12.09.2017 Bayern

Geburt

Bayern: Mehr Kaiserschnitte in 2016 – Höheres Krankheitsrisiko für das Kind

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Der Anteil der Kaiserschnittentbindungen ist vergangenes Jahr in Bayern auf 32,2 Prozent gestiegen. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) ist das ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 0,4 Prozentpunkte.

Dabei ist die Entwicklung in einzelnen Regierungsbezirken sehr unterschiedlich. Während in der Oberpfalz die Kaiserschnittquote um vier Prozent zunahm, sank sie in Ober- und Unterfranken sowie in Schwaben jeweils um rund ein Prozent. Oberbayern hat wie im Vorjahr mit 35 Prozent die höchste Quote. Diese Zunahme der Kaiserschnittentbindungen bewertet Christian Bredl, Leiter der TK in Bayern, als problematisch. "Ich hoffe, das ist nur ein einmaliger Effekt und die Quote sinkt in den kommenden Jahren wieder." Das wäre auch von Vorteil für die Neugeborenen, denn Kinder, die per Kaiserschnitt entbunden werden, haben später ein deutlich erhöhtes Risiko für Infektionserkrankungen. Wie aus dem aktuellen TK-Geburtenreport hervorgeht, steigert ein Kaiserschnitt, auch Sectio genannt, beispielsweise das Risiko für Atemwegsinfektionen in den ersten zwei Lebensjahren.

 

Die TK-Studie zeigt auch, dass 90 Prozent der Kaiserschnitte eine sogenannte "relative Indikation" haben. Das heißt, sie sind aus medizinischer Sicht nicht zwingend notwendig. Zu den relativen Indikationen zählen psychisch motivierte Ursachen wie Stress und Geburtsangst. Erkrankungen der Mütter beeinflussen ebenfalls die Wahl der Entbindungsart. Bei Frauen mit psychischer Störung, wie etwa Depressionen oder Angststörungen, wurde häufiger eine Sectio durchgeführt. Aber auch die Klinikorganisation, die Erfahrungen von Geburtshilfe-Teams sowie die bessere Planbarkeit einer Geburt sowohl für Ärzte als auch für die Patientinnen können einen Kaiserschnitt begünstigen. Welche Rolle diese Faktoren spielen, erklärt der bayerische TK-Chef Bredl: "In Abteilungen mit weniger als 500 Geburten im Jahr werden Schnittentbindungen zwischen 18 und 22 Uhr wesentlich häufiger durchgeführt als in größeren geburtshilflichen Einrichtungen."

 

Die Sectiorate ist in Bayern etwa doppelt so hoch wie von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen. Die TK fordert deshalb ein differenziertes Abwägen bei Schnittentbindungen. "Ein Kaiserschnitt sollte nur durchgeführt werden, wenn eine natürliche Geburt die Gesundheit oder das Leben von Mutter und Kind in Gefahr bringen würde", sagt Bredl. Je schwächer die medizinische Indikation für eine Sectio sei, desto umfassender sollten Ärzte und Geburtshelfer die werdenden Eltern aufklären. Natürlich muss dabei über die lebenslangen Folgen eines Kaiserschnitts für das Baby ausführlich informiert werden. Nur so kann die Schwangere zusammen mit ihrem Partner die für sie richtige Entscheidung treffen. 

Autor: Pressemitteilung

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