03.11.2015 Regensburg

Predigt

Regensburger Bischof legt in Kritik an Deutscher Bischofskonferenz in Gender-Frage nach

Bischof Rudolf Voderholzer und Papst Franziskus
Foto: L'Osservatore Romano Bischof Rudolf Voderholzer und Papst Franziskus
Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat seine Kritik an einem Flyer der Deutschen Bischofskonferenz bzw. einer Arbeitsstelle noch untermauert. In einer Predigt am Fest des Bistumspatrons kritisierte er die Aussagen deutlich.

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Zum Hirtendienst, der dem Bischof aufgetragen ist,

zum Hirtendienst, den der heilige Wolfgang vor über 1000 Jahren in so vorbildlicher Weise in dem ihm übertragenen Bistum Regensburg ausgeübt hat, dass wir ihn heute noch als unseren Bistumspatron verehren,

zum Hirtendienst, den er ausübt als Fürsprecher vom Himmel her,

zu diesem Hirtendienst gehört auch das Wächteramt und die Aufgabe, gegebenenfalls die Stimme zu erheben, um auf Unstimmigkeiten oder Irrtümer hinzuweisen, sei es gelegen oder ungelegen. Ein solcher Fall ist jüngst wieder einmal aufgetreten.

Kritik am Gender-Flyer „Geschlechtersensibel. Gender katholisch gelesen“
Am 22.Oktober verwies die Deutsche Bischofskonferenz mit einer Pressemeldung auf die Veröffentlichung eines Gender-Flyers unter dem Titel „Geschlechtersensibel. Gender katholisch gelesen“. Gender, Sie wissen es, ist der englische Begriff für „Geschlecht“ und bezeichnet in der gegenwärtigen Debatte das gesellschaftlich oder kulturell geprägte Geschlecht im Gegensatz zum biologischen. Mit der Verantwortlichkeit der Bischofskonferenz wurde dieser Text auch in meinem Namen der Öffentlichkeit empfohlen, ohne dass ich den Inhalt vorher gesehen hatte, geschweige denn, dass ich ihm zugestimmt hätte. Deshalb war es geboten, meine Kritik öffentlich zu äußern. Die Details können Sie auf der Bistumswebsite nachlesen.

Der Flyer möchte in Abgrenzung zu einer extremen Form des Gender-Mainstream diese Theorien für grundsätzlich mit dem katholischen Glauben vereinbar erklären, und er erhebt den Anspruch, die katholische Position dazu zu formulieren. Das erste scheint mir unmöglich – es gibt letztlich kein „gender light“. Der Begriff ist und bleibt das Einfallstor und der Türöffner für mit dem christlichen Glauben nicht vereinbare Positionen. Und die katholische Position wird in diesem Flyer nicht vorgestellt, eher verschwiegen. Im Kern geht es mir um drei Punkte:

Der Text verschweigt den grundsätzlichen Gegensatz zwischen Gendertheorien und dem christlichen Schöpfungsglauben.
Der Text tut so, als leisteten Gendertheorien einen wichtigen Beitrag im Dienste der Gleichberechtigung aller Menschen, während ihre grundsätzliche Schöpfungsfeindlichkeit lediglich den Übertreibungen einiger weniger zuzuschreiben sei.
Der Flyer verschweigt dem Leser jeden Hinweis auf die Vielzahl kirchlicher Äußerungen zu den Gendertheorien, obwohl es genügend davon gäbe.

Gendertheorien dienen nicht der Gleichberechtigung aller Menschen
Zu Punkt zwei will ich klarstellen: Jeder, der sich für die Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern oder den Schutz der Menschenwürde einsetzt, hat mich an seiner Seite. Die Väter und Mütter des Grundgesetzes haben die Gleichberechtigung von Mann und Frau formulieren können ohne den Begriff gender zu gebrauchen. Die Sorge der Kirche und ihre Zuwendung gelten allen Menschen, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft und sexueller Orientierung. Diese Sorge gilt sogar schon vorgeburtlich und in jeder Lage und Phase des Lebens. Auch ein durch PID festgestellter genetischer Defekt rechtfertigt es nicht, einem Menschen das Lebensrecht abzusprechen und ihn zu töten. Und mit Entschiedenheit treten wir dafür ein, dass auf alte und kranke Menschen nicht dadurch Druck ausgeübt werden darf, dass die Beihilfe zum Suizid legalisiert und somit ein Weg eröffnet wird, dass sie sich fortan ihren Angehörigen legal „ersparen“ können.

