18.06.2017 Regensburg

Panik, wohin man sieht

Kommentar: Der Wahnsinn hat uns fest im Griff ...


Foto: Christian Eckl
Redakteurin Ursula Hildebrand plädiert in ihrem "Thema der Woche" für den Einsatz des gesunden Menschenverstandes.

Man, man man – was für ein Aufstand! Und das alles nur, weil ein blinkendes Kästchen, das zu Werbeaufstellern gehört, in einem Drogeriemarkt herumliegt. Wie weit ist es eigentlich mit uns gekommen, dass wir bei jeder Gelegenheit die Polizei holen, zum Mittel der Anzeige greifen und komplett in Panik verfallen?

 

Sicher, es ist schon richtig, dass man vorsichtig sein muss, aber es kann doch nicht angehen, dass der gesunde Menschenverstand ausgedient hat!

 

Vor ein paar Jahren war es auch gar kein Problem, einen Rucksack, einen Koffer oder eine Tasche abzustellen. Man musste sein Gepäck auch nicht dauerbewachen. Heute kommen schwer bewaffnete Polizisten und ein Sprengkommando, wenn man seien Tasche unbeaufsichtigt irgendwo abgestellt hat. Und wenn man Pech hat, jagen diese Einsatzkräfte dann die Unterlagen fürs Meeting und die Pausenbox in die Luft, weil sie nicht sicher sind, was da im Rucksack ist.

 

Ja, die Zeiten sind anders geworden, das will ich gar nicht leugnen. Wir werden mit Dingen konfrontiert, die wir uns bis vor wenigen Monaten noch nicht vorstellen konnten. Perfide Ideen werden umgesetzt, vermeintlich harmlose Alltagssituationen werden plötzlich für tödliche Anschläge missbraucht. Das verunsichert, das kann ich verstehen – bis zu einem gewissen Grad. Für Panikaktionen und übereifrige "Zeugen" fehlt mir allerdings jedes Verständnis.

 

Die Situation am Samstag im Drogeriemarkt hätte sich wahrscheinlich durch einen kurzen Blick aller Mitarbeiter klären lassen können, irgendeiner hätte schon erkannt, dass dieses Teil zu den Werbeaufstellern gehört. Dann wäre es entsorgt worden – und es hätte keinen teuren Einsatz in der Stadt geben müssen.

 

Wir müssen wieder zurückkehren zu einem normalen Umgang mit Alltagssituationen. Denn nicht ein Anschlag zermürbt uns, den können wir verarbeiten. Ständige Angst aber vor einem solchen macht uns auf Dauer kaputt. Sie lässt uns misstrauisch werden, eine Kultur des Petzens entsteht. Und nein, nicht jeder Koffer, der herrenlos am Bahnsteig steht, bedeutet den Untergang der Welt. Das sagt einem der gesunde Menschenverstand – der aber scheint sich verabschiedet zu haben. Erobern wir ihn uns zurück!

Autor: Ursula Hildebrand

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