10.06.2014 Regensburg

Klima

Klimawandel ist schon spürbar: Regensburgs Innenstadt ist um vier Grad heißer

Der Klimawandel war am Bürgerfest wohl nicht der Grund für die Sonnenschirme
Foto: Peter Ferstl
Regensburg war eine Modellstadt, um den Klimawandel zu untersuchen – dabei kam heraus: Die Altstadt ist um vier Grad wärmer als die Umgebung. Der Umweltreferent fordert mehr Wasser und mehr Begrünungen und sogar Sonnensegel.

Der Klimawandel wird wohl auch vor Regensburg nicht halt machen – wie man damit umgeht, ist die Frage. Denn möglicherweise wird man in der Domstadt beispielsweise in ein paar Jahren schlicht das Klima haben, das man schon heute im wärmeren Freiburg im Breisgau hat. Das ist nun auch nicht die Wüste Gobi, sondern schlicht und ergreifend mit mehr Sommertagen gesegnet. Natürlich wird der Klimawandel, setzt er sich so fort, für die ganze Welt massive Auswirkungen haben – lokal aber können die im Einzelnen ja gar nicht so unangenehm sein.


Dennoch stöhnen viele Städter gerade in den heißen Sommertagen darüber, dass die Luft in der Regensburger Altstadt geradezu steht. Ist das nur gefühlt? „Nein“; sagt Rechts- und Umweltreferent Wolfgang Schörnig auf Wochenblatt-Anfrage. „Regensburg war vier Jahre lang Teil einer Untersuchung, die man mit Mitteln des Bundes und der EU finanzierte, um mögliche Auswirkungen des Klimawandels auf eine Stadt mit historischem Kern und etwa 150.000 Einwohnern zu untersuchen.“


Man sei auch mit Wärmekameras über Regensburgs Altstadt geflogen und was man dabei feststellte, überrascht dann doch: „Es gab einige Stellen, die bis zu vier Grad wärmer waren als die umliegenden Stadtteile“, schildert Schörnig. Das sei zwar nicht in der ganzen Altstadt so, es gäbe auch Stellen, die lediglich zwei oder zweieinhalb Grad heißer sind als die Umgebung der Altstadt. „Aber an den Platzfolgen, beispielsweise dem Neupfarrplatz, ist es um bis zu vier Grad heißer“, so Schörnig. „Wenn man etwa vom Alleengürtel des Schlosses in die Altstadt geht, spürt man das sogar auf der Haut“, so der Rechtsreferent.


Immer mehr Menschen in der Altstadt
Schörnig glaubt, dass man dagegen etwas tun kann, denn die Tendenz angesichts des Klimawandels ist eher steigend. „Wir müssen uns beispielsweise um viel mehr Grün in der Altstadt Gedanken machen“, sagt Schörnig. Derzeit ist der Haidplatz beispielsweise noch eher mit der Wüste Gobi vergleichbar als mit einem belebten innerstädtischen Juwel in historischer Altstadt, wie man das beispielsweise in Italien findet. „Ich weiß, Denkmalpfleger mögen das nicht so gerne, aber Kletterpflanzen an Gebäuden sind ein ganz natürlicher Klimaschutz“, so Schörnig. Er fordert neben mehr Begrünung „auch viel mehr Wasser in der Altstadt. Die Pritschelbrunnen, wie man sie auch in Italien kennt, sind hier eine gute Lösung.“ Auch gegen technischen Hitzeschutz hat Schörnig nichts einzuwenden, im Gegenteil: „So, wie wir für die Christkindlmärkte spezielle Winterbeleuchtungen installieren, könnte man im Sommer etwa Segel spannen.“


Fakt ist auch, dass die Situation in der Altstadt in heißen Sommern nicht besser wird. „Das liegt auch daran, dass bei Altstadtsanierungen häufig aus drei Wohnungen sieben Appartements werden“, so der Rechtsreferent. „Das führt natürlich zu mehr Besuchen und auch zu häufigeren Bierlieferungen, wenn mehr Menschen auf dem gleichen Raum leben“, führt der Referent aus. Alles Entwicklungen, die in Betracht gezogen werden sollten. Ob sich in absehbarer Zeit indes etwas tut, bleibt abzuwarten.

Autor: Christian Eckl

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