30.01.2016 Regensburg

Kirche

Papst lobt Kardinal Müller für Missbrauchs-Aufklärung – der hatte bei den Domspatzen geblockt!

Kardinal Müller. Feierlichkeiten zur Kardinalskreierung von Gerhard Ludwig Müller zusammen mit Papst Franziskus und Papst Benedikt im Petersdom, in der Glaubenskongregation sowie in der deutschen Botschaft am Heiligen Stuhl in Rom
Foto: Eckl
Ausgerechnet Kardinal Gerhard Ludwig Müller wird von Papst Franziskus für die Aufklärung im Missbrauch-Skandal gelobt. Dabei hatte Müller einst die Aufklärung bei den Domspatzen verhindert.

Papst Franziskus hat die Glaubenskongregation empfangen, die nicht nur einen früheren Regensburger Bischof, Gerhard Ludwig Müller, als Präfekten zu ihren Mitgliedern zählt, sondern mit dem derzeitigen Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer ein weiteres Mitglied aus der Diözese. Am Freitag begrüßte der Pontifex die Mitglieder der Kongregation, die zur wichtigsten in der Kurie zählt: Gerhard Ludwig ist demnach oberster Glaubenshüter und prüft, ob etwas gegen die katholische Lehre verstößt. Gleichzeitig ist der Promotor Iustitiae Mitglied der Kongregation, der Aufklärer der Sexuellen Missbräuche in der Kirche – genau deshalb ist Müllers Rolle auch so pikant.

 

Denn in Regensburg läuft derzeit die Aufklärung des Domspatzen-Skandals. 2010, als erste Fälle ruchbar wurden, hatte Müller laut einhelliger Aussagen von Mitgliedern der Domspatzen die systematische Aufklärung verhindert. Vor allem die Befürchtung, der Skandal könnte sich auf den damaligen Papst Benedikt XVI. ausweiten, habe eine Aufklärung damals unmöglich gemacht. Denn Benedikts Bruder Georg Ratzinger war selbst zwischen 1964 und 1994 Domkapellmeister – heute beteuert er, nichts von den Übergriffen mitbekommen zu haben. Immerhin spricht der jetzt vom Bistum eingesetzte unabhängige Anwalt Ulrich Weber von bislang 231 Opfer zum Teil schwerer körperlicher Misshandlungen in der Vorschule der Domspatzen in Etterzhausen unter Johann Meier, dem damaligen Leiter der Schule – Meier ist bereits 1992 verstorben. Und im Zusammenhang mit dem Internat der Domspatzen spricht der Aufklärer von etwa 50 Opfern sexuellen Missbrauchs bei den Domspatzen, allerdings liegen diese deutlich weiter, teils bis in die 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, zurück.

 

„Wenn wir am Abend unseres Lebens gefragt werden, ob wir den Hungernden zu essen gegeben haben und etwas zu trinken den Durstigen, dann wird man uns auch fragen, ob wir Menschen geholfen haben, ihren Zweifeln zu entkommen, ob wir die Sünder begleitet haben, indem wir sie ermutigten oder korrigierten, und ob wir fähig sind die Unwissenheit zu bekämpfen, vor allem was den christlichen Glauben und das gute Leben betrifft“, sagte Papst Franziskus.

 


Franziskus rief laut Radio Vatikan die Kardinäle, Bischöfe und Prälaten der Kongregation zu Kollegialität auf: „Um diesen Auftrag gut erfüllen zu können, ist es vor allem wichtig, kollegial zu arbeiten“, betonte Papst Franziskus. „Auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens muss die rechte Synodalität gefördert werden.“ Die Glaubenskongregation habe dazu schon einiges geleistet, vor allem in von ihr organisierten Konferenzen zu doktrinalen und pastoralen Themen. „Ich bitte euch, diese Zusammenarbeit mit den beratenden Gremien der Bischofskonferenzen und mit einzelnen Bischöfen zu Themen der Lehre fortzusetzen und zu intensivieren, vor allem in dieser Zeit raschen Wandels und zunehmender Komplexität der Probleme“, zitiert Radio Vatikan den Papst. 

Autor: Christian Eckl

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