04.02.2013 Regensburg

Freundschaft mit Regensburger:

Nachlass von Hélène de Beauvoir kommt nach Regensburg in die Staatliche Bibliothek


Hélène de Beauvoir (geboren 1910 in Paris, gestorben 2001 in Straßburg) war mehr als nur die "kleine Schwester" Simone de Beauvoirs. Nun kommt ein Teil ihres Nachlasses in die Staatliche Bibliothek.

Als Zeitzeugin einer geistigen Epoche war sie einem spezifischen französischem Umfeld verpflichtet: Künstler und Intellektuelle – allen voran ihre weltberühmte Schwester, die Schriftstellerin Simone de Beauvoir, sowie Jean-Paul Sartre – die beide das Gesicht Europas im 20. Jahrhundert wesentlich mitgestaltet haben, zählten zu Ihrem direkten Umfeld.

 

Die ständige Auseinandersetzung mit den bildnerischen, philosophischen und sozialen Problemen dieser Zeit prägten Leben und Werk der Malerin Hélène de Beauvoir. Durch eine enge Freundschaft mit dem Regensburger Galeristen Ludwig Hammer kamen nicht nur
große Teile ihres künstlerischen Werkes nach Regensburg, sondern auch persönliche Unterlagen aus der Familie, Fotographien, Briefe etc.

 

Auf Vermittlung Ludwig Hammers kommen nun viele dieser wichtigen Dokumente in die Staatliche Bibliothek Regensburg, wo sie erschlossen werden, um so der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung zu stehen. "Wir freuen uns außerordentlich, dass Herr Hammer sich entschlossen hat, diese wichtigen Dokumente zur dauerhaften Bewahrung in die Staatliche Bibliothek Regensburg zu geben", äußerte sich Bibliotheksleiter Dr. Bernhard Lübbers in einer ersten Reaktion.

 

Hélène de Beauvoir studierte Malerei an der Akademie Colarosse und an der Ecole prof. pour la gravure in Paris. Sie hatte Ausstellungen in Paris, Turin, New York, Tokio, Boston, Hamburg, Frankfurt, Rom, Amsterdam, Brüssel, Lausanne, San Francisco u.a.. Bilder von ihr befinden sich in mehreren Museen. In der schöpferischen Auseinandersetzung mit den Strömungen des 20. Jahrhunderts um Picasso, Matisse und Delaunay fand sie ihre eigene überzeugende Formensprache in großer Freiheit und Poesie. Die Malerei bedeutete für Hélène de Beauvoir Unabhängigkeit, Originalität und Wagemut. In ihren Bildern verbinden sich abstrakte Elemente mit figurativen Darstellungen. Hélène de Beauvoir besaß eine hohe Sensibilität für den Zauber der Tier- und Pflanzenwelt. Sie nahm jedoch ebenso Anteil an sozialen und politischen Entwicklungen ihrer Zeit und setzte sich, wie ihre Schwester Simone de Beauvoir, aktiv für Gleichheit und Gerechtigkeit ein. In Jahr 2012 wurde ein wichtiges Oeuvre wiederentdeckt, Holzschnittillustrationen, die sie um 1930 unter anderem zu Büchern von Oscar Wilde, Jean Giraudoux und Colette angefertigt hatte. Außerdem schuf sie um 1951 und 1967 eine Serie von Kupferstichen zu Büchern ihrer Schwester Simone de Beauvoir in Zusammenarbeit mit dieser.

Autor: pm / uh

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