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18.03.2012 Regensburg

„Integration statt Ausgrenzung"

Die „etwas andere katholische Kirche" weiht in Regensburg Priester

Der altkatholische Bischof Matthias Ring weiht Daniel Saam zum Priester
Foto: Hans-Peter Landsmann
Am Samstag, 17. März, wurde der Diakon und Gemeindeleiter der alt-katholischen Gemeinde Regensburg, Daniel Saam (35), vor rund 250 Gläubigen in dem bis auf den letzten Platz besetzten Gotteshaus durch Bischof Dr. Matthias Ring zum Priester ordiniert. Auf Einladung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Regensburg fand die Weihe in der Neupfarrkirche statt.

Bischof Ring legte Saam die Hände auf und überreichte dem Weihekandidaten die Insignien des Priesteramtes. Zuvor hatten die Vertreterinnen und Vertreter der Synodalvertretung des Alt-Katholischen Bistums Deutschland sowie der Gemeinden Regensburg und Passau, Anneliese Harrer, Silvia Gross und Axel Stark, ihr öffentliches Votum für Saam vor der versammelten Gottesdienstgemeinde bekundet. Die alt-katholische Kirche ist synodal verfasst, daher spielen die Gläubigen und Gemeinden eine wichtige Rolle bei Entscheidungen, die die gesamte Kirche oder die einzelnen Gemeinden betreffen. Eine Priesterweihe ist eine solche Entscheidung, die von der jeweiligen Gemeinde mitgetragen wird.

 

Dies wurde durch das öffentliche Votum der Laienverantwortlichen deutlich. 16 anwesende alt-katholische Priesterinnen und Priester aus ganz Deutschland legten Saam im Anschluss an die Ordination durch den Bischof ebenfalls die Hände auf und nahmen den Neupriester in den Kreis des Presbyteriums auf. Sechs evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer, an ihrer Spitze Dekan Eckhard Herrman und Pfr. Wolfgang Lahoda, feierten im Altarraum mit.

 

Vielfalt der Ökumene bei alt-katholischer Weihe
Am Ende des Gottesdienstes überreichte Silvia Gross, Vorsitzende der alt-katholischen Gemeinde Regensburg eine rote Stola als Geschenk der Gemeinden Regensburg und Passau an Saam. „Noch niemals waren so viele alt-katholische Geistliche zusammen mit Vertretern anderer christlicher Kirchen an einem Ort in Regensburg versammelt wie heute. So vielfältig, schön und unkompliziert kann der christliche Glaube sein, wenn die Kirchen auf das Verbindende schauen und nicht auf das, was sie vordergründig zu trennen scheint“, betonte Gross angesichts der ökumenischen Vielfalt bei der historischen ersten alt-katholischen Priesterweihe in Regensburg seit der Gründung 1873. Saam bedankte sich bei allen, die ihn auf seinem Weg zum Priester begleitet haben, vor allem bei seiner Frau Maria und seiner Familie. Von seiner ehemaligen römisch-katholischen Wirkungsstätte, in der er früher als Pastoralreferent tätig gewesen war, reiste eigens ein Bus mit Freunden und Weggefährten an, um mit ihm zu feiern. Die Kollekte des Gottesdienstes ging an den Regensburger Verein „Strohhalm“, der Obdachlosen und Bedürftigen hilft. Der Gründer des Vereins, Stadtrat Josef Troidl, war ebenfalls anwesend und freute sich über dieses Zeichen der Solidarität.

 

Oberbürgermeister Schaidinger wünscht Glück
In seinem Grußwort am Ende des Gottesdienstes beglückwünschte Oberbürgermeister Hans Schaidinger Saam zu seiner Weihe und wünschte ihm für die Zukunft alles Gute. Schaidinger betonte die Funktion der Kirche als Impulsgeber für die Gesellschaft, auch für Regensburg. Dekan Eckhard Herrmann, Pfr. Dr. Gustav Rosenstein (Religionen für den Frieden) und Regierungspräsident a.D. Dr. Wolfgang Kunert (Forum der Religionen) sprachen ebenfalls Grußworte.