Nur: Um all das geht es in der Genderdebatte nicht. Die Gendertheoretiker nützen das Gleichberechtigungsanliegen, um in der Gesellschaft ein Menschenbild einzuführen, das weit über das Anliegen der Gleichberechtigung hinausgeht und letztlich, paradoxerweise, zur Auflösung dessen führt, was geschützt werden soll, nämlich der je eigene Wert des Mannseins und des Frauseins. Gender läuft darauf hinaus, die Natur von Mann und Frau zu bestreiten und damit auch den Glauben an Gott, den guten Schöpfer auszuschließen.


Es geht um das Wesentliche von Mann und Frau – nicht um Rollen und Verhaltensmuster
Noch einmal: Es geht längst nicht mehr um die Frage nach vermeintlich männlichen oder weiblichen Rollen und Verhaltensmustern. Natürlich können auch Männer Hemden bügeln, Geschirr waschen und Kinder wickeln. Und auch Frauen können Autos einparken, Bundeskanzler werden und Reifen wechseln.

Es geht nicht um das vermeintlich „typisch weibliche“ und das vermeintlich „typisch männliche“. Es geht um das Wesentliche. Und hier kommt eben sehr wohl die Biologie zum Tragen, die man nicht von der Kultur loslösen darf, sondern die eben selbst noch einmal der Kultivierung bedarf. Die allzu starke Unterscheidung, im Extremfall die Trennung von biologischem und sozialem Geschlecht ist der Grundirrtum des Genderismus.

Das Wesen von Mann und Frau ist das potentielle Vatersein und das potentielle Muttersein. Das sind nicht austauschbare Rollen, sondern vom Schöpfer geschenkte Gaben, letztlich Berufung. Wenn eine Frau ein Kind bekommt, dann sagen wir nicht: typisch Frau, so als bräuchte es nur einen hinreichend emanzipierten Mann, der es ihr gleichtun könnte. Nein, das ist nicht typisch, sondern das ist wesentlich. Und das leibliche Dasein einer Frau, ihr Hormonhaushalt, ihre Körperlichkeit ist daraufhin ausgerichtet; und bleibt es auch, wenn sie ehelos lebt und kinderlos bleibt, weil sie sich vielleicht für die Nachfolge Christi in einer Ordensgemeinschaft entschieden hat, sich entschieden hat für eine geistliche Mutterschaft. All dies gilt umgekehrt auch für die Männer.


Auflehnung gegen die Schöpfung
Es ist ja eigentlich schon merkwürdig, dass man auf solche Selbstverständlichkeiten hinweisen muss. Aber es ist bitter nötig. Wer es nicht glaubt, dem empfehle ich, das „Wort zum Sonntag“ vom 27. Juni diesen Jahres anzuschauen – im Internet ist es noch zu finden – gesprochen von der evangelischen Pastorin Annette Behnken. Sie ging aus von der ihrer Ansicht nach problematischen Hormonuntersuchung für die Spielerinnen bei der Frauen-Fußballweltmeisterschaft. Bei der Männer-WM werde ja schließlich auch nicht geprüft, ob die Spieler wirklich keine Frauen seien. Man kann nur den Kopf schütteln über soviel Unsinn. Der Verzicht auf die – eben gerade biologisch begründete Unterscheidung von Mann und Frau wäre das Ende des Frauenfußballs – weil dann könnten der Schweinsteiger und der Podolski und alle anderen auch bei den Frauen mitspielen.

Im Hintergrund steht die Auflehnung gegen die Schöpfungsordnung.

