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04.07.2012 Ruhstorf / Passau

„Veruntreuung mit pfarrlichem Siegel"

Suspendierter Ruhstorfer Pfarrer: Bischof Schraml geht in die Offensive!


Seine Sex-Gespielin wurde wegen Veruntreuung zu drei Jahren Haft verurteilt – Ruhstorfs Pfarrer Artinger handelte sich einen Strafbefehl wegen Beihilfe zur Untreue ein und muss seinen Dienst quittieren. Trotzdem kämpfte die Gemeinde um ihren Pfarrer und griff den Bischof an. Jetzt geht Schraml seinerseits über die bischöfliche Pressestelle in die Offensive!

Die Erklärung der Bischöflichen Pressestelle zur Causa Pfarrer Andreas Artinger im Wortlaut:

Da das Strafverfahren gegen Pfarrer Andreas Artinger noch nicht rechtskräftig abgeschlossen ist, wurde bisher von der Diözese keine öffentliche Äußerung getätigt. Aufgrund gehäufter Nachfragen, wie die Ereignisse im Pfarrverband Ruhstorf um Pfarrer Andreas Artinger von Seiten der Diözese Passau erklärt werden, geben wir nunmehr folgende Informationen zum Sachstand:

 

Gegen Pfarrer Artinger ist im Kontext der Ermittlungen gegen Frau Gabriela S., vormalige Leiterin des Katholischen Jugendbüros Ruhstorf, die wegen Veruntreuung in 211 Fällen zu einer Haftstrafe von 3 Jahren verurteilt worden ist, ebenfalls von der Staatsanwaltschaft Passau ermittelt worden. Im Zuge dieser Ermittlungen hat sich der Verdacht zur Beihilfe auf Untreue erhärtet, so dass vom Amtsgericht Passau im Juni 2012 ein Strafbefehl in Höhe von 270 Tagessätzen erlassen wurde, was zu einem Eintrag als „Vorbestraft“ führt.

 

Bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt, im Juli 2010, wurden mit Pfarrer Andreas Artinger und in der Folge mit den Verantwortlichen der Kirchenverwaltung - sowohl in Ruhstorf als auch im Bischöflichen Ordinariat - mehrmals Gespräche geführt. Dabei wurde die strafrechtliche Relevanz und die hohe kriminelle Energie der Beteiligten an diesen Vorgängen unmissverständlich deutlich gemacht.

 

Insbesondere wurde Pfarrer Artinger mehrfach Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Erst zum Schluss war eine gewisse Einsicht erkennbar. Die Zusammenarbeit mit der Finanzkammer bei der Ermittlung wurde verweigert.

 

Während dieses laufenden Verfahrens wurden erste stiftungsaufsichtsrechtliche Konsequenzen durch die Bischöfliche Finanzkammer gezogen:


- Die umfassende Information der Kirchenverwaltung über die Vorgänge.
- Der Hinweis auf die unverzichtbare Einhaltung des Vier-Augenprinzips bei allen rechtsgeschäftlichen Vorgängen;
- Sowie die Sonderprüfung von Kassenführung und Buchhaltung der pfarrlichen Pfadfindergruppe.
- Organisatorische Änderungen im Bereich der Buchhaltung der kirchlichen Jugendbüros.

 

Nach dem Erlass des Strafbefehles durch das Amtsgericht hat Pfarrer Artinger dem H.H. Bischof Wilhelm Schraml mit Schreiben vom 20. Juni 2012 seinen Amtsverzicht auf den Pfarrverband Ruhstorf angeboten; im anderen Falle wäre es zum Amtsenthebungsverfahren gekommen, eine unumgängliche Konsequenz nach den einschlägigen Canones des Kirchenrechtes. Der H.H. Bischof hat den Rücktritt mit Schreiben vom 21. Juni angenommen.



Mit den Vorschriften der Kirchenstiftungsordnung ist es nicht vereinbar, dass jemand Kirchenverwaltungsvorstand (=Pfarrer) ist, gegen den ein Strafbefehl wegen fünfzehnfacher, vorsätzlicher Beihilfe zur Veruntreuung in fünfstelliger Höhe vorliegt. Dies gilt umso mehr, da Pfarrer Artinger als Tatbeitrag das pfarrliche Briefpapier sowie das pfarrliche Siegel verwendete.



Bei solchen Delikten unterscheidet sich die in Leserbriefen kritisierte Vorgehensweise der Diözese in keinster Weise von vergleichbaren Situationen, ob in Betrieben oder staatlichen Einrichtungen und Behörden.



Die Diözese Passau gibt Pfarrer Artinger die Chance zu einem Neubeginn als Seelsorger an einem anderen Ort, jedoch nicht mehr als Kirchenverwaltungsvorstand und Pfarrer.



Der H.H. Bischof informierte am 19. Juni 2012, im Beisein des Generalvikars, des Offizials und des Finanzdirektors, die Kirchenpfleger und die Pfarrgemeinderatsvorsitzenden der Pfarreien des Pfarrverbandes Ruhstorf umfassend über den vorgenannten Sachverhalt und die strafrechtlichen Ermittlungsergebnisse. Allen Beteiligten wurde dabei die bedrängende Situation für den Pfarrer, die Pfarrei und die Diözese deutlich.



Umso unverständlicher nehmen wir die derzeit in Ruhstorf veranstalteten Aktionen zur Kenntnis.



Wir, der Ordinariatsrat, der Priesterrat und die Dekanekonferenz stellen einstimmig fest, dass Pfarrer Artinger aufgrund seines Wissens um die Vorgänge mit einem klärenden Wort zur Befriedung im Pfarrverband Ruhstorf beitragen könnte.