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19.01.2012 Regensburg

Ermittlungen

Horror-Zahnarzt: Handwerker warten auf 250.000 Euro!


Ein Zahnarzt aus Regensburg hat angeblich seinen Kunden unter Narkose völlig überteuerte und fachlich falsche Behandlungen angedeihen lassen. Die Staatsanwaltschaft hat bereits 20 seiner früheren Patienten vernommen. Jetzt droht ihm die Pleite: Der Mann kann seine Millionen-Villa wohl nicht mehr halten.

„Zahnarzt ist er nur zum Geldverdienen, hat er immer gesagt“, erzählt uns einer der betroffenen Handwerker, „seine wahre Leidenschaft und Begabung war die Musik“ – hat sich der Horror-Zahnarzt, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen Betrugs und Körperverletzung ermittelt, deshalb eine eigene Orgel für 300.000 Euro in sein Luxushaus im Landkreis Regensburg einbauen lassen? Wäre er nur Musiker geblieben, denken sich wohl einige der 20 Patienten, die kürzlich vom Staatsanwalt vernommen wurden (das Wochenblatt berichtete). Nicht nur, dass der Zahnarzt mit Praxis in Regensburg angeblich völlig überteuerte Preise verlangt und seinen Patienten unter Narkose das Geld aus den Taschen gezogen haben soll – jetzt steht der Mann nach Informationen des Wochenblattes vor der Pleite! Für geschädigte Patienten könnte das am Ende bedeuten: Selbst, wenn ihnen die Gerichte recht geben, könnten sie leer ausgehen!


Nach Informationen des Wochenblattes hat der Horror-Zahnarzt noch etwa 250.000 Euro Schulden bei Handwerkern, die ihm eine fürstliche Designer-Villa im Landkreis Regensburg bauten. Dass kein Cent mehr zu holen sein dürfte, belegt die Eidesstattliche Versicherung, die dem Zahnarzt von einem Gerichtsvollzieher abgenommen wurde und die dem Wochenblatt vorliegt. Demnach ist im Grundbuch für die Villa eine Grundschuld von 1,3 Millionen Euro eingetragen, Kreditgeber: die Ärzte- und Apothekenbank. Auch der Freistaat steht als Gläubiger im Grundbuch: mit der stolzen Steuerschuld von 130.000 Euro.


Zahlreiche Handwerker finden sich zudem mit ihren Forderungen in dem Dokument, das uns vorliegt: allesamt brave, einfache Handwerksbetriebe aus dem Landkreis Regensburg, die ihr Geld wohl nie wieder sehen werden.

 

Dabei lebte der Zahnarzt auf großem Fuß: Zwei Porsche standen in der Garage, ein dicker Benz und ein Kleinbus. Doch die Auflistung des Gerichtsvollziehers beweist: alles nur geleast. Auch da ist nichts zu holen. Fraglich ist nur: Trotz der etwa 15.000 Euro Netto-Einnahmen im Monat, die der Zahnarzt mit einer gut laufenden Praxis und einem Geschäftsmodell, spezialisiert auf Behandlungen unter Vollnarkose, einnahm, warum hat die Bank Millionenkredite gewährt? Selbst eine Eigentumswohnung am Chiemsee: verpfändet!


Ob am Ende noch etwas für die womöglich geprellten Patienten übrig bleibt, ist fraglich. Eine Patientin beispielsweise wurde angeblich so verpfuscht, dass sie sich eine Reihe von Zähnen ziehen lassen musste. Ausgerechnet die Patienten, die ohnehin schon Angst vor einer Behandlung hatten, leiden nun unter den Folgen der Behandlung durch den Horror-Zahnarzt.


Ob bei ihm überhaupt noch etwas zu holen sein wird, ist fraglich: Ein Handwerker rechnet jeden Tag mit einem Insolvenzantrag. Aus der Luxus-Villa hatte der Zahnmediziner jedenfalls ein kleines Museum gemacht mit allerlei Kunstgegenständen: Eine Liste mit 66 Kunstgegenständen liegt unserer Zeitung vor, darauf stehen Gemälde, antike Säulen-Kapitele, Heiligenstatuen und vieles mehr.
Doch viele musste der Horror-Zahnarzt schon verkaufen, andere gehören schon der Ärzte- und Apothekerbank. Ein Handwerker sagt zynisch: „Er hebt die Hand und in sieben Jahren ist wieder alles gut. Wir kämpfen ums Überleben und seine Patienten um Gerechtigkeit!“
 

Autor: Christian Eckl

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