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22.02.2011 Regensburg

Wegen Piusbruderschaft:

Nazi-Partei lässt Federn

Im Oktober 2009 demonstrierte eine Hand voll Neonazis gegen einen geplanten Moscheen-Bau in Regensburg.
Foto: Staudinger
Er hat weit über die Grenzen unserer Region hinaus einen unrühmlichen Ruf: Der bislang bekennende Rechtsextremist Willi Wiener wird vom Innenministerium als führender Kopf der Rechtsextremen in und um Regensburg bezeichnet. So heißt es auf einer vom Verfassungsschutz verantworteten Seite gegen Rechtsextremismus in Bayern nach wie vor, Wiener sei als Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes und als Funktionär der neonazistischen Vereinigung "Freier Widerstand Regensburg" aktiv. Allein: Das ist längst überholt.

Dem Wochenblatt gegenüber bestätigte Willi Wiener schriftlich, dass er aus der NPD ausgetreten sei: „Zum 30. November 2010 habe ich alle meine Ämter bei der NPD niedergelegt und bin aus der Partei ausgetreten.” Besonders pikant an dem Ausstieg aus der NPD ist offenbar, dass er ausgerechnet wegen der erzkonservativen Piusbruderschaft der NPD den Rücken gekehrt hat: „Der Grund meines Austritts liegt darin begründet, dass ich wieder zu meinem alten Glauben zurückgefunden habe und die NPD sich im neuen Parteiprogramm weiterhin nicht zum christlichen Abendland und zu dessen Werten bekennt. Als gläubiger Katholik kann ich deshalb nicht mehr Mitglied bei der NPD sein.”


Schon im Juni 2010, als die Bruderschaft Weihen in ihrem Priesterseminar in Zaitzkofen bei Schierling unter Medien-Rummel durchführte, war Wiener betend dabei. Dabei hatte er sich noch im Dezember 2009 zum NPD-Bezirkschef Oberpfalz wählen lassen. Die Piusbruderschaft ist in die weltweiten Schlagzeilen geraten, weil einer der vier Bischöfe, Richard Williamson, in einer Interview-Aufzeichnung gegenüber dem schwedischen Fernsehen die Existenz von Gaskammern geleugnet hatte. Das ist in Deutschland strafbar, nicht aber in Schweden oder in Großbritannien, wo der Bischof lebt. Im April 2010 war es zu einem Prozess vor dem Amtsgericht Regensburg gekommen und Williamson zu 100 Tagessätzen verurteilt. Er legte Berufung ein.


Der Austritt aus der Partei indes bedeutet für Wiener aber noch lange keine Abkehr seiner politischen Einstellungen: „Da ich meinen einzigen wahren dreifaltigen Gott und mein deutsches Vaterland liebe, werde ich auch in Zukunft gegen die schleichende Islamisierung, die Auflösung des Nationalstaates, den Massenmord an den ungeborenen Kindern, die Homo-Ehe sowie gegen soziale Ungerechtigkeit und Benachteiligung behinderter Menschen Stellung beziehen”, schreibt er dem Wochenblatt.

 

Für den Rechtsextremismus dürfte der Austritt Wieners sowie weiterer Partei-Mitglieder den politischen Garaus bedeuten. Die Internet-Seite des NPD-Bezirksverbands Oberpfalz ist offline. Wiener hatte mit einer Demonstration gegen den Moscheen-Bau in Regensburg im Oktober 2009 zwar nur eine versprengte Gruppe von Nazis nach Regensburg gebracht, doch der Protest gegen ihn und seine früheren braunen Gesinnungsgenossen belief sich auf 7.000 Bürger, die für ein tolerantes Regensburg demonstrierten.
Das rechtsextreme Spektrum in und um Regensburg reduziert sich mit dem Austritt Wieners vielmehr auf wenige versprengte Rechtsanwälte sowie auf zumeist glatzköpfige Jugendliche, denen es vorwiegend um die Provokation geht.

Autor: Christian Eckl

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