Wer so denkt, und wer vielleicht sogar schon Kindern im Kindergarten, den schwächsten und formbarsten aber auch verführbaren in unserer Gesellschaft, damit aber auch den der Hirtensorge besonders anvertrauten, wer Kinder weismachen will, man müsse irgendwann einmal wählen, ob man Mann oder Frau sein will, um dann in irgendeine der verschiedenen Spielarten der Existenz hineinzuwachsen, der leugnet die Gutheit der Schöpfung; und ich fürchte auch, dass er sich an den jungen Menschen versündigt! In diesem so hochsensiblen Bereich, wo die eigene Identität natürlich auch errungen werde muss, ist es meines Erachtens hochgradig schädlich, den jungen Menschen nicht eine klare, biblisch fundierte, auf eine vernünftigen Anthropologie gründende Sichtweise zu vermitteln. Es ist nicht nur eine Überforderung, sondern ein ganz sinnloses Unterfangen, sein Geschlecht vermeintlich wählen zu wollen, statt das mit der Geburt geschenkte anzunehmen und zu kultivieren. Und wir sollten wachsam sein: Bis in die Werbung und in die Unterhaltungsindustrie ist diese Ideologie auf dem Vormarsch, ich denke nur an die Hanswursterei beim Eurovision-Songwettbewerb letztes Jahr.

Mit der Natur, nicht gegen sie: Menschen helfen, ihr Mannsein und ihr Frausein anzunehmen
Lassen Sie mich das allerneueste anführen. Die Bunte Illustrierte schreibt mit Bezug auf eine aktuelle Casting-Show: „Wer heutzutage noch in Geschlechtergrenzen denkt, ist seiner Zeit weit hinterher – zumindest in den Niederlanden. Dort hat erstmals ein Transgender-Model die Casting-Show ‚Holland’s Next Top Model‘ gewonnen und setzt damit ein wichtiges Zeichen.“1 Ein hübsches vermeintliches Mädchen, das freilich niemals Mutter werden könnte, selbst wenn sie es wollte. Wird sie sich wirklich als Frau verstehen können? Ganz abgesehen von den Folgen der chirurgischen Eingriffe und der gewaltigen Hormonbehandlung, die die natürlichen Gaben unterdrücken. Möge er/sie glücklich und zufrieden alt werden!

Über niemanden ist der Stab gebrochen, der Schwierigkeiten hat, sein biologisches Geschlecht anzunehmen. Aber da muss man jemandem helfen, sein Mannsein und sein Frausein anzunehmen. Das geht nicht chirurgisch, das geht nur menschlich und pastoral. Natürlich ist es entwicklungspsychologisch immer herausfordernd, den eigenen Weg zu finden in Identifikation mit und Abgrenzung von Vater und Mutter und den Geschwistern, und die eigene Natur zu kultivieren. Aber es gelingt nur mit der Natur, und nicht gegen sie!

Ziel wäre, wie Bischof Oster es formuliert, als Erwachsener sagen zu können: „Ich bin Mann oder Frau (Sex) und entfalte in dem mir geschenkten Spielraum und seinen Kontexten meine Zugehörigkeit zu diesem Geschlecht und in dieser Gesellschaft auf verschiedene Weise (Gender) und im gelingenden Fall in der nur mir zukommenden Einzigartigkeit und Sendung.“2 Ich meine nur, dass man auf den Begriff „gender“ ganz verzichten kann, denn er ist wie ein Trojanisches Pferd, er ist der Türöffner für die letztlich schöpfungswidrigen Theorien, die allenthalben damit verbunden werden. Noch einmal: es gibt keine „gender-light“-Version.


Katholischen Position nicht verschweigen - was Papst Franziskus über die Gendertheorie sagt
Der von mir hinterfragte Flyer behauptet sehr vollmundig, die katholische Position in der Frage vorzustellen. Er verschweigt dabei aber die zahlreichen Stimmen, die es von bischöflicher und päpstlicher Seite dazu gibt. Hören wir, was die Kirche wirklich zum Genderthema zu sagen hat:

