wahlen
13.09.2012 Regensburg

Kriegsfolgen:

Wer zahlt, wenn im Vorgarten eine Bombe gefunden wird?

Fund einer Fliegerbombe in Baugebiet löste einen Großeinsatz aus - 250 Einsatzkräfte - Evakuierung im 500 Meter Radius
Foto: kamera24
Die Nachrichten über Funde von Weltkriegsmunition reißen momentan nicht ab, Regensburg, München, Oranienburg, Poppenricht – und ganz aktuell Nürnberg. Doch, was passiert eigentlich, wenn eine Bombe gefunden wird, wer zahlt den Einsatz der Polizei, die Entschärfung und eventuelle Schäden?

An das Szenario in München mögen einige gedacht haben, als am Freitag, 7. September, die Meldung einging, in Poppenricht in Landkreis Amberg-Sulzbach sei eine Fliegerbombe (Foto) gefunden worden. Diese erste Meldung bestätigte sich schnell, die – erfolgreiche – Entschärfung dauerte dann etwas länger. Nach Rücksprache mit den Kampfmittelräumspezialisten sollte die Bombe vor Ort entschärft werden. Dazu mussten die Anwohner in einem Radius von 500 Metern rund um den Fundort evakuiert werden. Die Evakuierungsmaßnahmen begannen um 16 Uhr und waren gegen 19.25 Uhr beendet. Anschließend wurde die Fliegerbombe problemlos entschärft und abtransportiert. Ende gut alles gut?

 

Die Entschärfung ist geglückt, der Blindgänger abtransportiert, doch nun geht die eigentliche Arbeit erst los: Feuerwehr, Polizei, Sprengkommando, sie alle wollen bezahlt werden. Und wer kommt für die Schäden auf, wie sie bei der Sprengung in München entstanden sind? Diese Frage stellen sich auch viele Menschen im Raum Regensburg, denn auch hier ist eine Vielzahl an Bomben gefallen.

 

Jedes Jahr, so teilt die Pressestelle der Stadt Regensburg auf Anfrage mit, wird mindestens ein Blindgänger auf dem Stadtgebiet gefunden – der letzte am 26. Juli im Bereich der Osttangente. "Zu den gefährdeten Bereichen gehören das Gelände rund um die ehemalige Messerschmitt-Fabrik im Westen, das Kasernen-Areal, das Von-Heyden-Gelände in Schwabelweis, das Gleisdreieck bei der ehemaligen Zuckerfabrik oder der Ölhafen", so die Mitteilung. Bei anstehenden Bauprojekten wird deshalb schon im Vorfeld der Maßnahme nach Blindgängern gesucht, um Überraschungen zu vermeiden. So liegt die Wahrscheinlichkeit, dass zum Beispiel auf dem Donaumarkt, wo gerade archäologische Grabungen stattfinden, bei etwa fünf Prozent, dass auch hier der ein oder andere Blindgänger im Boden zu finden ist.

 

Auch die Gemeinde Tegernheim und die Stadt Neutraubling waren den Angriffen ausgesetzt. In Neutraubling wurden seit 1989 sieben Bomben gefunden, alle waren 250-Kilo-Bomben mit Heck- und Aufschlagzündern. Insgesamt gingen sieben Angriffe über Neutraubling nieder, der schwerste am 21. Juli 1944, hier fielen 6.000 Brandbomben und Phosphorkanister.

 

Insgesamt, so sagen Experten, gingen 39.000 Bomben in der Region nieder. Der Freistaat hält sich hier mit konkreten Zahlen zurück: "Es lässt sich keine seriöse Aussage darüber treffen, wie viele Bomben über Bayern oder einer bestimmten Region abgeworfen worden sind. Ebenso wenig lässt sich abschätzen, wie viele Bombenblindgänger noch in Bayerns Böden liegen", teilt das Ministerium auf Anfrage mit. Alleine im Jahr 2011 hat der Kampfmittelbeseitigungsdienst über 60 Tonnen Kampfmittel – darunter 214 Splitter- und Sprengbomben – in Bayern geborgen und unschädlich gemacht. Diese Zahlen zeigten, "dass auch weiterhin in Bayerns Böden mit Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg zu rechnen ist".

 

Klar definiert ist hingegen, wie nach einem Munitionsfund vorgegangen werden sollte, und vor allem, wer das Ganze dann bezahlt. Wichtig sei, so das Innenministerium sowie die Städte Regensburg und Neutraubling übereinstimmend, dass derjenige, der Munition findet, auf keinen Fall selbst Hand anlegt. Die Polizei sei hier die richtige Anlaufstelle. Diese sorge dafür, dass die Feuerwehr und der Kampfmittelbeseitigungsdienst in Aktion treten. Danach folgten die Absperrung des Gebietes und gegebenenfalls eine Evakuierung. Für diese Einsätze werden keine Kosten erhoben, so das Innenministerium, sowohl für die Entschärfung als auch für Feuerwehr und Polizei fallen keine Kosten an.

 

Für den Fall, dass durch eine Sprengung Schäden entstehen, so wie in München, so sind zunächst die Versicherungen der Betroffenen am Zuge. Für Schäden, die nicht versicherbar sind, hat sich im aktuellen Fall die Stadt München bereit erklärt, in „sozialen Härtefällen oder bei Existenzgefährdungen“ einzuspringen.

Autor: Ursula Hildebrand
Weitere Nachrichten aus dem selben Ort: