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30.05.2012 Regensburg

Exklusiv

Gastro-Skandal in Regensburg: Brutale Schläge, ertrunkener Gast


Ein Unglück kommt selten allein, sagt ein altes Sprichwort – im Fall eines Gastronomie-Betriebes (zwei Diskos, eine Freiluft-Location in Regensburg) trifft das tragischerweise zu. Erst vergangene Woche soll nach Zeugen- und Polizeiangaben der Geschäftsführer einen Mitarbeiter nach durchzechter Nacht krankenhausreif geschlagen haben. Am Wochenende entsetzte dann auch noch der Sturz eines 22-Jährigen vom Party-Schiff der Diskothek in die Donau die Region. Zu dem Zeitpunkt war der Brutalo-Geschäftsführer aber bereits suspenidert.

Ein Unglück kommt selten allein, besagt ein altes Sprichwort. Doch für den Geschäftsführer mehrerer Regensburger Diskotheken und Lokalitäten wird die Luft dünn: Nach Angaben von Zeugen und der Polizei soll der Regensburger vergangene Woche einen Schichtführer im Rausch krankenhausreif geschlagen haben. Und dann geschah das Unglück, das am Pfingstwochenende die gesamte Region in Atem hielt: Ein 22-Jähriger stürzte von einem Party-Schiff in die Donau und ist aller Wahrscheinlichkeit nach ertrunken. Wie konnte all das passieren?


Doch der Reihe nach: Eine Mitarbeiterin des Gastronomiebetriebes beschreibt uns die Geschehnisse der vergangenen Woche eindrücklich. „Traditionell besuchten wir wie jedes Jahr das Glöckl-Zelt auf der Dult“, heißt es in einer schriftlichen Erklärung an das Wochenblatt. Nachdem es schon recht spät wurde und offenbar viel Alkohol und nach Angaben der Zeugin auch illegale Substanzen konsumiert wurden, ging man in eine der Gaststätten des Disko-Geschäftsführers. „Da erlaubte sich der Schichtführer um 5 Uhr morgens einen Scherz und sperrte den Geschäftsführer und einen Mitarbeiter in der Disko ein. Zehn Minuten später wollte er sie wieder rauslassen“, heißt es von der Mitarbeiterin. Doch das hätte er mal besser nicht getan. Nach Schilderung der Zeugin schlug der Geschäftsführer „völlig unvermittelt und mit solcher Wucht“ auf seinen Schichtführer ein „und hörte nicht mehr auf, ihn zu würgen, so dass ich Angst um sein Leben hatte“. 

Erst die alarmierte Polizei und der Notarzt konnten den Disko-Besitzer nach Schilderung der Zeugin dazu bringen, von seinem eigenen Mitarbeiter abzulassen. Der Mann musste mit schweren Brüchen im Gesicht in die Uniklinik.


Die Polizei bestätigte auf Anfrage des Geschehen: „Es ist richtig, dass es am 22. Mai um 5.30 Uhr zu einem Vorfall in einer Diskothek kam, die zu einer Körperverletzung führte und bei der zwei Personen des Personals beteiligt waren“, so ein Sprecher der Polizeiinspektion Süd. Den Vorfall habe man schlicht deshalb nicht in den Polizeibericht für die Medien aufgenommen, „weil es dort tagtäglich zu Körperverletzungen kommt. Ob es sich nun dabei um den Geschäftsführer handelt, der zuschlägt oder um einen Gast, ist für uns irrelevant“, so der Sprecher.


Die schockierte Mitarbeiterin, die Zeugin des denkwürdigen Vorgangs wurde, zog aus dem Geschehen indes klare Konsequenzen: „Ich höre jedenfalls auf, dort zu arbeiten, weil ich Angst habe!“


Der Geschäftsführer der Diskothek indes war angeblich am Sonntag bereits vom Dienst suspendiert, als das Party-Schiff „Ludwig der Kelheimer“ auf der Donau seine Fahrt begann. Mit bis zu 600 Gästen an Bord soll man unterwegs gewesen sein, die Feier war offenbar feuchtfröhlich. Da geschah kurz vor Mitternacht das Unfassbare: Ein 22-jähriger junger Mann, der auf der Reling gestanden haben soll, rutschte wohl ab, fiel nach Angaben eines Zeugen auf das Schiff und rutschte schließlich in den eiskalten Fluss.
Der junge Mann sei nach ersten Erkenntnissen der Polizei wohl alkoholisiert oder stark alkoholisiert gewesen. Eine Genehmigung für das Schiff sei von der Stadt durch einen sogenannten Sicherheitsbescheid vorhanden gewesen.

 

Zwischenzeitlich hat sich der Regensburger Rechtsreferent Dr. Wolfgang Schörnig gegenüber dem Wochenblatt geäußert. Die Stadt hatte einen sogenannten Sicherheitsbescheid erlassen. Dabei hatte man vier Auflagen gestellt: Erste Auflage war, dass neben dem Personal noch zwei Ordner an Bord haben sein müssen. Auch Zeugen haben dem Wochenblatt berichtet, dass zwei Sicherheitskräfte gesehen wurde. Zudem mussten ein Rettungssanitäter an Bord sein und die Betriebszeiten so eingeschränkt werden, dass es nicht zu Lärmschutz-Problemen kommen konnte, sagte Schörnig dieser Zeitung am Dienstag. Vierte Auflage indes sei es gewesen, dass an sichtlich betrunkene Gäste kein Alkohol mehr ausgeschenkt werden durfte. Derzeit geht die Polizei davon aus, dass der 22-Jährige zumindest alkoholisiert, wenn nicht sehr alkoholisiert war. Sollte das der Fall gewesen sein, muss sicherlich überprüft werden, woher er den Alkohol hatte.


Am Dienstag hat die Polizei die Suche nach dem jungen Mann aufgegeben. Aufgrund der niedrigen Temperaturen des Wassers und der langen Zeit, die schon vergangen sei, gehe man im Moment davon aus, dass der 22-Jährige tot ist.


Ein Zeuge berichtet dem Wochenblatt, von der Führungscrew des Gastronomie-Betriebes war niemand an Bord des Schiffes gewesen. Ob die Ereignisse der vergangenen Woche und die Suspendierung des Geschäftsführers der Grund waren, ist bislang nicht bekannt.
 

Autor: Christian Eckl
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