11.08.2017 Regensburg

Klage abgewiesen

Holzbank zusammengekracht: Klägerin will Schmerzensgeld – bekommt es aber nicht!

Amts- und Landgericht Regensburg
Foto: Ursula Hildebrand
Mit Tränen in den Augen und auf einen Rollator gestützt kam die Klägerin in den Gerichtssaal. Sichtlich mitgenommen nahm sie neben ihrer Anwältin Platz. Mindestens 5.000 Euro Schmerzensgeld forderte sie von einem Regensburger Fitnessstudio, weil sie sich 2014 in der dortigen Umkleidekabine angeblich verletzt hat.

Eine Holzbank soll unter der Frau zusammengebrochen sein. Durch den Unfall zog sie sich, nach eigenen Angaben, Verletzungen an der Lendenwirbelsäule, am Steißbein, an den Unterarmen und an den Knien zu. Sie wurde im Anschluss an den Unfall in einem Krankenhaus behandelt. Die Klägerin ist der Meinung, die Holzbank sei zu dünn und nicht tragfähig gewesen, und geht deshalb gegen das Fitnessstudio vor, in dem sie selbst von 2010 bis 2014 Mitglied gewesen war.

 

Der Betreiber des Fitnessstudios stellt allerdings den Unfallhergang infrage und wehrt sich vehement, da das Mobiliar im Fitnessstudio einer regelmäßigen Kontrolle unterzogen wird. Außerdem waren die Bänke damals erst wenige Tage alt. Weil die alten Bänke nicht mehr gut aussahen, tauschte ein Mitarbeiter, der zuvor in einer Schreinerei gearbeitet hatte, die Bänke aus. Das Material bezog er damals aus einem Fachgeschäft. Weiter gab der Betreiber an, dass er selbst ein bis zwei Mal pro Woche einen Rundgang durch jedes seiner sechs Fitnessstudios mache und dabei auf Sauberkeit und optisch sichtbare Mängel achte. Auch seine Mitarbeiter machen vier Rundgänge pro Tag. „Seit dem Unfall 2014 ist so etwas nie wieder passiert“, erklärte der Betreiber. Und das bei immerhin stolzen 2.700 Mitgliedern des Fitnessstudios. Weiter war er der Meinung, dass einige der Beschwerden der Klägerin auch altersbedingt sein könnten.

 

Die einzige Zeugin, die zur Verhandlung geladen war, verstand die Welt nicht mehr. „Ich habe den Vorfall nicht beobachtet. Ich bin entsetzt, dass ich hier als Zeugin geladen bin“, zeigte sie sich erstaunt. Die Klägerin hatte ihr bei einem späteren Studiobesuch lediglich von dem Unfall erzählt. Die Klägerin selbst hatte das aber anders in Erinnerung: „Du bist doch neben mir gestanden, als es passiert ist“, regte sie sich auf.

 

Dem Richter wurde es schließlich zu bunt. Nach einer kurzen Pause verkündete er das Urteil. Weil die Zeugin den Vorfall nicht bezeugen konnte und das Fitnessstudio keine Schuld trifft, wies er die schließlich Klage ab. „So leid es mir für Sie tut, ich kann Ihrer Klage keinen Erfolg geben“, so der Richter. Weiter stellte er nüchtern klar: „Recht haben und Recht bekommen sind zwei verschiedene Dinge.“

Autor: Verena Bengler

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