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21.10.2012 Regensburg

Kirche

Papst spricht Anna Schäffer heilig: Tausende Gläubige aus dem Bistum Regensburg feiern in Rom

Der Heilige Vater bei der Heiligsprechungsfeierlichkeit am Petersplatz
Foto: Christian Eckl
Vor etwa 80.000 Gläubigen hat Papst Benedikt XVI. auf dem Petersplatz bei strahlendem Sonnenschein die Mindelstetterin Anna Schäffer neben sechs weiteren Menschen, die als Märtyrer starben oder bei deren Anbetung ein Wunder geschah, heilig gesprochen. Bei strahlendem Sonnenschein über Rom sprach der Papst nach dem Vorschlag des Heiligsprechungs-Kardinals Angelo Amato und einer auf Latein verlesenen Formel das entscheidende Wort: „Decernimus!“ – „Es ist beschlossen!“

Papstwetter über dem Petersplatz. 80.000 Gläubige, viele aus Bayern und vor allem aus dem Bistum Regensburg, stehen vor dem Altar vor der Kirche aller Kirchen und warten auf den Heiligen Vater. Der kommt, gebrechlich zwar, und doch mit für einen 86-Jährigen übermenschlichen Kräften auf den Platz, um gemeinsam mit den Pilgern und Gläubigen sechs Diener Gottes heilig zu sprechen.

Nach einem bewegenden Ritus, der aus Latein zelebriert wurde und während dem der Kardinal üfr die Selig- und Heiligsprechungen, Angelo Amato, dem Papst sechs Gläubige zur Heiligsprechung empfohlen hat, erklärt der Papst: „Decernimus!“ – „Es ist beschlossen!“ Die Schreine mit Reliquien werden dem Heiligen Vater präsentiert, einer aus Mindelstätten beinhaltet in einem wunderbaren goldenen Gefäß Splitter der Gebeine von Anna Schäffer, der ersten Heiligen im Bistum Regensburg, die auch dort geboren wurde.

Mit diesem Ritus bekundete der Papst und die Kirche, dass neben Anna Schäffer auch Jacques Berthieu, Pedro Calungsod, Giovanni Battista Piamarta, Maria Carmen Sallés Y Barangueras, Marianne Cope und Kateri Tekakwitha bereits in den Himmel aufgenommen wurden. Lithurgisch bedeutet dies auch, dass die Gläubigen sie anbeten und um Beistand bitten können, dass ihre Tugenden leitendes Vorbild sein mögen.

Mit schwacher, aber bestimmter Stimme sagte der Papst: „Anna Schäffer aus Mindelstetten wollte als Jugendliche in einen Missionsorden eintreten. Da sie aus einfachen Verhältnissen stammte, versuchte sie, die nötige Aussteuer als Dienstmagd zu verdienen. In dieser Stellung erlitt sie einen schweren Unfall mit unheilbaren Verbrennungen an den Beinen, der sie für ihr ganzes weiteres Leben ans Bett fesselte. So wurde das Krankenlager zur Klosterzelle und das Leiden zum Missionsdienst. Sie haderte zunächst mit ihrem Schicksal, verstand ihre Situation dann aber als einen liebevollen Ruf des Gekreuzigten in seine Nachfolge. Gestärkt durch die tägliche Kommunion wurde sie zu einer unermüdlichen Fürsprecherin im Gebet und zu einem Spiegel der Liebe Gottes für viele Ratsuchende. Ihr Apostolat des Betens und des Leidens, des Opfers und des Sühnen sei den Gläubigen in ihrer Heimat ein leuchtendes Vorbild, ihre Fürbitte stärke die christliche Hospizbewegung in ihrem segensreichen Wirken.“

Und zu den Pilgern aus seiner Heimat richtete Benedikt diese Worte: „Ein herzliches Grüß Gott sage ich allen deutschsprachigen Gästen, besonders den offiziellen Delegationen aus Bayern und den vielen Pilgern aus dem Bistum Regensburg“, so der Heilige Vater. „In das Herz Gottes hinein schauen, das hat die Heilige Anna Schäffer in ihrer Leidenswerkstatt gelernt. Dabei durfte sie erkennen, dass die Liebe Gottes einen Trost gibt, der noch größer wird, wenn man ihn auch anderen schenkt”, so der Papst.

Konzelebranten waren unter anderem Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, der am Vorabend in Sankt Paul vor den Mauern zusammen mit Diözesanadministrator Wilhelm Gegenfurtner, dessen Stellvertreter Michael Fuchs und dem Regensburger Domkapitel zusammen mit 2.000 Pilgern aus der Diözese einen Gottesdienst hielt. Müller predigte an der Stelle, an der sein Vorgänger im Amt des Glaubenspräfekten, Joseph Ratzinger, schon 1999 zur Seligsprechung von Anna Schäffer gesprochen hatte. In einer theologisch wie menschlich brillanten Predigt machte Müller deutlich, dass Macht und Prunk irdische Größen sind. Für Gläubige sind es andere, bessere Werte, die im Mittelpunkt des Lebens stehen.

Mit dabei waren zahlreiche Vertreter des Staates wie etwa Ministerin Emilia Müller, aber auch die Oberpfälzer Regierungspräsidentin Brigitta Brunner. Für die Stadt Regensburg war SPD-Fraktionsvorsitzender Norbert Hartl gekommen, der sich gut mit seiner Stuhlnachbarin Gloria von Thurn und Taxis unterhielt.

Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, würdigte bei einem Empfang in der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland beim Heiligen Stuhl das Lebens- und Glaubenszeugnis der Anna Schäffer: „Mit dem heutigen Tag hat uns Papst Benedikt eine neue Heilige geschenkt ... In einer Welt, die dazu neigt, Elend zu verdrängen, lädt uns die Heilige dazu ein, gemeinsam auf den Gekreuzigten zu schauen. Für Christen ist das Kreuz kein Grund, einen Bogen um das Leid zu machen, sondern die Wirklichkeit so anzunehmen, wie sie ist und uns ihr zu stellen.“
Die Gemeinschaft der Heiligen und die Gemeinschaft der Kirche bezeuge den gemeinsamen Glauben, so Erzbischof Zollitsch: „Wir dürfen voneinander lernen und miteinander den Glauben teilen, in meinem Glauben, den anderen mitglauben lassen. Diese Erfahrung dürfen wir auch in diesen Wochen hier bei der Bischofssynode machen. Wir Synodenväter beraten nicht nur über Wege der neuen Evangelisierung. Wir dürfen mitten in unseren Debatten und Reflexionen zusammen mit dem Heiligen Vater auch Höhepunkte des Kirchenjahres feiern.“ Die Kirche in Deutschland wisse sich gestärkt auf ihrem Weg, dazu habe auch die jüngste Erhebung der heiligen Hildegard von Bingen zur Kirchenlehrerin beigetragen. „Hildegard von Bingen und Anna Schäffer sind leuchtende Vorbilder für unseren Glauben und das christliche Zeugnis in der Öffentlichkeit.“ Erzbischof Zollitsch forderte dazu auf, die positiven Erfahrungen aus Rom auch für das geistliche Leben in der Heimat fruchtbar zu machen: „Ich denke dabei auch an den Gesprächsprozess der Deutschen Bischofskonferenz: In unseren Debatten und dem Suchen nach dem Weg der Kirche in die Zukunft, schauen wir immer zuerst auf Christus und lassen unser Tun und Handeln von seinem Wort leiten. So mögen von dieser Synode, so mögen vom „Jahr des Glaubens“ und den beiden heiligen Frauen Impulse ausgehen, die uns als Kirche in Deutschland tragen. Ich lade Sie ein, dass Sie von den Erfahrungen hier in Rom daheim in Ihren Bistümern und Gemeinden erzählen und dass Sie sie lebendig werden lassen.“ 

Autor: Von Christian Eckl (mit pm)

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