Wochenblatt
24.03.2012 Deutschland

Blumen-Oscar:

Die größte Blume der Welt steht kurz vor der Blüte – und stinkt zum Himmel

So blühte der Titanwurz in Bonn
Foto: © Raimond Spekking / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)
Sie ist die größte Blume der Welt, der Titanwurz – selbst in freier Natur ist es äußerst selten, dass sie blüht. Kein Wunder: Exemplare bringen gut und gerne einen halben Zentner auf die Waage. Dass in einem Botanischen Garten ein Exemplar blüht, ist noch seltener – doch genau das ist nun der Fall.

Forschern der Uni Kiel unter der Leitung von Gartenkustos Martin Nickol ist es gelungen, ein Exemplar bis kurz vor die Blüte zu bringen. Jeden Tag wird damit gerechnet, dass sich die metergroße Pflanze dazu anschickt, ihrem biologischen Instinkt zu folgen. Das hat dann allerdings auch Auswirkungen auf die vielen Besucher, die derzeit in Kiel nach dem Wunder schauen wollen. Denn der Titanwurz lockt durch einen nach Aas riechenden Duftstoff in seiner natürlichen Heimat Sumatra Aaskäfer an, die ihre Eier eigentlich in toten Tieren ablegen wollen. Dadurch, dass sie in das riesige Blütengehäuse eindringen, wird die Pflanze bestäubt.

 

„Exemplare der Titanenwurz sind in ihrer Heimat Sumatra selten, sie sind selten in botanischen Gärten zu finden und ein Exemplar zur Blüte zu bekommen, ist wie der Gewinn des Oscars in der Filmindustrie. Weltweit haben seit der Entdeckung 1878 circa 122 Pflanzen geblüht“, berichten die Forscher vom Botanischen Garten in Kiel. „Jetzt nach 15 Jahren sorgfältiger Pflege durch das gärtnerische Team im Gewächshaus treibt die Knolle, die im letzten Sommer nach über 18 Monaten ihr Blatt eingezogen und die Energiereserven eingelagert hatte, einen Blütenstand. Sie wog 21 Kilogramm und wir können davon ausgehen, daß sie in einigen Tagen einen prächtigen und stinkenden Blütenstand entfalten wird.“

 

Der Botanische Garten hat seine Öffnungszeiten nun ausgeweitet, da der Titanwurz ein Nachtblüher ist. Bis 23 Uhr können nun die Riesenblumen-Interessierten vorbei schauen.

 

Übrigens hat die Uni Kiel auf ihrer Webseite auch eine Webcam eingerichtet, auf der man die Blüte beobachten kann. 

Autor: Christian Eckl
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