„Die Gendertheorie ist dämonisch“3, sagt Papst Franziskus. Er zählt den Genderismus zu den grundlegenden Gefahren unserer Zeit, sieht sein Bedrohungspotential auf einer Ebene mit Nuklearwaffen und der Genmanipulation und beschreibt ihn als Haltung, mit der der Mensch eine neue Sünde schaffe, die gegen Gott den Schöpfer gerichtet sei.4 Während der Generalaudienz vom 15. April dieses Jahres fragt sich der Heilige Vater, ob die sogenannte Gender-Theorie nicht auch Ausdruck von Frustration und Resignation sei, die darauf abziele, den Unterschied zwischen den Geschlechtern auszulöschen, weil sie sich nicht mehr damit auseinanderzusetzen versteht. Und er fährt fort: „Ja, wir laufen Gefahr, einen Rückschritt zu machen. Denn die Beseitigung des Unterschieds ist das Problem, nicht die Lösung. Um ihre Beziehungsprobleme zu lösen, müssen Mann und Frau vielmehr miteinander sprechen, einander besser zuhören, einander besser kennenlernen, einander mehr lieben. Sie müssen einander respektvoll behandeln und freundschaftlich zusammenarbeiten.“5 Gleichzeitig beklagt er während seiner Philippinenreise die „ideologische Kolonisierung“6, die darin bestehe, dass die reichen Länder zwischenstaatliche Darlehensvergaben mit der Auflage verknüpften, Gendertheorie-Schulbücher einzuführen.

Die Bischöfe von Puerto Rico warnt Papst Franziskus anlässlich ihres Ad limina-Besuches im letzten Juni, dass Gender-Ideologien die Schönheit der Ehe gefährden und lädt sie ein, Distanz zu Ideologien zu nehmen, die die traditionelle Familie untergraben.7


Benedikt XVI.: „Manipulation der Natur, die wir heute für unsere Umwelt beklagen, wird zum Grundentscheid des Menschen im Umgang mit sich selber“
Papst Benedikt schenkte der Welt eine ergreifende Analyse des Genderismus im Rahmen seines letzten Weihnachtsempfanges in der Sala Clementina am 21. Dezember 2012. Ich will Ihnen hier die zentrale Passage vortragen, empfehle Ihnen aber den gesamten Text: „Die tiefe Unwahrheit dieser Theorie und der in ihr liegenden anthropologischen Revolution ist offenkundig. Der Mensch bestreitet, dass er eine von seiner Leibhaftigkeit vorgegebene Natur hat, die für das Wesen Mensch kennzeichnend ist. Er leugnet seine Natur und entscheidet, dass sie ihm nicht vorgegeben ist, sondern dass er selber sie macht. Nach dem biblischen Schöpfungsbericht gehört es zum Wesen des Geschöpfes Mensch, dass er von Gott als Mann und als Frau geschaffen ist. Diese Dualität ist wesentlich für das Menschsein, wie Gott es ihm gegeben hat. Gerade diese Dualität als Vorgegebenheit wird bestritten. Es gilt nicht mehr, was im Schöpfungsbericht steht: ‚Als Mann und Frau schuf ER sie‘ (Gen 1, 27). Nein, nun gilt, nicht ER schuf sie als Mann und Frau; die Gesellschaft hat es bisher getan, und nun entscheiden wir selbst darüber. Mann und Frau als Schöpfungswirklichkeiten, als Natur des Menschen gibt es nicht mehr. Der Mensch bestreitet seine Natur. Er ist nur noch Geist und Wille. Die Manipulation der Natur, die wir heute für unsere Umwelt beklagen, wird hier zum Grundentscheid des Menschen im Umgang mit sich selber. Es gibt nur noch den abstrakten Menschen, der sich dann so etwas wie seine Natur selber wählt. Mann und Frau sind in ihrem Schöpfungsanspruch als einander ergänzende Gestalten des Menschseins bestritten. Wenn es aber die von der Schöpfung kommende Dualität von Mann und Frau nicht gibt, dann gibt es auch Familie als von der Schöpfung vorgegebene Wirklichkeit nicht mehr. Dann hat aber auch das Kind seinen bisherigen Ort und seine ihm eigene Würde verloren. (…) Wo die Freiheit des Machens zur Freiheit des Sich-selbst-Machens wird, wird notwendigerweise der Schöpfer selbst geleugnet und damit am Ende auch der Mensch als göttliche Schöpfung, als Ebenbild Gottes im Eigentlichen seines Seins entwürdigt. Im Kampf um die Familie geht es um den Menschen selbst. Und es wird sichtbar, dass dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst. Wer Gott verteidigt, verteidigt den Menschen.“8


