31.01.2012 Riedlhütte
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Rattenscharf

Degu
Foto: Sprisi / pixelio


Aufmerksame Leserinnen und Leser dieser Rubrik mögen sich noch daran erinnern, dass ich im Spätsommer überraschend in den Besitz einer chilenischen Strauchratte gekommen war, welche meiner kleinen Familie quasi zulief. Drei, vier Wochen lebte das Tierchen unter uns, ehe es sein Heil in der Flucht suchte. Was mich nicht überraschte, weil diese Ratte – richtigerweise als Degu bezeichnet – als wahrer Ausbrecherkönig der Tierwelt bekannt ist.


Das passierte just an jenem Tag, als ich in meinem Eifer einen wunderbaren Degu-Käfig käuflich erwarb, welchen ich mittels einer Wochenblatt-Kleinanzeige zu einem sensationell günstigen Preis in Deggendorf ausfindig machte. Nun gut: Ich kam heim, mit dem Degu-Käfig (der eigentlich ein Papageienkäfig ist, aber das ist dem Degu egal), alles war super: Nur das Tier war weg. Bis heute. Ein paar Tage lang herrschte miese Stimmung in der Familie.


Bis Samstag. Da informierte mich meine Tochter darüber, dass eine Schulfreundin einen ganzen Schwung Degu-Nachwuchs habe, dieser so schnell wie möglich das elterliche Haus verlassen müsse, sonst drehe sie – die Freundin – durch. Und auch deren Mutter. Also sei es meine väterliche Pflicht, erstens den Käfig zusammen zu schrauben, zweitens dort mehrere Wohn-Ebenen einzuziehen, drittens für eine ordentliche Einrichtung zu sorgen, in der sich Degus wohl fühlen, weil die wollen klettern, nagen, spielen, entdecken. Viertens hätte ich dafür zu sorgen, dass das Auto ausreichend betankt sei, denn ich hätte fünftens jetzt dann nach Hutthurm zu fahren, um dort im Idealfall zwei fünfwöchige Degu-Weibchen abzuholen. Und das alles: Pronto.


Ich tat wie mir geheißen, denn ich bin ein Freund des häuslichen Friedens. Natürlich versuchte ich, mit leichtem Protest einen Rest Würde zu behalten, etwa indem ich die Frage stellte, ob die beiden Tiere einen elenden Hungertod sterben sollen, oder ob ich sie – ähnlich der Schildkröten, die sich im Familienbesitz befinden und die hauptsächlich von mir ernährt und getränkt werden – am Leben halten soll, falls meine Tochter erwartungsgemäß dafür keine Zeit habe. Die Antwort war kurz: „Pah!“, dann Kopfschütteln und dann: „Fahren wir jetzt?“
Wir fuhren.

 

Falls Sie uns in den nächsten Tagen besuchen wollen und niemand auf das Haustürklingeln reagiert: Einfach Sturm läuten, wir sitzen alle vier vor dem Degu-Käfig und bewundern unsere neuen Mitbewohner: „Mei sind die süüüß“.

Fortsetzung: Möglich!

Autor: Lothar Wandtner

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