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09.06.2012 Regensburg

Fürstenhaus

Oh Fürstin Gloria, Schweigen wäre Gold gewesen: „Missionierung nicht Muslimen überlassen“

Fürstin Gloria von Thurn und Taxis (hier mit Philipp Graf von und zu Lerchenfeld) erhielt die Salvatorkette
Foto: Staudinger
Oh Fürstin Gloria, da wäre Schweigen doch mal wieder Gold gewesen: In einer im Prinzip völlig unbedeutenden Verbandszeitung wirbt die Fürstin von Thurn und Taxis für eine Missionierung mit dem Satz: „Sollen wir die Mission den Muslimen überlassen, die das sehr offensiv betreiben?“

Dabei hatte sie doch vor kurzem so eine gute Figur gemacht: Bei Markus Lanz im ZDF wich Fürstin Gloria von Thurn und Taxis dem Shitstorm“ aus, indem sie klar machte: „Kondom ist nicht mein Thema!“ Und dann das. In der völlig unwichtigen Verbandszeitung der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) gab sie ein Interview, das Sprengkraft besitzt. Wahrscheinlich hat sie dem Blatt deshalb das Interview gegeben, weil ihr guter und enger Freund Philip Graf von und zu Lerchenfeld Funktionär bei der vbw und gleichzeitig als Diözesankomitee-Vorsitzender ist. Jedenfalls machte das Blatt das, was es wohl selten macht – es gab eine Vorab-Meldung mit den knackigsten Sätzen der Fürstin heraus, seither rauscht es im Blätterwald.

Das Christentum sei eine „Missionsreligion“, gab die Fürstin in dem Blatt zum Besteb. „Sollen wir die Mission den Muslimen überlassen, die das sehr offensiv betreiben?“ Auch Papst Benedikt XVI. hatte einst in seiner berühmt gewordenen Vorlesung an der Uni Regensburg den Islam kritisiert – und hat damit einen weltweiten Protest ausgelöst. Niemand müsse sich jedenfalls wundern, wenn es „Kirchen nur noch als leere Häuser gibt, ohne Seele, vielleicht noch kunstgeschichtlich interessant“, so die Fürstin.

Das Thema Missionierung und christlicher Glaube indes ist heikel. Einerseits unterscheidet zwar die öffentliche Meinung nicht wirklich zwischen den guten Absichten von Missionaren, die im Zeichen des Kreuzes neben dem Glauben auch Bildung in andere Länder und auf andere Kontinente brachte. Doch im Zeichen des Kreuzes ist im Laufe der Jahrhunderte eben sehr viel Unrecht geschehen, für das sich einst Papst Johannes Paul II. auch entschuldigte, vor allem beispielsweise an der indigenen Bevölkerung Südamerikas. Auch wenn die Inquisitoren in Begleitung der Missionare natürlich im Grunde nicht das Christentum verbreiten, sondern vielmehr die Indianer um ihr Gold bringen wollten: Wer heute das Wort Missionierung ausspricht, kann dieses dunkelste Kapitel der Kirchengeschichte wohl kaum übergehen.

Gloria indes scheint dieses Kapitel schlicht bei ihren Aussagen ausgeblendet zu haben.

Autor: Christian Eckl

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