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20.07.2012 Regensburg

"Nachrichtensendung" sprach von Terror und Viren:

Fragwürdiges Kunstprojekt ruft Kripo in Regensburg auf den Plan


Ein doch fragwürdiges Kunstprojekt hat die Kripo in Regensburg auf den Plan gerufen: Ein Video auf Youtube verbreitete im Stile einer Nachrichtensendung die Horrormeldung, in Regensburg sterben Menschen an einem unbekannten Virus.

Viele Regensburger würden fluchtartig die Stadt verlassen, im Klinikum schweige man zu den Ereignissen. "Experten" waren im "Studio" und berichteten der Moderatorin, wie man sich nun verhalten sollte.


Was für Aufruhr sogte, stellte sich dann als "Kunstprojekt" heraus. Nachdem die Kripo mit den Urhebern Kontakt aufgenommen hatte, verschickten diese am Freitag, 20. Juli, eine Pressemitteilung.

 

Wir dokumentieren im Folgenden die so genannte Pressemitteilung im Wortlaut:

 

In einem transmedialen Kunstprojekt verpackt lief am 18. Juli ein Remake von Orson Welles „Krieg der Welten“. Die Mockumentary wirbt für einen Verantwortungsbewussten Umgang mit sozialen Medien und für mehr Medienkompetenz.

 

Im Zeitalter von Facebook, Twitter und anderen sozialen Medien hat die Informationsverbreitung rasante Geschwindigkeiten angenommen. Leider wird dabei oftmals nicht differenziert zwischen seriösen Nachrichten und Falschmeldungen. Unter den neuen Umständen, die den Nutzern mächtige Werkzeuge zur Massenkommunikation bereitstellen, ist es besonders wichtig, dass der Einzelne einen reflektierten Umgang mit Information pflegt. Häufig gerät diese verantwortungsbewusste Herangehensweise in den Hintergrund und der Bürgerjournalismus greift bedenklich um sich.

 

Das im Mockumentary-Stil gehaltene Projekt orientiert sich an Orson Welles Hörspiel „Krieg der Welten“, welches zu seiner Zeit durch seine realitätsnahe Aufmachung für Verwirrung unter der Bevölkerung gesorgt hat. Diesem Konzept folgt die Geschichte um die fiktive Nachrichtenseite N-CC.eu. Hierbei wird aber nicht nur eine Mockumentary in ein Nachrichtenportal eingebettet, sondern kann man die Geschichte auch über die sozialen Medien verfolgen, jederzeit die Handlung betreten, aktive Mitwirken und wieder verlassen. Neben der Nachrichtenseite mit seiner regelmäßigen Nachrichtenshow existieren diverse Blogs von Protagonisten und Profile auf sozialen Netzwerken. Ergänzt wird der transmediale Ansatz durch Straßentheater in der Stadt Regensburg.

 

Die Geschichte handelt von einer in Regensburg ausbrechenden Viruserkrankung, die sich im Verlauf der Erzählung zu einer globalen Pandemie ausweitet. Hierbei erzählen in der Rahmenhandlung eingebaute Userbeiträge verschiedene Handlungsstränge, die in der Nachrichtenshow gesammelt werden. Darüber hinaus begleiten die beiden Charaktere Michael Junker, Lokaljournalist, und Thomas Calhoun, Alienfan, die Geschehnisse. Am Ende gipfelt die Katastrophe in einem Besuch der Aliens bei den Nachrichten.

 

Obwohl wir auf dem Portal explizit auf unsere Nutzungsbedingungen hingewiesen haben, in denen zu lesen war, dass es sich um ein Kunstprojekt handelt, riefen doch besorgte Bürger bei der Kripo an, die sich schließlich mit uns in Verbindung setzte. Am Ende wurde nach einem Gespräch mit der Kripo das Projekt offline gestellt. Die verbleibenden 70 Prozent der Mockumentary werden erst in einigen Tagen ausgestrahlt.
 

Autor: uh / pm

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