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31.10.2011 Regensburg

Besuch bei der IHK in Regensburg

Bahnchef Grube: Charmant, aber vage

Rüdiger Grube
Foto: Staudinger
Als Gesprächspartner mit Charme und Witz präsentierte sich Bahnchef Rüdiger Grube am Montag bei seinem Besuch in Regensburg. Über die Bahn-Probleme der Region zeigte er sich zwar gut informiert, doch seine Aussagen dazu blieben vage.

 

Der Bahn-Chef kam mit dem Auto. Sinnigerweise war es eines mit Stuttgarter Kennzeichen. Aber warum auch nicht? Schließlich betonte Rüdiger Grube am Montag bei seinem Besuch bei der IHK Regensburg mehrfach, dass er im Lauf seines Berufslebens mit Ausnahme von Schiffen mit allen Arten von Verkehrsträgern zu tun hatte und keinen gegen den anderen ausspielen wolle. Seit 900 Tagen steht er nun der Deutschen Bahn AG vor, einem für Grube ganz offensichtlich faszinierenden Unternehmen, über das er fesselnd und launig referieren kann.
 
Längst nicht immer faszinierend ist die Bahn in Ostbayern. In seinem Impulsreferat zählte IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Helmes die altbekannten Schwachpunkte des Schienenverkehrs in der Region auf: Die grenzwertige Leistungsfähigkeit der ICE-Strecke nach Wien, die immer noch nicht realisierte Anbindung an den Münchner Flughafen, die „sensationell langsame” Verbindung nach Prag und vor allem natürlich die überfällige Elektrifizierung der Strecke von Regensburg ins oberfränkische Hof.
 
Hier handle es sich nicht um die Verbindung von zwei Orten in der bayerischen Provinz, sondern um eine Maßnahme von nationaler Bedeutung, die sich obendrein rentiere: Von jedem in den Ausbau der Strecke investierten Euro kämen zwei Euro zwanzig zurück, zitierte Helmes eine aktuelle Studie und forderte Grube auf, die Jahresdividende der Bahn in eine Sofort-Finanzierung für dieses Projekt zu stecken und bis 2015 zu realisieren.
 
Die entsprechende Zusage gab Grube freilich nicht. Er outete sich zwar als Verfechter der Elektrifizierung („Lieber heute als morgen!”), verwies aber genauso wie bezüglich der Strecke nach Prag auf die Zuständigkeit der Politik und konnte sich dabei einen Seitenhieb auf seinen Vorgänger Hartmut Mehdorn nicht verkneifen: „Vielleicht bestehen da noch Missverständnisse, weil mein Vorgänger immer als Verkehrsminister und Bahnchef aufgetreten ist.”
 
So war der Auftritt des Rüdiger Grube – inhaltlich vage, aber charmant. Die IHKs in Deutschland lobte er dafür „wie eine Eins” zu stehen, dem Oberpfälzer Europaabgeordneten Ismail Ertug von der SPD (er hatte den Besuch des Bahnchefs in Regensburg organisiert) bescheinigte er einen „Hintern in der Hose” und Regensburgs Bürgermeister Gerhard Weber umgarnte er mit dem Satz „In so einer Stadt wäre ich auch gern Bürgermeister”.
 
Sollten die zahlreich anwesenden Kommunal-, Landes- und Bundespolitiker aus der gesamten Oberpfalz aber konkrete Aussagen zum Bahnverkehr in Ostbayern erwartet haben, wurden sie enttäuscht. Nur im Hinblick auf die „große” Bahn-Leitlinie legte sich Grube fest: „Der Börsengang ist für mich im Monent kein Thema. Stattdessen müssen wir unser Brot- und Buttergeschäft vorantreiben und dort endlich besser werden”, rief der Bahn-Chef in den Saal und bekam dafür den größten Applaus des Nachmittags. War ja auch eine SPD-Veranstaltung …
Autor: Rainer Wendl

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