach Franzensbad und endete nicht in einem romantischen Altstadtcafé, sondern in einer professionell organisierten Verkaufsveranstaltung. Unter anderem boten die redegewandten Agenten dort ein Mittel gegen Krebsleiden an. Die 90 Ampullen "Vitasanitas Q 10" einer Vierteljahres-Kur gab es zum Preis von 3.000 Euro. Da der Sohn des Coburger Ehepaares tatsächlich schwer erkrankt ist, ließen sich die beiden 84-Jährigen von der Wirksamkeit der Tropfen überzeugen und sicherten den Kauf zu. Weil das Wundermittel angeblich auch gegen die Rückenschmerzen der Seniorin das geeignete Mittel sei, wurde ein zweiter Koffer "Vitasanitas" bestellt. Zur Unterstützung bei der Heilung verkauften die Betrüger dem Ehepaar auch noch eine Matratzenauflage im angeblichen Wert von 20.000 Euro. Da die beiden Senioren nicht über so viel Geld verfügten, reduzierte sich der Gesamtpreis auf immerhin noch 9.200 Euro. Kostenlos gab es noch ein Flachbild-Fernsehgerät dazu.

 

Bei der Geldübergabe klickten die Handschellen

Bereits am Tag darauf erschienen die Händler in Coburg. Gemeinsam machte man sich auf den Weg zur Bank. Die Senioren wollten ihr gesamtes Bargeld abheben, das Konto überziehen und sogar einen Bausparvertrag auflösen. Einem aufmerksamen Sparkassenmitarbeiter ist es zu verdanken, dass sie ihr Vermögen nicht verloren. Als die Krebsmittelbetrüger den in Aussicht stehenden Geldbetrag in Empfang nehmen wollten, klickten die Handschellen. Die inzwischen alarmierten Ermittler hatten sich postiert und nahmen einen 47-jährigen Deutschen und einen 30-jährigen Mazedonier fest. Das angebotene Wundermittel und die heilende Bettauflage konnten sichergestellt werden. Das Coburger Ehepaar blieb im Besitz des Ersparten.

 

Die Augen gingen den Fahndern auf, als sie den mitgeführten Kleinbus der beiden Ganoven durchsuchten. Weit über 1.000 Ampullen der "heilenden Tropfen", stapelweise schmerzlindernde Matratzen und einige Flachbildfernseher kamen zum Vorschein. Der vorgetäuschte Gesamtwert beläuft sich auf knapp 300.000 Euro. Tatsächlich dürfte das Sortiment aber nur wenige hundert Euro wert sein. Unter einer Fußmatte hatten die Festgenommenen noch einige tausend Euro Bargeld versteckt. Sie müssen sich jetzt wegen des groß angelegten organisierten Betruges vor der Justiz verantworten.

 

Weitere Geschädigte gesucht

Die Coburger Ermittler suchen jetzt nach weiteren Teilnehmern der Fahrt nach Franzensbad. Personen, denen am Dienstag weit überteuerte Waren verkauft worden sind, werden gebeten, sich unter der Rufnummer 09561/ 645-209 bei der Polizeiinspektion Coburg zu melden.

Autor: pm / uh

Weitere Nachrichten aus dem selben Ort:

Das könnte Sie auch interessieren

Großkoalitionäre Schaidinger, Hartl, Schlegl

Ermittlungen

EIL: Schaidinger soll 420.000 Euro von Tretzel kassiert haben

Die Staatsanwaltschaft Regensburg wirft dem früheren Oberbürgermeister Hans Schaidinger nach Informationen des Wochenblatts Bestechlichkeit vor. Auch SPD-Fraktionschef Norbert Hartl ist Beschuldigter. mehr ...

Rücktrittsforderungen lehnten Margit Wild und Gertrud Maltz-Schwarzfischer ab - es ginge auch um den "Menschen" Wolbergs.

Spendenaffäre

SPD-Krisensitzung: Ein Konkurrent Wolbergs teilt aus – Wild und Maltz lehnen Rücktrittsforderung ab

Der Konkurrent um die OB-Kandidatur 2008, Tonio Walter, soll nach Angaben von Teilnehmern einer Krisensitzung gegen Wolbergs arg gekeilt haben. Rücktrittsforderungen lehnten Margit Wild und Gertrud Maltz-Schwarzfischer ab – es ginge auch um den "Menschen" Wolbergs. mehr ...

Das Donau-Einkaufszentrum

Fachklinik

Randalierer rastet im DEZ aus

Am Donnerstag, 19. Januar, gegen 20 Uhr, pöbelte ein 33-jähriger Mann im Bereich einer Freischankfläche im Regensburger Donau-Einkaufszentrum offenbar grundlos Gäste an. mehr ...

Spenden

Nun wird auch gegen Ex-Oberbürgermeister Hans Schaidinger ermittelt

Auch gegen den früheren Regensburger Oberbürgermeister Hans Schaidinger wird jetzt ermittelt. Das berichtete der Fernsehsender TVA als erstes Medium online. mehr ...

Radweg, Fahrradweg, Rad, Fahrrad

Polizei sucht zeugen

Radfahrerin (68) stürzt und zieht sich tödliche Verletzungen zu

Am Donnerstag, 19. Januar, gegen 5.40 Uhr, entdeckte ein Busfahrer in der Kirchmeierstraße in Regensburg eine 68-jährige Frau, die bewusstlos neben einem Fahrrad auf dem nördlichen Geh- und Radweg lag. mehr ...

Shot in the Dark

Shot in the Dark

Der Dokumentarfilm über blinde Fotografen ist eine Hommage an das Licht. Bruce Hall, Sonia Soberats und Pete Eckert haben verschiedene Sehschwächen. Über die Fotokamera erforschen sie visuelle Phänomene. Alle haben Erfolg mit ihrer künstlerischen Arbeit. Sie erklären, wie sie zu ihren Werken kommen - und wie für sie Träumen, Sehen und Schaffen zusammenhängen. "Ich verstand erst, wie mächtig Licht ist, als ich blind wurde", sagt Pete Eckert. mehr ...