22.02.2012 Regensburg
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Ratzinger, Rom, Regensburg:

Bischofskonferenz tagt in Regensburg - Weltgeschehen vor der Haustüre

Bischof Gerhard Ludwig Müller
Foto: Bistum Regensburg
Die Bilder, sie sind eindrücklich, Weihrauch und Pomp, Katholizismus pur eben: Als sich im vergangenen Jahr die Deutsche Bischofskonferenz im Dom von Paderborn versammelte, da kniete ihr Vorsitzender Robert Zollitsch nieder, bat um Vergebung – der Missbrauchskandal, er hatte einen Höhepunkt erreicht.

Am kommenden Montag, 27. Februar, treffen sie sich wieder, die Purpurträger neben jenen Kirchenfürsten mit bischöflichem Violett. Es ist dies ein Höhepunkt für die Kirche von Regensburg, doch mehr noch: Dass die versammelten Kirchenfürsten Deutschlands im Regensburger Dom zusammen kommen, ist auch die Stunde eines Mannes, den man in Regensburg lange ächtete: Bischof Gerhard Ludwig. Er steht auf dem Zenit seiner kirchlichen Macht.

 

Höhere Aufgaben für Bischof Gerhard Ludwig?

Selbst kirchenkritische Zeitungen wie die Süddeutsche halten es für wahrscheinlich, dass er bald vom Papst mit höheren Aufgaben betraut wird. Keine Empörung mehr wie einst, als er Erzbischof von München und Freising werden sollte – man wird ihm in Regensburg am Ende gar manche Träne nachweinen. Doch das alles ist nicht wichtig – Bischöfe kommen und gehen. In Regensburg aber wird nichts mehr so sein, wie es einmal war. Aus der Domstadt, die auch historisch von jeher ein schwieriges Verhältnis zum Katholizismus pflegte, hat sich ein Zentrum des Katholizismus in Deutschland entwickelt.

 

Wer das verstehen will, der muss nur eine kleine unscheinbare Gasse hinterhalb des Drogeriemarktes Müller aufsuchen. Hier weist eine kleine Tafel darauf hin, dass einst der Papst seinen Bruder besuchte. Georg Ratzinger wird mittlerweile gut abgeschirmt, zu groß ist der Auflauf um den alten, gebrechlichen Mann.  Möge ihm sein Herrgott noch viele Jahre schenken, doch sollte der heute 88-Jährige einmal heimkehren zu seinem Schöpfer, dann wird in Regensburg nicht nur die deutsche Presse ein Schaulaufen veranstalten. Ratzinger und Rom, Ratzinger und Regensburg – das sind Weltnachrichten. Paparazzis werden die kleine, unscheinbare Gasse hinterm Drogeriemarkt Müller besiedeln, alle werden warten, ob der Papst selbst kommt, um seinen Bruder zu begraben. Quellen sagen, Georg Ratzinger wolle keineswegs nach Rom überführt werden – vielmehr hat er sich eine Grablege ausgesucht, die seinem Stand als Domkapellmeister würdig ist: Bei Theobald Schrems, dem berühmten Vorgänger Ratzingers bei den Domspatzen, hat er sich ein Grab ausgesucht. Auch sein Stift St. Joahnn hätte auf dem Unteren katholischen Friedhof eine Gruft, Ratzinger hätte ein Recht auf eine Grablege. Doch bis dahin wird hoffentlich noch viel Wasser die Donau entlag fließen.

 

„Am Ende muss der Papst entscheiden wann, wie und wen.“

Und die Rolle Regensburgs im weltkirchlichen Gefüge könnte sich weiter entwickeln: Ob Bischof Gerhard Ludwig nach Rom geht, weiß im Moment wohl keiner. Die Nachfolge von Kardinal Levada als Hüter des Glaubens ist eine Variante, die gehandelt wird – Müller scheint einer von drei aussichtsreichen Kandidaten zu sein. Erst kürzlich äußerte er sich gegenüber einer Nachrichtenagentur: „Am Ende muss der Papst entscheiden wann, wie und wen.“ Der Posten des obersten Archivars würde bald noch frei, auch dies eine Option – klar sind bei allen Spekulationen nur zwei Dinge: Müllers Berufung nach Rom ist absehbar, es gibt keinen Widerstand mehr aus Deutschland, nur im Vatikan haben die mächtigen italienischen Kurienfürsten wohl Vorbehalte, weil er ein Deutscher ist. Zweitens aber wird der Einfluss Regensburgs in Rom größer, wenn ein Bischof dort hinzieht – Regensburg, das Rom Deutschlands also? 

 

Zunächst einmal geht es ab kommender Woche um kirchlich-organisatorische Belange. Doch ein solches Stelldichein berühmter Männer im Kirchenrock hat Regensburg wohl schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr gesehen …



Autor: Christian Eckl

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