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27.07.2012 Regensburg

Staatliche Bibliothek Regensburg:

Ausstellung "Verborgene Schätze" ist noch bis zum 31. August zu sehen


Foto: Ursula Hildebrand
Aufgrund des großen Zuspruchs, wird die Ausstellung "Verborgene Schätze" in der Staatlichen Bibliothek Regensburg bis zum 31. August verlängert.

Die Staatliche Bibliothek Regensburg ist eine „Schatzkammer“, in welcher zahlreiche ungehobene literarische Schätze zu entdecken sind. Oftmals sofort sichtbar für die Einbände gedruckter Bände verwendet, harren tausende von mittelalterlichen Pergamentfragmenten ihrer Entdeckung durch die Wissenschaft.

 

Die Bibliothek an der Regensburger Gesandtenstraße nennt heute die immense Zahl von mehr als 90.000 Drucken mit Erscheinungsjahr vor 1800 ihr Eigen. Diese gewaltige Menge alter Drucke, die von keiner anderen Bibliothek in der Oberpfalz übertroffen wird, ist auch für die Überlieferungschance von Fragmenten maßgeblich. Waren doch Bücher, die vor dem 19. Jahrhundert erschienen, alles andere als Standardprodukte, wie wir modernen Menschen das gewöhnt sind. Jeder dieser älteren Drucke ist vielmehr ein Unikum, mit einzigartigen Exemplarspezifika, und unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von seinen "Schwesterdrucken", also von im Druckbild identischen Exemplaren.

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Hier – und das ist Anlass und Gegenstand dieser Ausstellung – wurden eben auch mittelalterliche Fragmente zumeist fü̈r die Einbände von frühneuzeitlichen Drucken verwendet. In ihrer ursprünglichen Form als Pergamentcodices waren viele Texte irgendwann entbehrlich geworden, sei es, weil neue, aus Sicht der Zeitgenossen bessere Ausgaben vorhanden waren, sei es, weil die Inhalte nicht mehr dem Zeitgeschmack entsprachen. Doch das widerstandsfähige Material des Pergaments, also bearbeiteter Tierhaut, war gerade für die Buchbinder immer noch interessant, konnte es doch als Einbanddecke oder für Schmutzblätter gebraucht werden. Dieses schlichte materielle Interesse stellt für die heutige Kenntnis der Vergangenheit oftmals einen Glücksfall dar. Viele unbekannte, aber auch bekannte Texte ergänzen und verfeinern unser Wissen über das "ferne Mittelalter".

 

So werden in der Ausstellung Zeugnisse der 1519 untergegangenen jüdischen Gemeinde der ehemaligen Reichsstadt ebenso zu sehen sein wie mittelhochdeutsche Gedichte, etwa das Endzeitgedicht "Von dem jungesten Tage", das vom Weltuntergang, dem jüngsten Gericht also, erzählt. Neben liturgischen Texten wird ferner auch Dantes "Göttlicher Komödie" in zwei Fragmenten des 14. Jahrhundert gezeigt.

 

Mit der systematischen Erfassung sämtlicher Fragmente, die derzeit in der Staatlichen Bibliothek erarbeitet wird, steht zudem allen historisch arbeitenden Wissenschaften ein neuer, völlig unbearbeiteter Fundus zur Verfügung, der so manche Neuentdeckung beziehungsweise Neubewertung bereits bekannter Tatsachen und Inhalte verspricht und gerade für die Geistes- und Kulturgeschichte Regensburgs von hoher Bedeutung ist.

 

Zur Ausstellung erschien auch eine reich bebilderte sowie farbige Begleitbroschüre, die für drei Euro in der Bibliothek erworben werden kann. Zwischen dem 30. Juli und dem 1. September gelten folgende Ferienöffnungszeiten gelten: Montag bis Donnerstag von 9 bis 16 Uhr, Freitag von 9 bis13 Uhr, Samstag ist geschlossen.

 

Mehr zu Ausstellung: Schätze aus den Tiefen der Staatlichen Bibliothek

Autor: pm / uh

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