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22.09.2012 Regensburg

Rücktrittsgedanken

Drama um Jahn-Torwart Michael Hofmann


Foto: Günter Staudinger
Die Jahn-Niederlage gegen Cottbus war mehr als unglücklich, aus Sicht von SSV-Keeper Michael Hofmann war sie sogar tragisch: Der 39-Jährige verschuldete das entscheidende Tor und war anschließend untröstlich.

Als Hofmann nach dem Schlusspfiff sichtlich geknickt zum Fernseh-Interview antrat, begrüßte ihn der "Sky-"-Reporter mit den Worten, dass jeder Mensch Fehler mache. "Ich darf aber keinen machen. Wenn wir eine Chance auf den Klassenerhalt haben wollen, darf mir so etwas nicht passieren", sagte der Routinier selbstkritisch. In der vierten Spielminute hatte er einen an sich harmlosen Schuss durchrutschen lassen - es sollte der spielentscheidende Fehler sein.

 

Der Schlussmann, der sich im bisherigen Saisonverlauf in Top-Form präsentierte, ließ keinen Zweifel daran, gerade einen der schwärzesten Momente seiner fast 20-jährige Profi-Laufbahn zu erleben. Ehrlich wie immer und mit den Tränen kämpfend schloss er sogar ein vorzeitiges Karriere-Ende nicht aus: Er könne jetzt noch nicht sagen, ob er im nächsten Spiel wieder zwischen den Pfosten stehe. Er wisse nämlich nicht, ob er sich nach diesem Fauxpas wieder neu motivieren könne.

 

Vorwürfe machte Hofmann indes niemand. "Darüber rede ich gar nicht mehr", meinte Jahn-Trainer Oscar Corrochano, als er auf den Fehler seines Torwarts angesprochen wurde. "Michael hat dem Jahn schon oft genug Punkte gerettet!" Auch Cottbus-Coach Rudi Bommer sagte: "Ich habe gerade gehört, dass Hofmann überlegt aufzuhören. Ich bin aber der Meinung, dass er ein wichtiger Mann für die Regensburger Mannschaft ist."

 

Überhaupt sparte Bommer nach dem Spiel nicht mit Komplimenten für den SSV: "Regensburg hat uns das Spiel aufdiktiert, wir haben unverdient gewonnen", lautete die Analyse des Gäste-Trainers. Corrochano blickte derweil zuversichtlich auf das Dienstagsspiel in Sandhausen: "Das Schöne am Fußball ist, dass wir es schon in wenigen Tagen besser machen können. Wir müssen jetzt ein Jetzt-erst-recht-Gefühl entwickeln."

 

Das Regensburger Publikum sieht es genauso. Trotz der Niederlage spendete es dem Jahn-Team lautstarken Applaus. Hoffentlich ist dieser auch bei Michael Hofmann angekommen.

Autor: Rainer Wendl

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