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30.04.2012 Donaustauf

200 Jahre Thurn und Taxis im Markt:

Donaustauf startet in ein fürstliches Jubiläumsjahr

Zeichnung des Fürstichen Schlosses uns des Marstalls in Donaustauf
Foto: Ursula Hildebrand
Vor 200 Jahren, also 1812, hat Fürst Karl Alexander von Thurn und Taxis das alte Schloss Donaustauf gekauft und so den Markt vor den Toren Regensburgs zu seinem Sommersitz gemacht. Damit nahm die enge Beziehung zwischen Donaustauf und dem fürstlichen Haus ihren Anfang, die letztlich dazu führte, dass hier die Walhalla errichtet wurde, und heute noch spürbar ist, weil etwa hier das Jagdgebiet des Fürsten ist.

Das Jubiläum "200 Jahre Thurn und Taxis in Donaustau" würdigt der Markt mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen und einer Ausstellung, die am 21. Juli im Bürgerhaus eröffnet wird. Bürgermeister Sommer zeigte sich sehr erfreut, dass die große Mehrheit des Marktgemeinderats im Haushalt auch Geld für ein solches Kulturprogramm in Donaustauf genehmigt hat. Wichtig sei vor allem, dass alle Bürgerinnen und Bürger von dem Programm angesprochen werden und damit das Interesse an der Geschichte ihrer Heimat geweckt wird.

 

In der Arbeitsgruppe zur Vorbereitung der Veranstaltungsreihe und der Ausstellung arbeitet auch der Leiter von Zentralarchiv und Hofbibliothek des Fürstlichen Hauses Thurn und Taxis, Dr. Peter Styra, mit. Damit, so Bürgermeister Sommer, sei es möglich, eine ganze Reihe von Archivalien zur Ortsgeschichte erstmals öffentlich zu zeigen. "Ich finde es wirklich ganz toll, dass das Fürstliche Haus sich hier so offen und gesprächsbereit zeigt."

 

Führung zur Ortsgeschichte und Vortrag

Eröffnet wird der Veranstaltungsreigen mit einer Führung zur Ortsgeschichte am Sonntag, 6. Mai. Wenig später, am Donnerstag, 10. Mai, steht der Vortrag "Die Geschichte des Fürstenhauses Thurn und Taxis in Donaustauf" im Bürgerhaus auf dem Programm. Drei Experten stellen das Thema an diesem Abend dar. Zunächst spricht Peter Styra vom Thurn-und-Taxis-Archiv über die Frage "Wie kommt das Fürstenhaus Thurn und Taxis nach Donaustauf?". Dann stellt die Historikerin Manuela Daschner das tägliche Leben der fürstlichen Familie an ihrem Sommersitz vor. Dazu hat sie umfangreiche Aktenbestände im fürstlichen Archiv durchgearbeitet, darunter das "Schlossinventar", das darstellt, was im 1880 abgebrannten Schloss ein Einrichtungs- und Alltagsgegenständen in Gebrauch war.

 

Ferner geht es um die Wohltätigkeit des fürstlichen Hauses, also den Bau des so genannten Armenhauses, um die eigens für das Schloss angelegte Wasserleitung, den Garten, also den heutigen Fürstengarten, und um das Badevergnügen der fürstlichen Familie in der Donau. Darüber hinaus hat Daschner das Leben der in Donaustauf geborenen fürstlichen Prinzen und ganz besonders den Besuch der österreichischen Kaiserin Elisabeth, der legendären Sissi, im Mai 1883 erforscht. Schließlich spricht Ortsheimatpfleger Hermann Hage an diesem Abend über die Baugeschichte des 1880 abgebrannten Sommerschlosses.

 

Festwochenende am 21. und 22. Juli

Höhepunkt der Veranstaltungsreihe "200 Jahre Thurn und Taxis in Donaustauf" ist das Wochenende am 21. und 22. Juli. Hier wird zunächst eine Ausstellung im Bürgerhaus eröffnet, die dann an allen Wochenende bis Anfang September zugänglich ist. Im Erdgeschoß steht dabei die Geschichte der Familie Thurn und Taxis in Donaustauf im Mittelpunkt, im Bürgersaal unter dem Dach wird die Baugeschichte des Sommerschlosses und sein Brand im Jahre 1880 dargestelt. Peter Styra, Leiter des fürstlichen Archivs, bestätigte, dass umfangreiches, "sehr spannendes Material" zum Schloss, aber auch zum Alltagsleben in Donaustauf im 19. Jahrhundert vorliege, darunter detaillierte Pläne mit genauer Bezeichnung der rund 100 Zimmer in dem gewaltigen Gebäude. So hätten der regierende Fürst und die Fürstin von Thurn und Taxis jeweils eigene Wohn-, Schlaf-, Ankleide, Empfangs-, Speisezimmer und Bäder gehabt.

 

Amüsant ist auch, dass aus den Unterlagen hervorgeht, was Fürst Maximilian Karl Thurn und Taxis nach seiner Heirat mit Wilhelmine von Dörnberg einführte. Laut Styra dürfte er eines der ersten Mitglieder seines Standes gewesen sein, das die Nacht mit seiner Ehefrau in einem gemeinsamen Schlafzimmer im Doppelbett verbrachte. Das sei "damals völlig unüblich" gewesen und sicher daran gelegen, dass diese Ehe eine echte "Liebesehe" war.

 

Ferner sind in der Ausstellung zu sehen: eine Fotoserie zur Eröffnung des Kriegerdenkmals in Donaustauf mit Fürst Albert, ein großformatiges Ölgemälde von Donaustauf mit dem Schloss von Julius von Blaas (1845 bis 1922), drei originale Steinteile der Schlossbalustrade, ein Kaffeeservice mit Ansichten von Schloss und Walhalla aus dem Zweigmuseum Regensburg des Bayerischen Nationalmuseums, der Kaufbrief über das alte Schloss Donaustauf und die Prunkurkunde zur Ernennung von Fürst Albert zum Herzog von Wörth und Donaustauf von 1899 mit der originalen Unterschrift von Bayerns Prinzregent Luitpold.

 

Ausstellung mit bisher nie gezeigtem Exponat

Dazu kommt, so Ortsheimatpfleger Hermann Hage, "ein ganz besonderes Schmankerl, das ich erst kürzlich erwerben konnte und die viele Donaustaufer ganz sicher besonders überraschen wird". Mehr wollte Hage allerdings noch nicht verraten. Der Eintritt in die Ausstellung ist frei. Außerdem werde es gesonderte Führungen für Schulklassen geben, die am Ende des Schuljahres ihren Wandertag mit einem Besuch der Ausstellung gestalten.

 

Ferner will Bürgermeister Sommer organisieren, dass am Festwochenende der ehemalige Eiskeller des Schlosses geöffnet und bewirtschaftet wird. Damit können sich die Besucher der Ausstellung auch im Eiskeller oder bei gutem Wetter auch in einem kleinen Biergarten beim Maibaum stärken. Am Abend des 21. Juli liest dann die Autorin Marita Panzer aus Regensburg am Chinesischen Turm aus ihrem Buch "Fürstinnen von Thurn und Taxis". Bei schlechtem Wetter wird diese Lesung in die Bücherei verlegt.

 

Weitere Infos gibt es im Internet unter www.donaustauf.de.

Autor: pm / uh

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