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08.08.2012 Deuerling/Aufhausen

Peinliche Panne:

Regensburger Finanzamt sendet sensible Unterlagen an die falsche Adresse

Hedwig Mosch
Foto: Ursula Hildebrand
Es ist wahrscheinlich schon jedem mal passiert: beim Verschicken nicht aufgepasst – und schon landet die Mail in einem fremden Postfach. Briefe falsch zu verschicken, das passiert dann wahrscheinlich schon weniger häufig – und wenn es sich um sensible Daten handelt, dann sollte man eigentlich doppelt und dreifach aufpassen, dass die Unterlagen auch beim richtigen Empfänger ankommen – Daten vom Finanzamt zum Beispiel!

Angelika Mühlbauer staunte nicht schlecht, als sie gleich zweimal Post vom Finanzamt bekam – am selben Tag. Im ersten Brief steckten die Unterlagen, die sie zusammen mit ihrer Steuererklärung ans Finanzamt geschickt hatte, dazu ein nettes Begleitschreiben. Im zweiten Umschlag dann das selbe Schreiben zusammen mit Kontoauszügen und Lohnsteuerbescheinigungen. Diese allerdings gehörten nicht den Mühlbauers, sondern Hedwig Mosch und ihrem Mann aus Deuerling.

 

Angelika Mühlbauer forschte nach und rief bei den Moschs an, und da fiel man aus allen Wolken. Die Kontoauszüge und die Lohnsteuerbescheinigungen in fremden Händen! Was da alles passieren kann! "Frau Mühlbauer hat sich bei mir entschuldigt, dass sie nun meine Daten lesen musste, um herauszufinden, wem die Unterlagen gehören", berichtet Hedwig Mosch dem Wochenblatt. "Ich hab nur gedacht: Was tun meine Unterlagen bei der Frau Mühlbauer in Aufhausen?" Die Vorstellung, dass nun Fremde wissen, wie hoch der Kontostand ist, für was Geld ausgegeben wurde und wie viel man so verdient, das war Hedwig Mosch gar nicht geheuer. Aber: "Die Frau war super", sagt sie, denn Angelika Mühlbauer investierte einen Briefumschlag und 55 Cent und schickte die fremden Unterlagen nach Deuerling. "Sie hätte auch alles wegwerfen können", mein Hedwig Mosch und ist sichtlich froh, dass sie Kontoauszüge und Lohnsteuerbescheinigungen wieder hat.

 

Ärgerlich findet sie vor allem, "dass das Finanzamt ja auch immer gleich da" sei, wenn es etwas wolle, aber selbst gehe man dann wohl doch schlampig mit den Unterlagen der Steuerzahler um. Nicht auszudenken, wenn jemand, der Übles im Sinn hat, an die Kontodaten gekommen wäre. Nicht von ungefähr wird davor gewarnt, Kontoauszüge einfach so im Ganzen im Altpapier zu entsorgen.

 

Hedwig Mosch ergreift die Initiative und ruft beim zuständigen Sachbearbeiter im Finanzamt an, der meint dann nur, dass ihm das natürlich leid tue, aber das könne schon mal passieren. Die Pressesprecherin des Regensburger Finanzamtes, Doris Merk, gesteht, dass „hier offensichtlich ein Fehler passiert“ ist, "aber dass sollte natürlich nicht sein". Weitere Auskünfte könne sie aber – wegen des Datenschutzes – nicht geben. Noch während sie das sagt, merkt sie selbst, dass genau das ja das Problem ist, denn der Datenschutz war beim falschen Verschicken der Unterlagen alles andere als gewahrt. Generell empfiehlt sie, dass Steuerzahler sich bei solchen Problemen direkt an das Finanzamt Regensburg wenden sollen, am besten direkt an den unmittelbaren Vorgesetzten der Sachbearbeiterin oder des Sachbearbeiters. So könne man diese Probleme schnell aus dem Weg schaffen.

 

Merk bedauert den Vorfall sehr – auch, dass bisher keine schriftliche Entschuldigung bei den Damen Mosch und Mühlbauer eingegangen ist, "das sollte eigentlich schon sein"! Wir werden sehen …

Autor: Ursula Hildebrand