11.08.2017 Regensburg

Politik

Paukenschlag in der CSU: Gröschl legt Amt nieder, weil er Aumer nicht unterstützen will

Mit dem Sommerempfang des Mittelstands ist eine neue Dialogplattform zwischen Politik und Wirtschaft in der Region entstanden. Bei der Premiere diskutierten der Regensburger Bundestagsabgeordnete Philipp Graf Lerchenfeld, seine Kollegin Astrid Freudenstein, die beiden Mittelstandsunions-Kreisvorsitzenden Manfred Hetznegger und Gerhard Gröschl sowie Bezirksrat Thomas Gabler (von links).
Foto: Mittelstandsunion Regensburg-Land
Paukenschlag in der CSU kurz vor der Bundestagswahl: Gerhard Gröschl legt sein Amt als Vorsitzender der Mittelstandsunion im Landkreis Regensburg nieder, weil er Peter Aumer als Bundestagskandidat nicht unterstützen könne.

Das teilte er in dieser Woche den Mitgliedern des Kreisverbandes in einem persönlichen Brief mit: „Ich werde mich aus der Mittelstandsunion und insbesondere dem Kreisverband CSU Regensburg-Land vollständig zurückziehen“, schreibt er darin. Gerhard Gröschl, Inhaber eines mittelständischen Elektrounternehmens in Lappersdorf und Obermeister der Elektroinnung Regensburg, stand 15 Jahre an der Spitze der Interessenvertretung kleiner und mittelständischer Betriebe im Landkreis.

 

Er habe diese Entscheidung rechtzeitig vor Beginn der heißen Wahlkampfphase treffen wollen, so Gröschl. Er könne einen Kandidaten wie Peter Aumer nicht unterstützen, der seine Nominierung durch die gezielte Vorselektion von ihm gewogenen Delegierten erlangt hat und den man offiziell in die Abstimmung geschickt hat, weil ihm die Partei etwas schuldig sei, teilte der bisherige Vorsitzende der Landkreis-MU mit: „Diese Qualitätskriterien genügen meinen Ansprüchen jedenfalls nicht.“

 

In dem Brief an die Mitglieder begründet der MU-Kreischef seinen Entschluss ausführlich. Er sei in den vergangenen Jahren häufig in Berlin gewesen. „Das häufige Fehlen Aumers in Sitzungen, die eine hohe Fachkompetenz erfordern, lässt mich an der grundsätzlichen Eignung des Kandidaten für diese Aufgabe zweifeln“, so Gröschl. Die Vertretung einer so wichtigen Region wie Regensburg erfordert nach seinen Worten mehr Ernsthaftigkeit —  so wie sie Philipp Graf Lerchenfeld oder Astrid Freudenstein in den vergangenen vier Jahren unter Beweis gestellt hätten. 

 

Bedenklich ist nach Gröschls Worten auch, dass Peter Aumer als Abgeordneter in nur vier Jahren mehr als fünf wissenschaftliche Mitarbeiter verschliss, weil sie offensichtlich seinen speziellen Anforderungen nicht gewachsen gewesen seien. Auch das „schamlose Ausnutzen von aus Steuergeldern finanzierten Büromittelbudgets für Luxus-Artikel für den privaten Gebrauch“ kritisiert Gröschl.   

 

Aumers Wahlkampfslogan „Hört zu, packt an“ erschließe sich ihm nicht, so der MU-Kreischef. Der bisherige Vorsitzende kritisiert in seinem Schreiben gerade in diesem Zusammenhang den Auftritt Peter Aumers bei der letzten Vorstandsneuwahl der Mittelständler in der CSU. „Er kam zu spät, spielte die ganze Zeit desinteressiert mit seinem Handy, stand irgendwann auf und verschwand wort- und grußlos weit vor Ende der Veranstaltung“, so Gröschl. 

 

Hinzu komme, dass Aumer sich per Satzungsbeschluss zum Mitglied der Mittelstandsunion machen ließ, obwohl er weder Mittelständler noch in einer leitenden Funktion in einem Unternehmen ist oder war, so Gröschl. Als weiteren Grund, warum er Peter Aumer nicht unterstützt, nennt der MU-Chef dessen fehlende konkrete inhaltliche Positionierung in zahlreichen wichtigen Fragen: „Politiker-Worthülsen, die vieles im Ungefähren lassen, statt klare Antworten“, heißt es in dem Schreiben. 

 

Im dem Brief beschreibt der langjährige Vorsitzende auch das Profil seines Nachfolgers oder seiner Nachfolgerin: „Es muss sich um eine Unternehmer-Persönlichkeit handeln, die frei und unabhängig ausschließlich die Interessen des Mittelstandes vertreten kann, ohne anderen Parteigliederungen verpflichtet zu sein“, so Gröschl. Er werde nach Abschluss der Beratungen mit seinen Vorstandskollegen einen Vorschlag für den künftigen Kreisvorsitz unterbreiten, schließt das Schreiben.

Autor: ce/Pressemitteilung

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