13.04.2017 Regensburg

Leidige Proteste

Karfreitag: Echte Tanzverbot-Gegner oder doch nur Prinzipienreiter?

Heidenspass statt Höllenqual
Foto: Bund für Geistesfreiheit
Volontärin Verena Bengler schreibt in der Rubrik "Das Thema der Woche" über das umstrittene Tanzverbot am Karfreitag und die provokante Veranstaltung "Heidenspass statt Höllenqual".

Jedes Jahr ist es aufs Neue ein großes Thema: Das Tanzverbot am Karfreitag. Auch in Regensburg bleiben die Diskotheken an diesem Tag geschlossen. Für viele Menschen – vor allem für viele Nicht-Christen – ist das ein Grund zur Aufregung. Einige von ihnen setzen sich nun zur Wehr: Der Bund für Geistesfreiheit veranstaltet am Karfreitag – an dem übrigens dem Kreuztod Jesu Christi gedacht wird – den „FreigeisterTanz“. Unter dem provokanten Motto „Heidenspass statt Höllenqual“ wird in vier Bars der Stadt ein „Programm für alle Humanisten, Freigeister und diejenigen die es werden wollen“ auf die Beine gestellt. In jeder Location legt am stillen Tag bis 2 Uhr nachts ein DJ auf. Zu hören gibt es Indie, Alternative, Rock‘n‘Roll, Disco und Funk.

 

Möglich ist diese Veranstaltung, weil das Bundesverfassungsgericht im November 2016 geurteilt hat, dass es am Karfreitag künftig Ausnahmen geben kann. Ist diese ganze Aufregung um das Tanzverbot am Karfreitag wirklich gerechtfertigt? Ich finde nicht! Getanzt werden kann doch schließlich an vielen, vielen anderen Tagen im Jahr. Da geht es einigen also wohl eher ums Prinzip: Schließlich ist der Karfreitag ein Feiertag der Christen – tanzen darf an diesem Tag aber niemand. Und ja, irgendwie klingt das im ersten Moment unfair. Aber: Weihnachten wird bei den meisten Nicht-Christen trotzdem gefeiert. Und auch Ostereier werden gern gesucht. Dass abgesehen von ein paar Ausnahmen wie zum Beispiel Ärzten und Krankenschwestern am Karfreitag niemand arbeiten muss, stört wohl auch die Tanzverbot-Gegner nicht.

 

Wenn Traditionen und Festlichkeiten den Alltag und das Leben positiv beeinflussen, wird das gerne angenommen. Bei einem Aspekt, der nicht in den Kram passt, ist der Aufschrei jedoch groß! Abgesehen davon kann als Ersatz für den Karfreitag übrigens am Ostersonntag „nachgefeiert“ werden. Am Ostermontag ist nämlich auch frei – wieder dank eines christlichen Feiertags. Vielleicht könnten sich die Prinzipienreiter die Proteste also sparen und an allen anderen Tagen in die Disko gehen. Am Karfreitag kann man doch einfach privat mit Freunden feiern.

Autor: Verena Bengler

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