22.09.2012 Regionales


Neuer Skandal an der Uniklinik Regensburg: Falscher Arzt operierte in der Neurochirurgie



Uniklinik Regensburg
Foto: Ursula Hildebrand



Das Uniklinikum Regensburg kommt nicht aus den Schlagzeilen. Wie Recherchen des Wochenblattes ergaben, arbeitete ein als Neurochirurg tätiger, heute 47-jähriger Mann zwischen 2007 und 2009 unter falschen Angaben in der Uniklinik. Heute ist der Mann flüchtig, soll in den arabischsprachigen Raum abgetaucht sein. Der gebürtige Jordanier soll für die Uniklinik wegen seiner Kontakte in den arabischen Raum von besonderem Interesse gewesen sein.

Der Fall ist pikant: Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft Magdeburg gegen einen heute 47-jährigen gebürtigen Jordanier wegen fahrlässiger Tötung, Urkundenfälschung und Betrugs. Eine Patientin war 2011 nach einer Operation an der Bandscheibe an der Uniklinik Magdeburg verstorben, an der auch der Jordanier beteiligt war. Oberstaatsanwältin Birgit Niemann sagte am Freitag zum Wochenblatt: „Wir haben die Ermittlungen gegen den Mann wegen Totschlags eingestellt, weil kein Ärztepfusch nachzuweisen war“, so die Juristin. „Doch weil die Frau heute noch leben würde, wenn die Operation nicht durchgeführt worden wäre, lautet der Vorwurf nun auf fahrlässige Tötung.“ Die Operation sei facharztpflichtig gewesen, der Mann aber habe unter Vorspiegelung falscher Tatsachen eine Zulassung erschlichen.

Nach Informationen des Wochenblattes hat der Jordanier zwischen 2007 und 2009 an der Uniklinik Regensburg in der Abteilung für Neurochirurgie gearbeitet. Kollegen schildern gegenüber dem Wochenblatt, dass der Mann offenbar oftmals durch Ahnungslosigkeit aufgefallen sei, doch Kontakte in den arabischsprachigen Raum hatte. Nach Recherchen des Wochenblattes ist davon auszugehen, dass der Mann auch in Regensburg unter Vorlage falscher Dokumente eine vorläufige Zulassung als Arzt erhalten hat. Heute ist er abgetaucht, wohl nach Ägypten oder Jordanien. Das Magazin Focus, das gleichzeitig mit dem Wochenblatt an dem Fall recherchierte, will erfahren haben, dass er heute in der Vereinigten Arabischen Emirate an einer Klinik arbeitet und operiert.

Kontakte von Uniklinik-Ärzten in den arabischsprachigen Raum gerieten erst kürzlich in den Fokus der Medien, aber auch der Politik, weil es eine Jordanien-Connection gab, die offenbar von der bayerischen Staatsregierung gewollt war (das Wochenblatt berichtete mehrfach). Der damalige und heute suspendierte Leiter der Viszeralchirurgie, Prof. Hans Schlitt, und der Oberarzt Aiman O. pflegten rege Kontakte ins Jordan-Hospital in Amman, der Hauptstadt von Jordanien. O. hatte im April 2005 eine Leber nach Jordanien ausgeflogen für eine Patientin, bei der es Komplikationen gab. Als Adresse gab er aber die Uniklinik Regensburg an; für O. hatte der Fall keine Konsequenzen, Ermittlungen wurden damals eingestellt. Lediglich das Uniklinik hatte sich eine Richtlinie für das Verhalten von Mitarbeitern im Ausland gegeben.

Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig in 23 Fällen gegen O., weil er angeblich Laborwerte gefälscht haben soll, um an Spenderorgane für seine Patienten an der Uniklinik Göttingen zu kommen. Nachdem das Ausmaß des Skandals in Göttingen bekannt wurde, erstattete auch die Uniklinik Regensburg Strafanzeige gegen O. und zeigte ebenfalls 23 Fälle an. Am Freitag sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft dieser Zeitung, dass die Überprüfung dieser Fälle noch andauert.

Einen ausführlichen Bericht über die Hintergründe zum neuerlichen Fall an der Uniklinik finden Sie in der kommenden Printausgabe des Wochenblattes.  

Autor: Christian Eckl
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