Familiensynode: Gender-Ideologie höhlt die anthropologische Grundlage der Familie aus
Hören wir schließlich auch die gerade beendete Bischofssynode mit ihrer Abschlusserklärung vom 24. Oktober 20159. Die offizielle deutschsprachige Version liegt noch nicht vor. Deshalb erlauben Sie bitte eine vorläufige, umschreibende Übersetzung: In Ziffer 8 wird die Gender-Ideologie als eine der wesentlichen Herausforderungen unserer Zeit dargestellt. Sie leugne den Unterschied zwischen Mann und Frau und ihre natürliche Verwiesenheit aufeinander. Sie sehe eine Gesellschaft ohne sexuelle Unterschiede vor und höhle die anthropologische Grundlage der Familie aus. „Diese Ideologie führt zu Erziehungsplänen und gesetzlichen Vorhaben, […] die radikal von der biologischen Verschiedenheit zwischen Mann und Frau losgelöst sind. Die menschliche Identität wird zu einer willkürlichen Verfügungsmasse, die beliebig veränderbar ist. Im Licht des Glaubens (aber) trägt die geschlechtliche Unterschiedenheit das Bild und die Ähnlichkeit Gottes in sich (vgl. Gen 1,26-27).“


„Der Wirklichkeit und der Integrität der menschlichen Natur völlig entgegen“ - was deutsche Bischöfe über die Gender-Ideologie sagen
Es sind solche klaren Worte, die im von mir kritisierten Flyer fehlen. Dabei hätte man durchaus auch deutsche Bischöfe zitieren können. Etwa den Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, der 2005 im Rahmen einer Tagung der Männerseelsorge feststellte: „Die derzeitige Genderforschung stellt die Eigenart und den Eigenwert von Mann- und auch Frausein in Abrede. Sie will Mann- und Frausein, Väterlichkeit und Mütterlichkeit nur als Produkt von Erziehung und Sozialisation gelten lassen. Damit liegt sie grundfalsch.“10 Oder den Bischof von Fulda, Heinz Josef Algermissen11. Er bezeichnete im vergangenen Sommer den Genderismus als eine Ideologie, die der Wirklichkeit und der Integrität der menschlichen Natur völlig entgegenstehe. Die Gender-Strategen unter den Politikern ließen nicht locker und wollten die substanziellen Unterschiede zwischen den Geschlechtern auflösen, kritisierte der Bischof in einer Predigt im Fuldaer Dom. Dadurch werde das christlich-jüdische Werte- und Menschenbild auf dramatische Weise bedroht.

Allen, die das Thema, seine Zusammenhänge, seine politischen Implikationen genauer kennenlernen wollen, empfehle ich das Buch des emeritierten Osnabrücker Sozialethikers Manfred Spieker.12


Stehen Sie mit der Kirche für das biblische Menschenbild ein!
Ich schließe mit Papst Benedikt, der im Januar 2013 vor dem päpstlichen Rat Cor Unum über Gendertheorien darlegte: „Die am meisten zu fürchtende Bedrohung, die von dieser Denkströmung ausgeht, bestehe darin, dass sich der Mensch absolut setzt. Der Mensch will „ab-solutus“ sein, gelöst von jeglicher Bindung und natürlichem Sein. Er beansprucht, unabhängig zu sein und denkt, dass sein Glück nur in der Selbstbehauptung besteht. Es gibt nur noch den abstrakten Menschen, der sich dann so etwas wie seine Natur selber wählt. Dabei handelt es sich um eine radikale Verneinung der Geschöpflichkeit und Sohnschaft des Menschen, was nur in „dramatischer Einsamkeit“ enden kann. (…) „Die Hirten der Kirche stehen in der Pflicht, nicht nur die Katholiken, sondern alle Menschen guten Willens und rechter Vernunft vor diesen Verirrungen zu warnen. Es handelt sich nämlich um ein negatives Abdriften des Menschen, selbst wenn sich dies mit guten Gefühlen im Zeichen des angeblichen Fortschritts, angeblicher Rechte oder eines vorgeblichen Humanismus tarnt.“13

Als Bischof, der die Fackel des Glaubens und die Hirtenverantwortung auch von einem heiligen Wolfgang übernommen hat, darf und kann ich zu diesem Thema also nicht schweigen, und ich bitte Sie, in dieser Sache mit mir zu streiten, damit das biblische Menschenbild in seiner ganzen Strahlkraft und Tiefe gerade auch den jungen Menschen unserer Tage Orientierung geben kann. Amen.
 

Autor: ce/Wortlaut des Bischofs in seiner Predigt

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