11.10.2017 Passau

Justiz-Pilotprojekt in Passau eröffnet:

Schüler als „Jugend-Richter“ - „Beste Brücke zur Besserung“

Freuen sich über die Eröffnung des Schülergerichts (v.l.): Erika Paul, Fachbereichsleitung Jugend- und Familienhilfe, Caritasvorstand Diakon Konrad Niederländer, Sozialpädagogin Renate Ascher, Justizminister Winfried Bausback, Elias Bartl, Sozialpädagogin Katharina Wagner, Eva Breuherr und der Leitende Oberstaatsanwalt Josef Scheichenzuber.
Foto: Tatjana Kerlin
Justizminister Bausback eröffnet Bayerns neuntes Schüler-Gericht in Passau.

Montag eröffnete Bayerns Justizminister Prof. Dr. Winfried Bausback in Passau das bayernweit insgesamt neunte Schüler-Gericht bzw. „Teen-Court“ in Kooperation mit dem Caritas-Projekt „Brücke Passau“.


Gemeinsam mit Josef Scheichenzuber, Leitender Oberstaatsanwalt, Sozialpädagogin Katharina Wagner und den Sprechern der Schülerrichter Eva Breuherr und Elias Bartl stellte Bausback das Projekt vor: „Aus unseren jahrelangen Erfahrungen und mehreren wissenschaftlichen Begleituntersuchungen wissen wir: Schülergerichte beugen erfolgreich kriminellen Karrieren vor.“


Die Ziele dabei sind, die Rückfälligkeit bei jugendlichen Straftätern zu vermindern, deliktbezogene Sanktionen zu verhängen und eine Gerichtsverhandlung zu vermeiden. 19 Schülerinnen und Schüler der Mittelschule St. Nikola, des Adalbert-Stifter-Gymnasiums, des Gisela-Gymnasiums Niedernburg sowie des Maristengymnasiums Fürstenzell wurden für diese große verantwortungsvolle Aufgabe geschult.


Jugendliche Ersttäter zwischen 14 und 18 Jahren können freiwillig am Schüler-Gericht im Konradinum der Caritas Passau teilnehmen, sofern sie geständig sind und ihnen der Tatbestand klar ist. So befasst sich das Schüler-Gremium dann im Auftrag der Staatsanwaltschaft mit jugendtypischen Straftaten wie Sachbeschädigungen, leichten Körperverletzungen, Ladendiebstählen oder auch Fahren ohne Fahrerlaubnis.


„Wenn – wie beim Teen-Court – Schülerrichterinnen und -richter ihren Altersgenossen den Spiegel vorhalten, wirkt das oft besser als der erhobene Zeigefinger eines Erwachsenen!“, betont Bausback bei der Vorstellung des Projekts. Die jugendlichen Ersttäter setzen sich somit aktiv mit der eigenen Straffälligkeit auseinander – im Gespräch mit Gleichaltrigen. Schüler Elias Bartl: „Wir freuen uns auf die Herausforderungen, die auf uns zukommen werden. Das Schüler-Gericht ist eine sehr wirksame Form, um jugendliche Ersttäter vor weiteren Straftaten zu bewahren“.


Handyverbot als Sanktion


Die jugendlichen Straftäter können in der Gremiumssitzung selbst einen Vorschlag über eine mögliche Sanktion machen. Sozialstunden, ein Entschuldigungsschreiben oder ein mehrmonatiges Handyverbot können die Konsequenz der Straftat sein. Die Schüler sprechen in Anwesenheit sozialpädagogischen Fachpersonals mit dem jugendlichen Straftäter über die Tat, vereinbaren mit ihm eine oder mehrere erzieherische Maßnahmen und überwachen deren Erfüllung. Katharina Wagner erklärt: „Wir sind unterstützend da, die Entscheidung liegt aber bei den Schülerrichtern“. Das Ergebnis wird dann von der Staatsanwaltschaft bei ihrer abschließenden Entscheidung berücksichtigt; bei erfolgreichem Abschluss der Maßnahme erfolgt dann die Einstellung des Verfahrens. „Das Projekt ist ausgelegt auf 40 bis 50 Fälle im Jahr. Im Durchschnitt dauert es zwei Monate, bis die Entscheidung steht“, verdeutlicht Josef Scheichenzuber.


Schülerin Eva Breuherr bezeichnete das Projekt als wertvolle Gelegenheit, um „erste Einblicke in die juristische Welt und zwischenmenschliche Kompetenzen zu erlangen“ – auch im Hinblick auf die spätere Berufswahl.


Teen-Courts gibt es in Bayern bereits in Aschaffenburg, Ingolstadt, Ansbach, Memmingen, Augsburg, Landshut, Dillingen und Neu-Ulm. „Ich bin überzeugt: Der Teen Court wird auch in Passau ein voller Erfolg werden. Er wird auch hier unter Beweis stellen: Ein deutliches Signal zur rechten Zeit ist die beste Brücke zur Besserung!“, freut sich der Justizminister.


Abschließend dankte Bausback allen, die das Projekt mit ihrem Einsatz möglich gemacht haben und daran mitwirken. 

Autor: tk

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