18.01.2017 Regensburg

Einzelzimmer

Horror-Haus: Keine Heizung, kein Strom, keine Türen, aber 350 Euro Miete!

Das Gebäude in der Grasgasse
Foto: ce
Ein Horror-Haus, das dem skurrilen Erhard Adler und seiner Tochter gehört, stellt die Stadt vor unlösbare Probleme. Die Zustände in der Grasgasse sind unfassbar.

Es ist ein Horror-Haus: In der Grasgasse in der Regensburger Altstadt haben Mandy Adler und ihr Vater Erhard Adler ein Gebäude, das der Stadt große Sorgen bereitet. Neben dem ausgebrannten Haus in der Thundorferstraße, das unbewohnt ist und als Schandfleck jedem Regensburger ein Begriff sein dürfte, ist in der Grasgasse das Problem ganz anders geartet: Es ist vermietet. Offenbar hauptsächlich an Tagelöhner aus Bulgarien und Rumänien, die keine andere Bleibe finden.
Jetzt hat es erneut einen Eklat um das Haus in der Grasgasse gegeben. Erhard Adler war in der Wochenblatt-Redaktion, beschimpfte uns erneut als „Redakteure, deren Gehalt von Freimaurern bezahlt wird“ und überließ uns die Antwort auf einen Bescheid der Stadt, die ihm offenbar 500 Euro aufgebrummt hatte. „Die Höhe der Bescheid-Gebühren von 500 Euro erkennen wir nicht an!“ keift Adler darin.


Was ist geschehen? Die Sozial-Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer sagte unserer Zeitung, dass erneut von Mitarbeitern der Stadt unfassbare Zustände vorgefunden wurden. „Vor zwei Jahren lebten dort Familien mit kleinen Kindern unter unzumutbaren Zuständen: Es gab weder Strom, noch Heizung, Kochmöglichkeiten oder sanitäre Einrichtungen. Die Menschen mussten zeitweise die Toiletten einer nahegelegenen Imbisskette nutzen“, erläuterte die Bürgermeisterin die Zustände, wie sie noch vor zwei Jahren der Fall waren. Doch auch jetzt wurden erhebliche Mängel festgestellt.


Es kam zu mehreren Ortsterminen. Oberbürgermeister Wolbergs und Bürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer waren gemeinsam mit einer Mitarbeiterin der Betreuungsstelle „Hajde“ für zugewanderte Familien aus Südosteuropa des Jugendamtes vor Ort und konnten sich ein Bild über die Lage machen.


„Vermieter nutzt die Not der Osteuropäer aus“
Während sich nach dem Ortstermin das Amt für Jugend und Familie mit seiner Betreuungsstelle „Hajde“ um die Familien aus der Grasgasse gekümmert und sie in Übergangswohnungen untergebracht hatte, drohte das Bauordnungsamt mit einer Nutzungsuntersagung, wenn die gröbsten Mängel nicht behoben würden. Bei einem Hausbesuch von „Hajde“-Mitarbeiterinnen Ende September 2016 wurden erneut ähnliche Zustände wie in den vergangenen Jahren festgestellt: „Kein Strom, nicht beheizbar, ausgehängte Türen, keine Mülltonnen, Küchen und Sanitärräume waren stark verschmutzt und vermüllt. Für diese erbärmlichen Wohnverhältnisse in mehrfachbelegten Zimmern verlangte der Hauseigentümer bzw. seine Tochter 150 bis 350 Euro pro Monat“, so Bürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer.


Daraufhin kam es im Dezember vergangenen Jahres zu einem Ortstermin mit dem Bauordnungsamt und der Polizei. Dabei wurden untragbare Zustände auch bei Brandschutz und Sicherheit festgestellt. Der Hauseigentümer erschien nicht zu dem Termin, „weil er sich nach eigener Aussage nicht mehr ins Haus traut und von den Mietern bedroht sah“, heißt es von der Stadt. Zu dem Zeitpunkt wohnten dort vor allem alleinstehende Männer, insgesamt 30 bis 40 Personen, darunter aber auch eine 17-jährige Jugendliche. Aufgrund der festgestellten Mängel – kein zweiter Fluchtweg durch verschlossene Türen, Überbelegung, möglicherweise unsachgemäße Nutzung von Gasöfen – wurde vom Bauordnungsamt eine Nutzungsuntersagung ausgesprochen.


„Bei den Mietern handelt es sich ausschließlich um Menschen aus Bulgarien und Rumänien, also um EU-Ausländer. Wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage in ihren Herkunftsländern kommen sie zu uns“, sagt Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. „Es gibt Hauseigentümer, die diese Notlage von Menschen ausnutzen und sie zu überhöhten Mieten unter unwürdigen Bedingungen wohnen lassen. Die Stadt wird weiterhin im Rahmen ihrer gesetzlichen Möglichkeiten alles tun, um dagegen vorzugehen.“


Fakt ist: Die Stadt hat nur wenige Zwangsmittel. Die Lage scheint weiter verfahren ...

Autor: Christian Eckl

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