Einfach Wahnsinn:
Starkmacher-Musical statt Deutschland sucht den Superdeppen!

Das wirklich Tragische an diesen dämlichen Casting-Shows ist doch das: Man gaukelt Jugendlichen vor, man könne ein Star werden, jeder kann das, mit ein bisschen Talent. Und alle, die sich blamieren, die werden vorgeführt und kräftig ausgelacht. Doch wie schwierig ist das denn überhaupt, auf einer Bühne zu stehen? Und wie hart muss man dafür arbeiten?
In einem einzigartigen Projekt hat die Bischof Manfred Müller-Schule zusammen mit dem Sozialpädagogischen Zentrum St. Leonhard ein Projekt verwirklicht, das in Regensburg nicht nur einzigartig ist – es zeigte auf, was Kinder wirklich benötigen, und zwar jenseits des Leistungsdrucks von Schulstress, Hausaufgaben und Co.: Man muss sie fordern, sie mal machen lassen, sie mal kreativ sein lassen – um zu sehen, dass man mit harter Arbeit etwas tolles schaffen kann.
Und das ist absolut gelungen: Allein die Resonanz des Regensburger Publikums war überwältigend. In der Donauarena nahmen etwa 3.500 Gäste platz und sahen zu, wie die internationale Truppe von Gen Rosso das Musical Streetlight aufführten. Darin geht es um den Unsinn von Gewalt, um die Brutalität der Straße und von Jugendgangs, aber auch darum, dass man „Nein“ sagen kann. Dass man auch als junger Mensch die Alternative zum Gruppenzwang wählen kann, sich für das Gute entscheiden kann – denn Rache, Gewalt und Hass führen ins Verderben.
Die internationale Truppe von Gen Rosso – mit Musikern aus Tansania, Polen, Italien und Brasilien – bot eine professionelle Show. Doch das war nicht das Besondere an dem Abend. Im Laufe der Woche hatten die Musiker in 14 Workshops mit den Kindern gearbeitet. Von Catering über Security über Trommeln und Gesang lernten die Kinder, was nötig ist, um einen solchen Abend möglich zu machen. Sich einzubringen, aufeinander einzugehen, weil man alleine so eine riesige Aufgabe nicht stemmen kann, war eine Lektion, die sicherlich weit über das hinaus reichen wird, was Schule vermitteln kann.
Und unserer Gesellschaft steht es auch gut an, sich Gedanken darüber zu machen, wie man gerade auch schwächere Kinder fördert. Das fünfte Klavier im gymnasialen Musikzimmer löst viele Probleme nicht, die auch in unserem Land bestehen. Kaum Würdigung erfährt dabei die herausragende Leistung, die in diesem Fall auch die Kirche als Institution jenseits ihrer verknöcherten Würdenträger leistet: Mit Menschen, die das Christentum als das verstehen, was es ist: Die Aufforderung, mit dem Nächsten und für den Nächsten zu leben, füreinander da zu sein. An der Bischof Manfred Müller Schule und im Sozialpädagogischen Zentrum St. Leonhard ist Kirche gegenwärtiger als in allen Bischofskonferenzen dieser Welt.
Dass auch die Stadt Regensburg ihren Beitrag dazu leisten will, alle mitzunehmen, bewies wieder einmal der dritte Bürgermeister Joachim Wolbergs. Er war als Schirmherr gekommen und es wird sicherlich nicht schaden, dass die beiden Moderatoren, die von irgendwoher aus Mannheim waren, ihn abwechselnd „Wolbauer“ und „Wolberger“ genannt haben. Wolbergs ist ein Streiter für Menschen, die nicht Top und Elite sind. Das macht ihn menschlich – und das war auch das Menschliche an der Veranstaltung der Starkmacher. Doch bei allem Hintergrund sollte man doch an dieser Stelle auch nochmal die Schüler loben! Wow, das, was sie in so kurzer Zeit auf die Füße gestellt haben, ist wirklich beeindruckend gewesen. Die Donau-Arena war nicht nur voll, nein, das Publikum war begeistert. Schöne Chor- und Tanz-Einlagen fügten sich ineinander, alle machten eine gute Figur – ein toller Abend, und diesmal war es an den Erwachsenen, sich zu verbeugen vor den Kindern. Ihr wart Klasse!!!
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