18.05.2017 Vilshofen

SPD-Rathauschef trotz guter Halbzeitbilanz angesäuert

Vilshofens Bürgermeister Gams: „CSU versucht krampfhaft, in jeder Suppe ein Haar zu finden“

Vilshofens 1. Bürgermeister Florian Gams ist seit drei Jahren im Amt. Mit seiner Halbzeit-Bilanz ist er sehr zufrieden: »Wir sind gut unterwegs.«
Foto: Brandl
Vilshofens Erster Bürgermeister Florian Gams (SPD) zieht positive Halbzeitbilanz – und schießt dabei gegen Gödel und Co. von der CSU-Stadtratsfraktion

Es war ein historischer Tag für Vilshofen, als vor drei Jahren die 36 Jahre währende Vorherrschaft der CSU im Rathaus gebrochen und mit Florian Gams ein junger, unkonventioneller und cooler SPD-Mann zum 1. Bürgermeister gewählt wurde. Jetzt ist Halbzeit – und mit seiner Zwischenbilanz ist das 33-jährige Stadtoberhaupt sehr zufrieden. Ein Beleg dafür: Binnen drei Jahren konnte er die Stadtschulden um ein stolzes Drittel verringern und heuer wurde zum ersten Mal seit Jahrzehnten ein Stadthaushalt ohne Neuverschuldung aufgelegt – ohne dabei auch nur eine Investition zurückzustellen. Läuft also für den Bürgermeister – wenn da nicht die CSU wäre: „Ich bin von dem Glauben abgekommen, dass es in einem kommunalen Stadtrat nicht um Parteipolitik geht“, hadert Gams mit der größten Fraktion im Stadtrat. „Der Fokus der CSU liegt nicht darauf, die Stadt voranzubringen, sondern auf meinen Kopf zu zielen.“


Dabei könnte für Vilshofen alles wunderbar laufen, wenn alle an einem Strang ziehen würden: Die Einwohnerzahlen entwickeln sich stetig nach oben, die hervorragende wirtschaftliche Lage spült allein über noch nie da gewesene 7 Mio. Einkommenssteuer-Anteil ins Stadtsäckel. Da geht was – und Bürgermeister Gams macht auch was draus: Ortsteil-Sanierungen in Pleinting und Aunkirchen zum Beispiel, Turnhalle in Sandbach, Kindergarten-Investitionen, davon Generalsanierung in Pleinting, Erweiterung in Alkofen und Neubauten in Sandbach und Lindahof, Baugebietserschließungen und Gewerbegebietserweiterungen. „Wir sind gut unterwegs“, meint Gams.


„In allen Bereichen
großer Nachholbedarf“
Aber er macht die klare Ansage Richtung CSU: „Das Haus war nicht so gut bestellt, wie manche behaupten. Seit drei Jahren müssen wir jetzt nachholen, was sechs Jahre vorher versäumt, ja geradezu sträflich vernachlässigt wurde. Wir haben eine Fülle an Themen abzuarbeiten – und wir packen sie seit drei Jahren an“, sagt Gams. Gerade deshalb ärgert es ihn maßlos, wenn die „plötzlichen Besserwisser“ von der CSU – allen voran 2. Bürgermeister Christian Gödel – mal wieder an allem herumnörgeln.
Sechs Jahre lang – das weiß Gams definitiv – sei in Sachen Gewerbegebietserweiterung im prädestinierten Albersdorf nahe der Autobahn nichts getan, ja nicht mal bei Grundstückseignern nachgefragt worden. Dasselbe gelte für Pleinting und Sandbach. Nun aber heftet sich plötzlich die CSU jede neue Erweiterung an ihre Fahne. Da kann Gams nur den Kopf schütteln, aber: „Nun, wenn sie‘s nötig haben. Ich mache keinen Dauerwahlkampf, ich mache lieber meine Arbeit.“


Krass: Schul-Toilette
hatte nicht mal Klobrillen
Wie sehr bei der Vilshofener CSU-Stadtratsfraktion „Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen“, wenn sie wieder mal Investitionen und deren lange Zeitdauer aufs Korn nimmt, das kann Bürgermeister Gams an etlichen Beispielen festmachen. Beispiel Jahnallee: Der geplante Kreisel und die Anbindung an die B8 sind eine Idee aus den 90er Jahren (!) – seit Gams sie wieder aufgriff, dauert‘s der CSU plötzlich zu lange mit der Umsetzung. Beispiel Gehweg Alkofen-Hördt: Ein Dauerbrenner seit Ende der 1980er Jahre, so lange liegt die Planung in der Schublade. Gams hat sie wieder rausgeholt, packt das Thema an – der CSU dauert es jetzt zu lange. „Finde ich auch, dass 28 Jahre zu lang sind. Aber 25 Jahre davon habe ich nix zu sagen gehabt“, kontert Bürgermeister Florian Gams.


