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22.08.2012 Regensburg

Medizin

Organspende-Skandal wirft fahles Licht auf ehemalige Staatsregierung – Staatsanwaltschaft verblüfft über dünne Aktenlage

Uniklinik Regensburg
Foto: Ursula Hildebrand
Der Organspende-Skandal am Uniklinikum Regensburg wirft ein fahles Licht auf die frühere bayerische Staatsregierung unter Edmund Stoiber. Diese hatte den Medizin-Tourismus mit Jordanien durch eine Kooperation der Uniklinik mit einem privaten Krankenhaus forciert. Die Regensburger Staatsanwaltschaft zeigte sich indes überrascht über die dünne Aktenlage der 23 Fälle, die das Uniklinikum übermittelt hatte.

Nach Recherchen des Regensburger Wochenblattes vom 22. August wurde der frühere bayerische Wirtschaftsminister Otto Wiesheu 2004 zum Präsidenten der Deutsch-arabischen Gesellschaft gewählt, als mit Wissen der Staatsregierung eine Kooperation der Uniklinik mit dem privaten Jordan-Hospital in Amman eingegangen wurde. Dort hatte der jetzt beschuldigte Oberarzt Aiman O. im April 2005 illegal eine Leber eingepflanzt, die eigentlich für Regensburg bestimmt gewesen wäre.

Offenbar hatte die bayerische Staatsregierung Wirtschaftskooperationen im Auge. Deutlich sagte das Wiesheu am 6. Juli 2005 anlässlich einer Pressekonferenz seines Ministeriums: „In den letzten zehn Jahren konnten Bayern und der Arabische Raum den gegenseitigen Güteraustausch um fast 70 Prozent steigern", so Wiesheu wörtlich. „Gerade hier in diesem Raum sehe ich ein großes Zukunftspotential für bayerische HighTech-Produkte, insbesondere für medizintechnische Geräte sowie generell für den Gesundheitssektor in Bayern."

Bislang hat die Regensburger Uniklinik stets beteuert, das Jordan-Hospital sei zwar eine Privatklinik, aber Medizin-Tourismus habe man mit der Kooperation nicht befördern wollen. Dem stehen Aussagen des Direktors des Jordan-Hospital entgegen: Dieses Krankenhaus ist dazu da, solvente Patienten aus dem gesamten arabischen Raum nach Jordanien zu locken. In einem Interview aus dem Jahr 2010 sagt Dr. Victor Abdullah Al Bashir wörtlich: „Der private Sektor ist sehr fleissig in Bezug auf medizinische Dienstleistungen und bringt auch medizinischen Tourismus nach Jordanien, wo wir die Nummer eins in der Region und auf dem fünften Rang weltweit sind."

Überrascht zeigte sich die Regensburger Staatsanwaltschaft von der dünnen Aktenlage zu den 23 Fällen von Transplantationen an der Uniklinik Regensburg, die nun strafrechtlich untersucht werden. „Uns liegt ein Leitz-Ordner mit 23 Patientenakten sowie 23 Antragsbögen für Eurotransplant vor, unterteilt von 23 Trennblättern", so Dr. Meindl auf Anfrage. „Wir können das nicht lesen." Die Staatsanwaltschaft hat nun die Kripo Regensburg beauftragt, zu ermitteln – allerdings mit medizinischer Hilfe. „Es geht darum, ob, wie die Strafanzeige der Uniklinik suggeriert, die Krankenakten andere Werte enthalten als die Antragsbögen an Eurotransplant, mittels derer Organe beantragt wurden", so Meindl weiter.

Weiter sagte Meindl dem Wochenblatt, dass nicht alle 23 Bögen von dem jetzt beschuldigten Aiman O. unterzeichnet seien. Wer unterschrieben habe, sei bislang noch nicht geklärt. Auch stehe noch nicht einmal fest, ob O. der jeweils behandelte Arzt gewesen sei, so Meindl.

Mehr zu dem Skandal in der Druckausgabe des Regensburger Wochenblattes oder im ePaper unter www.wochenblatt.de/epaper in der Regensburger Ausgabe.
 

Autor: Christian Eckl

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