03.10.2017 Donaustauf

Vortrag

Jubiläum '175 Jahre Walhalla': Von Asterix bis König Ludwig I. ...

Walhalla
Foto: Ursula Hildebrand
Von Asterix bis König Ludwig I. hat die Kunsthistorikerin Dr. Mirjam Brandt am Freitagabend, 29. September, den Bogen bei ihrem Vortrag zum Jubiläum “175 Jahre Walhalla” im Bürgerhaus Donaustauf gespannt.

Bei genauer Betrachtung nämlich zeigt ein Fries im Innern der Walhalla in einer Bildergeschichte, wie die frühen Germanen angeblich ihren Heerführer bestimmten. Dabei ist deutlich zu sehen, wie am Ende ein Feldherr ausgewählt und auf einem Schild von Kämpfern getragen wird. “Fast eindeutig”, so Brandt, ist zu erkennen, dass der gewählte Heerführer die Gesichtszüge von König Ludwig I. trägt.

 

Das war nur eine Geschichte, die die Besucher des Vortrags zum Auftakt der Veranstaltungsreihe “175 Jahre Walhalla” hören konnten. Die Reihe wird gemeinsam vom Landkreis Regensburg und dem Markt Donaustauf geboten. Im voll besetzten Saal des Bürgerhauses begrüßte Bürgermeister Jürgen Sommer zahlreiche Bürgerinnen und Bürger aus Nah und Fern, die sich von der wissenschaftlichen Volontärin der Museumsabteilung der Bayerischen Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen über Bekanntes und Unbekanntes des Ruhmestempels informieren lassen wollten.

 

Brandt stellte zunächst anhand zahlreicher Fotos und Graphiken die kulturgeschichtlichen Hintergründe der Walhalla dar. König Ludwig I. griff mit dem Bau eine im frühen 19. Jahrhundert gängige Theorie auf, wonach ein europäisches Urvolk, das zwischen Himalaya und Kaukasus heimisch war, vor Urzeiten nach Westen aufbrach und entlang der Donau nach Mitteleuropa gelangte. In Erinnerung an diese angebliche Wanderung sollte ein Ruhmestempel für ausgezeichnete Männer und Frauen “teutscher Zunge” an der Donau entstehen. Andere Standorte, etwa auf der Theresienwiese in München, wurden verworfen. Unklar ist bis heute, so Brandt, wie König Ludwig I. die Idee des südeuropäischen, ja griechischen Tempels mit der nordeuropäischen Sagenwelt rund um die “Wohnung der Gefallenen”, so die wörtliche Übersetzung des Wortes “Walhall”, zusammenbrachte. Dr. Brandt stellt in ihrem Vortrag auch Verbindungslinien zu anderen deutschen Nationaldenkmälern des 19. Jahrhunderts her, so zu den Reiterstandbildern von Kaiser Wilhelm I. am “Deutschen Eck” in Koblenz und vor dem Berliner Schloß, zu den zahlreichen Bismarck-Denkmälern, zum Hermann-Denkmal im Teutoburger Wald und zum Völkerschlachtdenkmal in Leipzig. Die ursprünglich aus Anlass des Vortrags geplante Vorstellung des neuen wissenschaftlichen Walhalla-Führers von Dr. Christian Quaeitzsch musste entfallen. Dr.Brandt vertröstete die zahlreichen interessierten Bürger auf Mitte Oktober. Dann sei das Buch sicher fertig. Einstweilen konnte die Besucher des Vortrags ein Mitbringsel von Ernestine Kastenmeier bewundern. Sie hatte vor Jahren bei einem Antiquar den ersten Walhalla-Führer gekauft, genauer gesagt das Buch “Walhallas Genossen”, das König Ludwig I. selber verfasst hatte.

 

In der lebhaften Diskussion fragte Donaustaufs Diakon Walter Karger zum Beispiel, wie sich die “heidnische” Gedankenwelt, der die Idee der Walhalla entsprungen ist, mit dem christlichen Gedankengut des Abendlandes verbinden lasst. Brandt verwies dazu auf die in Bildern erzählte Geschichte im Fries der Walhalla, die auch die Christianisierung Germaniens zeigt.

 

Bürgermeister Sommer dankte Dr. Brandt für ihren informativen Vortrag und verwies darauf, dass Mitte Oktober im Bürgerhaus eine Ausstellung zum Jubiläum “175 Jahre Walhalla” eröffnet wird. Der Eintritt ist frei, alle Bürgerinnen und Bürger sind zur Eröffnung am 12. Oktober herzlich willkommen.

Autor: Pressemitteilung

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