Richtig krass werden die Versäumnisse, die Gams nun aufholen muss, bei Kindergärten und Schulen: Aunkirchen feierte 50 Jahre Schulhaus – genauso alt waren dort die Toiletten. Sie hatten nicht mal eine Klobrille! „Ich habe einem Kind versprochen, dass es noch während seiner Grundschulzeit auf ein ordentliches Klo gehen kann“, erzählt Gams. In Alkofen musste die Mutter-Kind-Gruppe weichen, weil mangels Brandschutz ein ganzes Stockwerk geschlossen werden musste, wunderbare Klassenräume lagen brach. Gams hat das erledigt, jetzt ist die Mutter-Kind-Gruppe zurück und die Kinder haben tolle Computerräume – dank viel Manpower seitens des Bauhofs.


„CSU zielt nur auf
meinen Kopf“
Gams könnte die Liste noch beliebig weiterführen. Auf der steht auch der Kindergarten Sandbach, der zu CSU-Zeiten auf Sparflamme 2013 saniert wurde, jetzt endlich fit für die Zukunft neu gebaut wird. Angesichts dessen hält Gams es für einen krassen wie entlarvenden Widerspruch, wenn CSU-Vizebürgermeister Christian Gödel in seiner Haushaltsrede die Kindergarten-Investition zwar lobe, im gleichen Atemzug aber gegen die hohen städtischen Personalkosten im sozialen Bereich wettere. Gams: „Dann müsste er so ehrlich sein und sagen, wir bauen keine Kindergärten, weil wir kein Personal dafür haben.“


Aber wie Gams schon sagte, das alles ziele nur gegen seine Person: „Es geht der CSU nicht um die Sache. Sie versucht krampfhaft, in jeder Suppe ein Haar zu finden. Und wenn sie keines finden, dann erfinden sie was.“ Besonders deutlich wird das an Gams persönlichem Lieblingsprojekt: dem Bierkeller. Die CSU wird nicht müde, ihn als Flop abzukanzeln, weil er eigentlich zur Bier-Landesausstellung 2016 hätte aufmachen sollen, nun aber immer noch nicht fertig ist. „Wir möchten dafür nur Mittel in überschaubarem Umfang aufwenden, daher muss seitens der Stadt sehr viel nebenbei erledigt werden – von der Planung bis zu den Arbeiten des Bauhofs. Und wenn man etwas auf Sparflamme kochen muss, dauert es halt etwas länger. Aber trotz der Unkenrufe der CSU: Das wird eine tolle Sache. Und ganz nebenbei zum Thema Zeitfaktor: Unsere Stadtgeschichte hat ja in der CSU vorher überhaupt keinen interessiert.“


„Wir haben noch einiges in der Pipeline“
Trotz aller Steine, die ihm in den Weg gelegt werden, macht Bürgermeister Gams die Arbeit richtig Spaß: „Ich bin mit Leib und Seele dabei“, sagt er. Und in drei Jahren Ära Gams seien die Investitionen für die Stadt höher geworden und stünden auch auf einem höheren Niveau. Das soll so bleiben. Gams ist sicher, dass am Ende der kommenden drei Jahren Vilshofen ein gutes Stück vorangebracht sein wird. „Wir haben einiges in der Pipeline“, sagt Gams, „da wird uns sicher nicht langweilig.“ Das Großprojekt Stadtplatz-Sanierung steht an (Pflaster raus), der Durchbruch Graben zur Bürg, der neue FCV-Fußballplatz und vieles mehr. Den innerstädtischen ÖPNV will Gams angehen und natürlich das Kernthema Bauland für Wohnbau und Gewerbeflächen forcieren – da bestehe viel Handlungsbedarf. „Wenn Familien hier leben können und Arbeit finden, dann sind die Stadt und auch ihre Ortsteile stark“, sagt Gams.


Bei all dem wird dem Vilshofener Stadtoberhaupt aber auch in den kommenden drei Jahren nichts anderes übrig bleiben, als sich Mehrheiten im Stadtrat zu suchen und die knappe 14:11-Situation – SPD, Freie, ÜW gegen CSU – zu halten. Daher sein Appell: „Ich bin zur Zusammenarbeit bereit. Ich begrüße jeden aktiven Antrag und arbeite alles gewissenhaft ab. Es wäre schön, wenn das alle im Stadtrat machen und wir an einem Strang ziehen würden – für unser schönes Vilshofen.“

Autor: Stefan Brandl