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01.11.2012 Regensburg

Extremismus

Frei.Wild: „Rechtsextreme Band“ darf in der Donau-Arena auftreten


Die Band Frei.Wild wurde letzten Sonntag in der ARD-Sendung von Günther Jauch als rechtsextremistisch eingestuft. Doch stimmt das wirklich? Die Band jedenfalls wehrt sich – ein Auftritt in der Donauarena sei indes sowieso nicht zu verhindern. Schließlich stehe die Band ja nicht auf dem Index.

Müssen die Regensburger Stadtwerke, die auch die Donau-Arena betreiben, wirklich jeden auftreten lassen, der dies will? Ja müssen die Regensburger Verkehrsbetriebe einen Shuttle-Service für eine Gruppe anbieten, die bekannt dafür ist, dass sich besonders rechtsextreme Skinheads für sie interessieren? Offenbar – zumindest geht das aus der Antwort einer Anfrage des Wochenblattes bei den Stadtwerken hervor.


Am kommenden Samstag, 3. November, tritt die Band Frei.Wild in der Donau-Arena auf. Das Publikum wird sich diesmal wohl ziemlich sicher von anderen Pop- und Rockkonzerten unterscheiden. Frei.Wild stammt aus Südtirol, ist bekannt für extrem nationalistische Liedtexte. Sie gelten gemeinhin als die Szene-Nachfolger der Böhsen Onkelz. Der Sänger der Band, Philipp Burger, war früher Sänger der Band Kaiserjäger – ebenfalls aus dem braunen Milieu stammend. Erst kürzlich bei Günter Jauch am Sonntag, als Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich Stellung bezog zum Behördenversagen in den Ermittlungen zu den NSU-Morden, betonte der undercover in der Rechtsextremisten-Szene ermittelnde Journalist Thomas Kuban, wie er Frei.Wild einordnet – damit, so Kuban bei Jauch, solle geschickt „völkische Gesinnung und nationalistische Meinungen“ für Jugendliche mit vermeintlich cooler Rockmusik mundgerecht aufbereitet werden.


Stadtwerke: Problem erkannt, doch was tun?


Bei den Stadtwerken ist man sich zwar der Problematik bewusst, doch man kann angeblich nichts unternehmen: „Wir haben keine rechtliche Handhabe, weil keines der Lieder auf dem Index steht“, so Marion Brasseler von den Stadtwerken. „Wir bedauern dies, doch solange die Band nicht verboten ist, können wir den Auftritt nicht untersagen.“
Nach Informationen des Wochenblattes wurden die Verantwortlichen der Donau-Arena bereits im Mai diesen Jahres von den Hintergründen der Band informiert. Es wäre also Zeit genug gewesen, rechtliche Schritte zumindest zu prüfen. Doch schon damals lehnte man eine Absage des Konzerts mit der Begründung ab, auf dem Index der Bundesstelle für jugendgefährdende Medien sei die Band nicht verzeichnet.

So wird es also nächsten Samstag wohl ein recht heimeliges Konzert für viele Fans der Band – und so werden wohl Texte wie diese zu vernehmen sein:
„Wir haben’s getan
Wir haben’s gemacht
Wir haben Leute verdroschen
Über die Folgen nicht
nachgedacht
Wir haben die Straßen der
Stadt für uns in Anspruch
genommen
Keine Gefangene gemacht“

Die Band selbst wehrt sich indes gegen den Ruf der „völkischen Gesinnung“ und der „rechtsextremen Orientierung“ in einer Erklärung, die dieser Zeitung vorliegt. Besonders der Vorwurf in der Jauch-Sendung hat die Bandmitglieder in Rage versetzt: „Die Tatsache, dass die Betroffenen – hier die Band Frei.Wild – keine Gelegenheit erhalten, zu Wort zu kommen, zeigt, dass eine wirkliche Auseinandersetzung mit der Band nicht erfolgen soll. Im Gegenteil: Frei.Wild wird aufgrund der Popularität und des Erfolges als Referenz­Opfer medial geschlachtet, um der öffentlichen Relevanz der eigenen Botschaften und Behauptungen und Meinungen mehr Bedeutung zu verleihen.“ Allerdings kann man auch den Eindruck gewinnen, dass man sich aufgrund des Erfolges plötzlich brav gibt. Geld ist wohl wichtiger als „nationale Gesinnung“.

Autor: Christian Eckl

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