 

Ehrengäste feiern mit
Zur Priesterweihe war eine Vielzahl von Ehrengästen aus Kirche und Politik anwesend: Oberbürgermeister Hans Schaidinger, die Stadträte Christian Schlegl (CSU), Bernadette Dechant (CSU), Josef Troidl (CSU), Haritun Sarik (CSU), Dr. Eberhard Dünninger (ödp); Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD), Ludwig Artinger (FW), Dr. Wolfgang Kunert (Regierungspräsident a.D.), Dekan Eckhard Herrmann (Evang.-Luth. Dekanat); Pfr. Friedrich Hohenberger (Evang. Studentenpfarrer), Pfr. Wolfgang Lahoda (Neupfarrkirche), Pfrin. Christiane Weber (St. Lukas), Pfr. Dr. Gustav Rosenstein (Religionen für den Frieden), Pfr. Siegfried Thuringer (Präsident der alt-katholischen Landessynode Bayern), Pfr. Harald Klein (Dekan des alt-katholischen Dekanats Bayern), Bop-U Stabnau Gjomu (WON-Buddhistischer Tempel Regensburg), Elisabeth und Paul Reinwald (Pax Christi), Dr. Thomas Rigl, Prof. Dr. Franz Schnider sowie Vertreter der Neuapostolischen Kirche Regensburg und Passau, außerdem Hubert H. Wartner (Geschichts- und Kulturverein Regensburg-Kumpfmühl ) .

 

Zur Person
Daniel Saam, geboren 1976 in Speyer, ist seit April 2011 als hauptamtlicher Gemeindeleiter der alt-katholischen Gemeinden Regensburg und Passau tätig. Saam schloss 2003 sein Studium mit dem Diplom der Katholischen Theologie ab und war in der Diözese Freiburg in der Gemeindearbeit tätig. Im Oktober 2011 wurde er zum Diakon ordiniert. Saam ist mit der Diplom-Theologin Maria Saam verheiratet und Vater eines Kindes. Die Gemeinde Regensburg-Passau reicht über Neumarkt, Regensburg, Amberg, Landshut bis Passau. Die Primiz findet am 25. März 2012, um 10.30 Uhr, in der Auferstehungskirche in Passau statt.

 

Integration statt Ausgrenzung – eine Kirche für alle
Die alt-katholische Gemeinde existiert in Regensburg seit 1873. Im September 1939 wurde sie zur Pfarrei erhoben. Gegründet hatte sich die Alt-katholische Kirche aus Protest gegen die Dogmen der Unfehlbarkeit sowie des Jurisdiktionsprimats des Papstes im Jahre 1870. Aus dieser Gegenbewegung gegen den päpstlichen Zentralismus entstand schließlich eine Kirche, die bald den Weg der Reformen einschlug: Synodale Kirchenstruktur, Abschaffung des Zölibats, Gottesdienst in der Landessprache, Freiheit des Gewissens, keine Exkommunikation wiederverheirateter Geschiedener, Segnung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften, 1996 die Ordination von Diakoninnen und Priesterinnen, Abendmahlsvereinbarung mit der evangelisch-lutherischen Kirche, volle Kirchengemeinschaft mit der weltweiten anglikanischen Kirche.

 

Die Gemeinde in Regensburg zählt knapp 200 Mitglieder. In Deutschland gibt es rund 20.000 Kirchenmitglieder in 60 Pfarrgemeinden. Weltweit sind es über zwei Millionen Alt-Katholiken. Der oft missverständliche Name bezieht sich darauf, dass die alt-katholische Kirche die neuen Dogmen der päpstlichen Unfehlbarkeit sowie des Jurisdiktionsprimats nicht anerkennt, sondern an der alten ungeteilten Kirche der Urchristen festhält.
 

Autor: pm

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