20.10.2010 Regensburg
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Trotziger Jungspund:

„Ich rauche weiter, bis ich Blut spucke“

Raucher
Foto: sl
Jugendliche qualmen bei Vortrag über „Komasaufen, Kiffen und kein Ende ­ ˗ wird die Jugend immer süchtiger?“ in „geschlossener Gesellschaft”

 

Erstaunt zeigte sich Prof. Klaus Weber, Diplompsychologe an der Hochschule München für Suchttheorien, vergangenen Freitag in Regensburgs gemeinnützigem Verein L.E.D.E.R.E.R.: Denn eine Horde Jugendlicher befand sich unter seinen Zuhörern. Das wäre nicht weiter besonders, würde der Titel seines Vortrages nicht „Komasaufen, Kiffen und kein Ende ­ ˗  wird die Jugend immer süchtiger?“ lauten. Auf die Frage, was sie zum Kommen bewegt hat, antwortet ein Bursche: „Uns interessiert, welches Bild die Erwachsenen von uns haben“. Toll, denkt man, sozial-politisch interessierte Jugendliche. Dann fügt der Jungendliche allerdings sogleich hinzu: „Und weil wir erfahren haben, dass man im L.E.D.E.R.E.R. rauchen darf.“
 
Da zündet er sich auch schon einen Glimmstängel an, seine Freunde tun es ihm nach. Extrem lässig sitzen sie auf der Couch und trinken ihre erste Runde. Man will sich cool geben. Auf Nachfrage des Wochenblatts, warum man hier rauchen darf, erklärt der Wirt, oder besser gesagt der ehrenamtliche Getränke-unter-die-Leute-Bringer: „Offiziell ist das L.E.D.E.R.E.R. ein Privatraum, ein Wohnzimmer. Deshalb hängt an der Eingangstür auch das Schild ,geschlossene Gesellschaft’. Die Rauch-Entscheidung überlassen wir den Veranstaltern.“ Doch dass die Sache nicht ganz astrein ist, gesteht er selbst zu: „Wir befinden uns da in einer rechtlichen Grauzone“. 
Referent Weber sieht das Suchtproblem vieler Menschen in den schwierigen gesellschaftlichen Verhältnissen begründet. Seiner Meinung nach seien Drogen ein „Ersatzmittel“, mit dem die Bedürfnisse nach schönen Zuständen, die im realen Leben fehlen, zumindest für kurze Zeit befriedigt werden. 
 
„Aber nicht nur die Jugend, sondern auch sozial Schwächere haben damit zu kämpfen – rund 40 Prozent der Hartz IV-Empfänger haben ein Alkoholproblem“,  macht Weber die Situation an Zahlen deutlich.  
Bei der Behebung von Drogenproblemen würden Verbote allerdings gar nichts helfen, zumal gerade die Politiker mit schlechtem Beispiel voran gehen: „Im Bundestagsgebäude wird gekokst und die Politiker hauen sich die Hucke voll“, behauptet Weber. Den Zeitpunkt, ab wann der Drogenkonsum vom Gelegenheits-Genuss zur Sucht wird, beschreibt der Psychologe so: „Wenn jemand nicht mehr Herr über das Mittel ist, sondern zum Knecht wird, dessen Leben fortan von Beschaffung und Konsum der Droge bestimmt ist“. Und wie kann man den Drogenkonsumenten helfen? „Besserwisserische Moralapostel zu spielen und Verbote zu erteilen, wie es Eltern gerne tun, bewirken geradezu das Gegenteil“, meint Weber. Da schaltet sich auch der qualmende Bursche wieder in die Diskussion mit ein: „Man muss das Aufhören selbst wollen. Ich weiß selber, dass das Rauchen gesundheits-schädlich ist. Die gutgemeinten Ratschläge meiner Oma nerven mich nur. Ich rauche jedenfalls weiter, bis ich Blut spucke!“. 
 
Nachdem die anschließende Diskussion zwischen Weber, einigen besorgten Eltern und der Jugend auf keinen grünen Zweig kommt und offiziell beendet wird, bestellen sich die Jugendlichen die nächste Runde Bier. Der Abend ist schließlich noch jung. 


Autor: Sonja Lemberger


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