Wer hätte das gedacht? Aus – zugegeben etwas anstößigen – Schneekunstwerken wurde in den letzten Tagen eine echte Staatsaffäre. Hauptdarsteller: Ein Uni-Rektor, der sich in München gerade unbeliebt macht, ein Wissenschafts-Ministerium, das nervös auf die Studentenproteste in Regensburg blickt – und eine Studentengruppe namens PhallokratInnen, die sich einen Scherz aus „Schnee-Schniedeln” macht.
Doch von vorn: Wie bereits im Vorjahr machten sich Studenten aus Passau einen Spaß und bauten einen „Schnee-Schniedel”. Unsere Kollegen von der Passauer Woche berichteten – mit großer Resonanz, denn die Studis machten sich einen Spaß aus den anstößigen Schneeskulpturen.
Das Regensburger Wochenblatt berichtete online über die Passauer Aktion. Daraufhin erhielten wir eine Pressemitteilung der neu gegründeten Gruppe Die Phallokratinnen, auch in Regensburg gebe es ähnliche Gebilde – mitsamt, na, sagen wir mal eindeutigen Fotos garniert.
Auch das war uns eine eher ironisch gemeinte Berichterstattung wert, denn schließlich sind die 70er Jahre ja noch nicht allzu lange her, als man auch an den Unis nicht vor sich hin biedermeierte. Offenbar versteht der Staat da aber keinen Spaß!
Denn der Rektor der Uni Regensburg veranlasste kürzlich seinen Pressesprecher, beim Wochenblatt vorzusprechen – mit dem etwas deftigeren Satz: „Sind Ihnen vielleicht die Themen rund um die Uni ausgegangen?” Schließlich aber bekannte der Uni-Sprecher Farbe:
Das Wissenschafts-Ministerium nahm unseren Bericht über die Schnee-Schniedel zum Anlass, an der Uni Regensburg nach dem Rechten zu sehen – die Aktion der Studenten erregte einigen Unmut in München.
Dass allerdings die Aktion nicht allein Schabernak zum Hintergrund hat, belegt, dass der Unmut bei den Studenten größer wird. Uni-Rektor Thomas Strothotte war es gelungen, die Studenten gegen die Sparmaßnahmen der Staatsregierung auf seine Seite zu ziehen. Doch langsam fragen sich die Studenten, warum Strothotte weiterhin auf die volle Höhe der Studiengebühren pocht: Während Hochschul-Studenten 400 Euro pro Semester zahlen, verlangt die Uni 500.
Aus der Pressestelle der Uni Regensburg verlautbart dazu, dass es derzeit wohl nicht in Frage kommt, die Höhe der Studiengebühren in Frage zu stellen. Schließlich könne man nicht auf der einen Seite gegen Sparmaßnahmen protestieren, auf der anderen aber Gebühren senken.
Fraglich ist, wie lange sich die Studenten diese Doppelzüngigkeit noch gefallen lassen. Da wird aus einer Kunst-Aktion schnell bitterer Protest …
Autor: Christian Eckl
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