10.01.2017 Regensburg

Landgericht Regensburg

Fünf Liter Benzin: Wollte der 27-Jährige wirklich nur sein eigenes Hab und Gut abfackeln?

Verhandlung Brand Neutraubling
Foto: vb
Einem 27-jährigen US-Bürger wird vorgeworfen, im April 2016 im Keller eines Mehrfamilienhauses in Neutraubling Feuer gelegt zu haben. Nun steht er vor dem Landgericht Regensburg. Er soll mit einem Fünf-Liter-Kanister und einem Stabfeuerzeug zu dem Wohnblock gefahren sein, bereits in der Absicht, dort Feuer zu legen.

Er soll gewusst haben, dass sich seine Freundin, mit der es am Abend zuvor zu einem großen Streit gekommen war, und sein Sohn in dem Gebäude aufhielten. Weiter soll es zu einer Explosion und massiver Rauchentwicklung gekommen sein, sodass die Bewohner des Hauses um ihr Leben laufen mussten. Eine Bewohnerin wollte aus Angst vor den Flammen sogar ihr Baby aus dem Fenster werfen. Über seinen Rechtsanwalt Thomas Winkelmeier räumte der Angeklagte die Tat mit Einschränkungen ein.

 

Der Amerikaner verfügte nie über irgendwelches nennenswertes Hab und Gut und fühlte sich deshalb als Versager. Ja, sogar von psychischen Problemen ist die Rede. Das soll seine Freundin und Mutter seines Sohnes – mit der er mittlerweile verlobt ist – immer wieder in Konfliktsituationen ausgenutzt haben. So auch bei einem Streit am Abend vor der Tat. Dieser war so heftig, dass sogar die Polizei dazu gerufen wurde. Die Verlobte soll fälschlicherweise behauptet haben, ein Laptop gehöre ihr, obwohl er Eigentum des Angeklagten war. Das brachte ihn so in Rage, dass er den Laptop vor den Augen der Polizisten zerstörte. Die Folge: Platzverweis. Der 27-Jährige übernachtete daraufhin bei einer Freundin.

 

„Ich wollte niemanden verletzen!“

Weil er noch Eigentum im Keller des Gebäudes lagerte und befürchtete, dass seine Freundin es nicht zulassen würde, dass er es abholt, fasste er den Entschluss, es anzuzünden. Er übergoss laut eigenen Angaben seinen Koffer im Keller des Hauses mit nur ganz wenig Benzin, damit er Feuer fing. Das Feuer aber breitete sich unkontrolliert aus und er flüchtete aus dem Keller – angeblich, um die Bewohner zu warnen. Der zurückgelassene Benzinkanister explodierte. „Ich wollte niemanden verletzen. Ich habe nicht gedacht, dass ich das Feuer nicht kontrollieren kann“, so der Angeklagte. Als wenig später die Polizei eintraf, ließ sich der 27-Jährige festnehmen.

Autor: Verena Bengler

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