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04.07.2012 Regensburg

Einnahmen aus REWAG-Sponsoring:

Steuerzahler muss für den Ironman kräftig Geld auf den Tisch legen


Foto: Günter Staudinger
Die Kommunen klagen landauf, landab, dass die Kassen leer sind. In Regensburg lebt man da vergleichsweise auf einer Insel der Glückseeligen. Doch auch hier sollte sparsam umgegangen werden mit den Steuergeldern. Wenn möglich, sollte vielleicht auch der ein oder andere Euro durch Veranstaltungen hängen bleiben. Beim Ironman allerdings scheint es gerade anders herum zu sein: Hier blecht nämlich die Stadt.

Was hat man sich nicht alles erhofft vom Ironman: Fernseh-Übertragung in die ganze Welt, Erwähnung in den Nachrichten, Sportler, die von der Stadt begeistert sind, Touristen, die auch wegen des Ironmans in die Stadt kommen. Und was hat man bekommen? Ärger bei den Anwohnern an der Strecke, doch nicht so viel Fernsehzeit, wie erhofft, und jede Menge Kosten, die bei der Stadt und damit beim Steuerzahler hängen bleiben.

 

Der Veranstalter selbst spricht natürlich in den höchsten Tönen vom Ironman 2012 in der Domstadt. Was die Veranstaltung letztlich gekostet hat, das will Kai Walter, Geschäftsführer der "World Triathlon Corporation Xdream Sports & Events GmbH", nicht verraten. Es habe sich bewährt und werde von den Partnern geschätzt, "dass wir im Detail über Finanzen und nicht öffentliche Vertragsinhalte auch nicht öffentlich sprechen“. Auch die Stadt verweigert hier Auskünfte: "Details zum Vertrag können wir aus datenschutzrechtlichen und vertraglichen Gründen nicht nennen. Für den Veranstalter fallen jedoch beispielsweise Sondernutzungsgebühren für seine Werbemaßnahmen an", so Bürgermeister Gerhard Weber auf Wochenblatt-Nachfrage.

 

Zahlen finden sich im Haushaltsplan

Veranstalter und Stadt schweigen, doch dabei lassen sich die betreffenden Zahlen ganz schnell im Haushaltsplan der Stadt wiederfinden. Warum also das große Schweigen über Zahlen, die doch öffentlich sind? Auf den Seiten 792 und 793 des Regensburger Haushaltsplanes (Verwaltungshaushalt) finden sich die entscheidenen Zeilen: Insgesamt, so steht es dort, wurden im Jahr 2010 187.400 Euro für den Ironman von Stadtseite ausgegeben, im Gegenzug sind 25.000 Euro als "Zuschüsse für laufende Zwecke von privaten Unternehmen" verbucht, hier handelt es sich um Sponsorengelder der REWAG, so die Stadt. Für das Jahr 2011 fehlen diese 25.000 Euro im Haushaltsplan, da zum Zeitpunkt der Verabschiedung die Zusage der REWAG noch nicht vorlag. Nach Auskunft der Kämmerei aber sei auch für 2011 diese Summe eingegangen. Für das Jahr 2012 sind ebenfalls 25.000 Euro als Einnahme für den Ironman eingeplant, die REWAG hat hier bereits zugesagt, diese Summe wieder zu spenden.

 

Auf der Ausgabenseite sieht es dann allerdings weniger erfreulich aus: Alleine für die Bereitstellung des Dultplatzes, der Donau-Arena und von Lagerhallen schlugen 2010 für die Stadt 18.235 Euro zu Buche. Für Strom, Gas und Wasser kommen fast 13.000 Euro hinzu. EDV, Bustransporte und Straßenreinigung sowie Müllentsorgung verlangten über 56.000 Euro. Und der größte Brocken, fast 100.000 Euro, entfiel auf Genehmigungsgebühren, den Brandsicherungsdienst, die Absperrungen und die Hinweisschilder sowie auf Toilettenalagen und ähnliches. Insgesamt 187.400 Euro stehen also als Ausgaben den 25.000 Euro Einnahmen gegenüber. Und für 2011 sehen die Planungen noch schlimmer aus: Hier stehen 258.000 Ausgaben im Plan, 25.000 Euro wurden durch das REWAG-Sponsoring eingenommen. Im Jahr 2012 sind Ausgaben in Höhe von 214.000 Euro veranschlagt, im Gegenzug sollen wieder 25.000 Euro Sponsorengelder fließen. Es blieben dann Ausgaben in Höhe von 189.200 Euro bei der Stadt. Kosten, die der Steuerzahler übernehmen muss.

 

Übernachtungszahlen

Und dann war dann noch die Frage nach den Übernachtungszahlen: 14.000 sollten es sein, das Geld bliebe „komplett in der Stadt“. Nach Wochenblatt-Recherechen aber kauft der Reiseveranstalter „Nirvana Europe“, der mit dem Ironman-Veranstater zusammenarbeit, in großem Stil Bettenkontingente ein und verkauft diese dann weiter. Der große Gewinn bleibt also nicht bei den Hotels, denn die Hotels verkaufen ihre Kontingente natürlich, weil in großem Stil gekauft wird, entprechend günstig. Und dann werden die Hotelzimmer als "Event-Packs" weiterverkauft. "Dass Hotelkontingente ein- und wieder weiterverkauft werden, ist gängige Praxis. Von der Aussage, dass durch die Übernachtungen in der Region auch die Betriebe in der Region profitieren, ist nichts zurückzunehmen", teilt hier der Veranstalter mit – und schwächt seine eigene Aussage aus der Pressekonferenz ab.

 

Kosten für Polizeieinsatz

Und auch der Polizeieinsatz von insgesamt 433 Kräften ist für den Veranstalter kostenfrei, denn: "Die Kostenregelung stellt nur darauf ab, ob an der Sportveranstaltung überwiegend Amateursportler teilnehmen, unerheblich ist, ob der Veranstalter ein Startgeld erhebt oder nicht", teilt das Innenministerium auf Anfrage mit.

Autor: Ursula Hildebrand

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