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14.01.2016 Regensburg

Kirche

Regensburger Geistlicher: ,Papst Franziskus blamiert doch unseren Papst Benedikt dauernd!'

Prälat Heinrich Wachter, Stiftsdekan von St. Johann, in dem auch Papstbruder Georg Ratzinger Mitglied ist.
Foto: Eckl
Wir treffen Prälat und Stiftsdekan Heinrich Wachter in seinem Büro in der Viereimergasse. Er traf kürzlich Papst Benedikt. Wir sprachen mit dem Geistlichen über die Missbräuche bei den Domspatzen, die Entwicklung der Weltkirche – und Papst Franziskus.

Herr Prälat, was ist für Sie der größte Unterschied zwischen Papst Benedikt und Papst Franziskus?

 

Prälat Wachter: Da gibt es gewaltige Unterschiede. Man kann pauschal sagen: Franziskus macht alles anders. Das ist zwar sicher nicht seine Absicht, das muss man Franziskus nicht unterstellen, aber in vielem, wie er handelt, blamiert er seinen Vorgänger. Er stellt sich grundsätzlich anders ein zu bestimmten Verhaltensweisen wie unser Benedikt. Theologisch ist Franziskus im Vergleich zu ihm aber gar nicht auf dem Laufenden. Er redet unwahrscheinlich viel, aber er gibt kaum eine klare Stellungnahme ab. Selbst Kardinal Meisner sagte zu ihm, dass seine Aussagen immer sehr problematisch sind.


Woher kommt das?


Franziskus trifft seine Entscheidungen aus dem Bauch heraus, die dann für die Menschen, die immer nach Veränderungen schreien in der Katholischen Kirche, zu ihren Gunsten interpretieren. Das hat sich sehr zugespitzt.


Was bewirkt das innerhalb der Kirche?


Kardinal Brandmüller hat seinem Kollegen, Kardinal Kasper, schon Häresie vorgeworfen. Das sagt doch schon alles.
Viele Menschen in Deutschland haben aber das Gefühl: Endlich ändert sich was, beispielsweise bei geschiedenen Wiederverheirateten.

Gibt es da jetzt aus Ihrer Sicht klare Linien?


Eben nicht! Es war doch schon fraglich, dass man eine Umfrage vor der Synode gemacht hat. Als hätte nicht die ganze Welt gewusst, wie die Einstellung der Leute zu diesen Themen ist. Da braucht es doch keine Umfrage! Die Bischöfe hatten doch auch vorher Kontakt zu den Menschen.


Ist das Populismus?


Ja, das sehe ich so. Das hat aber dazu geführt, dass Rom einen Dialog mit den Bischöfen führt. Aber der ist doch sang- und klanglos in die Binsen gegangen. Das ist völlig daneben gegangen, weil nicht das herausgekommen ist, was sich die Menschen, die Änderungen wollen, gewünscht haben. Das ging weiter mit der zweiten Synoden: Zweimal sind sie sich nicht einig geworden.


Und jetzt muss der Papst ein Fazit ziehen?


Ja, aber das zögert er hinaus! Das ist das Gefährliche bei ihm, dass er am Ende keine Entscheidung trifft. Es ist zwar sehr begrüßenswert, dass er alles anschneidet und über alles redet und dadurch sehr volkstümlich ist, aber er lässt zu viele Interpretationsmöglichkeiten offen.

Bei Benedikt sagte man, er trat zurück, weil er an der Kurie scheiterte. Franziskus setzt hier zwei Pole: Einerseits den neuen Kardinalsrat, in dem auch Kardinal Marx aus München Mitglied ist, und andererseits Kardinal Müller, der zu seinem Gegenspieler wird. Eine Konkurrenz?


Die war schon immer da, schon als Müller Bischof in Regensburg war, war Marx sein Gegner. Man ist sich aber nicht sicher, auf welcher Seite der Papst nun wirklich steht. Es war doch sonderbar, dass Franziskus wieder Kardinal Kasper zum Gespräch eingeladen hat. Und Kardinal Marx in München ist angetan von der Dezentralisierung der Kirche, die von Franziskus ausgeht. Er ködert die Weltbischöfe mit mehr Selbstständigkeit und drückt sich auf diese Weise von seinen eigenen Entscheidungen.

Welche wären das?


Er müsste sagen, wie er zu den geschiedenen Wiederverheirateten und zu den Homo-Ehen und diesen Problematiken wirklich steht. Das große Risiko bei ihm ist, dass ihn jeder für sich instrumentalisiert. Ein Beispiel war jetzt wieder die Ökumene. Da besucht er die evangelische Gemeinde in Rom und schenkt denen einen Kelch. Was soll das? Was sollen die mit dem Kelch anfangen? Natürlich hat die Frau Käßmann das so ausgelegt, dass er für die Interkommunion ist. Fahrlässig lässt er zu, dass sich etwa das Zentralkomitee der deutschen Katholiken solche Dinge dann zu eigen macht. Das ist doch auch bei uns die Krankheit.


Sehen Sie das auch in den anderen Ländern?


Nein, das ZdK haben nur die Kommunisten ehemals und wir.


Auffällig sind die Unterschiede zwischenden konservativen süddeutschen Bischöfen wie Voderholzer und Oster in Passau. Warum sind sie so anders als die Norddeutschen?

Die Zusammensetzung in der Diözese übt sicher einen Einfluss aus. Aber dass die deutschen Bischöfe gar nicht mehr zusammen halten, erklärt das nicht.


Kürzlich hat Erzbischof Gänswein den zurückgetretenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebart-van Elst in Schutz genommen und den Rücktritt des Domkapitels gefordert. Wie sehen Sie das?


Ein Domkapitel kann einen Bischof völlig auflaufen lassen und isolieren. Gänswein hat ja die Limburger gefragt, ob sie überhaupt noch ein Teil der Weltkirche sein wollen (lacht).


Glauben Sie, dass das den Limburgern egal ist?


Das glaube ich nicht. Das wird sich mit der Neubesetzung in Limburg schon ändern. Zwar wird spekuliert, dass Georg Gänswein selbst hingeht, aber das glaube ich nicht.


Hat die Macht der Glaubenskongregation unter Gerhard Ludwig abgenommen?


Dadurch, dass Teile der Bischöfe glauben, dass Papst Franziskus nicht hinter ihm steht, ist eine gefährliche Situation entstanden. Der Papst hat alle Positionen auf fünf Jahre begrenzt und man muss befürchten, dass Müller nur noch drei Jahre im Amt ist. Dabei steht ja der Glaubenspräfekt in seinem Amt über dem Papst, weil ja er kontrolliert, ob der Papst überhaupt noch katholisch ist.


Der Missbrauch um die Domspatzen wird nun aufgearbeitet. Wie finden Sie das?


Unnötig. Ich finde, das ist überflüssig. Dass ewig über das selbe geredet wird, da hätte man doch 1.000 andere Fälle wie in Sportvereinen, über die man auch reden müsste. Die Aufarbeitung ist doch längst hinter uns, das brauche ich nicht dauernd wiederholen.

Autor: Christian Eckl

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