21.02.2012 Regensburg
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Einem Walhalla-Bockerl-Bahnhof droht der Abriss

Historisches Denkmal in Gefahr?


Foto: Ursula Hildebrand
Oliver Zahlauer ist untröstlich, das Haus, in dem er aufgewachsen ist und – mit Unterbrechungen – bis heute lebt, soll abgerissen werden, weil sich eine Sanierung nicht lohnt. Es handelt sich dabei um ein geschichtsträchtiges Gebäude in der Donaustaufer Straße. Hier hielt schon in den Fünfzigern des vergangenen Jahrhunderts das Walhalla-Bockerl.

Heute sieht das kleine Häuschen von außen eigentlich ganz gut aus, innen aber blüht der Schimmel. Vor etwa drei Jahren sei das Haus an den Kanal angeschlossen worden, damals könnte etwas schief gelaufen sein, berichten die Zahlauers. Seitdem nämlich drückt das Wasser ins Mauerwerk, der Schimmel verbreitet sich vor allem im Wohnzimmer und im Schlafzimmer im Erdgeschoss. Abgesehen davon, dass es wenig schön aussieht, wenn der Schimmel an den Wänden wächst, machen sich Marlen und Oliver Zahlauer auch Sorgen um die beiden Kinder. Die ältere Tochter (acht Jahre) leidet an Asthma, Mutter Marlen hat Hautausschlag.

 

Sanierung dürfte teuer werden

Viel Geld und Arbeit hat die Familie in das kleine Häuschen investiert. Schon der Vater von Oliver, der momentan im Krankenhaus liegt, hat sein handwerkliches Geschick dem Haus zuteil werden lassen. Ein unausgebauter Speicherraum wurde zum Kinderzimmer umgebaut, die Toiletten saniert und neue Fenster eingebaut. "Mir blutet das Herz", berichtet er am Telefon. Mehrfach habe er auch das Haus kaufen wollen, doch so weit sei es nie gekommen. Jetzt, so berichtet Oliver Zahlauer, sei es ihnen unmöglich das haus zu kaufen und dann fachgerecht zu sanieren. Das nämlich würde nach ersten Schätzungen zwischen 160.000 und 180.000 Euro kosten. Geld, das die Familie nicht hat – und Geld, das die Stadt wohl nicht ausgeben will, obwohl es sich bei dem Gebäude doch um ein Stück Kulturgut der Stadt handelt.

 

Historischer Wert

Damals, als beraten worden sei, wo man die Lok, die jetzt in Stadtamhof steht, aufstellen könnte, sei auch ein Grundstück neben dem Haus in der Donaustaufer Straße in Betracht gezogen worden. Das sei aber dann wegen der unmittelbaren Nähe zu einer Schule wieder verworfen worden. Man habe also wohl schon einmal erkannt, welch historischen Wert das Gebäude auch für die Stadt haben könnte. Alte Aufnahmen im Buch "Unvergessene Walhallabahn – 2" des EK-Verlages zeigen das Haus an der Bahnlinie im Jahre 1952.

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Keine Auskünfte bei Stadt und Stadtbau

Bei der Stadtbau, die das Gebäude verwaltet, erhalten wir nur spärlich Auskunft. Geschäftsführer Joachim Becker gibt an, dass sich das Gebäude im Besitz der Stadt befinde, die Stadtbau es lediglich verwalte. Das Gebäude sei in einem "baulich sehr schlechten Zustand". Das Liegenschaftsamt wolle es nun mietfrei stellen und dann weitersehen. Sollte eine Sanierung nicht in Betracht gezogen werden, so sei der Abriss die letzte Option. Bei der Stadt Regensburg selbst gibt man sich noch zugeknöpfter. Anita Keuchl, stellvertretende Leiterin des Liegenschaftsamtes, gibt an, dass das Thema in einer Sitzung des Grundstücksausschusses beraten worden sei – nicht-öffentlich. Deshalb könne sie hierzu keine Auskünfte geben.

 

Soll hier klammheimlich ein Stück Kulturgut der Stadt Regensburg verschwinden? Sind wirklich alle Möglichkeiten bereits ausgelotet? Warum wird über so ein Stück Regensburger Geschichte nicht öffentlich diskutiert? Das Wochenblatt wird genau an diesen Fragen dranbleiben.

 

Familie Zahlauer muss raus

Selbst wenn die Stadt aber das Haus erhalten würde, für Familie Zahlauer ist klar, dass sie raus muss. „Wir suchen eine Vier-Zimmer-Wohnung in Reinhausen mit Einbauküche, ein Hund sollte auch erlaubt sein“, sagt Marlen Zahlauer. Bis zu 800 Euro könnte die kleine Familie für ihr neues Zuhause aufbringen.

 

Wer eine geeignete Wohnung hat, der meldet sich bitte unter redaktion-r@wochenblatt.de, wir leiten die Angebote dann weiter.



Autor: Ursula Hildebrand
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