22.02.2012 Passau
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Sapperlot

Schafkopfen in Passauer Traditionsgaststätten unerwünscht

Schafkopfen
Foto: Martin Reitmeier
Bier, eine deftige Brotzeit und eine urige Schafkopf-Runde. So stellt man sich eine typische Situation in einem bayerischen Wirtshaus vor. Die Realität schaut anders aus: In einigen Passauer Traditionsgasthäusern ist das Schafkopfen mittlerweile unerwünscht. Etliche Passauer wissen das nicht, wie beispielsweise Versicherungsfachmann Markus Steiner, der sich jetzt mit unerwarteten Problemen konfrontiert sah.

Es hört sich bitter an: Das Kartenspiel, das eigentlich als Kulturgut und Teil der bayerischen Lebensart gilt, ist für die meisten Wirtshäuser zum roten Tuch geworden. Markus Steiner erfuhr dies am eigenen Leib, als er neulich mit drei Spezln einen Schafkopf spielen wollte.

 

Als im „Bayerischen Löwen” die Karten ausgepackt wurden, holte sich das Quartett eine Abfuhr. „Uns wurde gesagt, dass man hier nicht Schafkopfen dürfe, weil das zu laut sei”, erzählt der 42-Jährige. „Aber wir sind keine Bierdimpfln, es handelt sich bei den anderen Herren um drei Passauer Unternehmer!”

 

Ähnliches sei ihm im Hacklberger Bräustüberl widerfahren. „Dort wurde eine Kartenrunde mit der Begründung abgelehnt, dass es sich um ein Speiselokal handele. „Natürlich hätten wir uns auch hier was zum Essen und zum Trinken bestellt, aber das hat nicht gezählt”, so Steiner.

 

Adrian Hüttenberger vom „Bayerischen Löwen” erklärt das Schafkopf-Verbot: „Meistens ist das eine ziemliche Gaudi, wenn die Trümpfe auf den Tisch gehaut werden – viele Gäste fühlen sich dadurch gestört. Und das geht heutzutage einfach nicht mehr. Man muss auch an den Umsatz denken.”

 

Fritz Mayer jun., der in Passau den Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband vertritt, meinte zur PaWo, dass das Thema im Verband noch nicht besprochen worden sei. „Generell gibt es da keine Vorgaben. Dort, wo die Restaurant-Gäste überwiegen, wird Kartenspielen tatsächlich nicht gern gesehen.”

 

Zwar gibt es in Passau noch Lokale, in denen man Schafkopfen darf – wie im Stadtbeisl, wo das Quartett nach der Löwen-Abfuhr einkehrte. „Die Alternativen halten sich allerdings sehr in Grenzen”, so Steiner.

 

Gut möglich, dass er und seine Schafkopf-Spezln sich künftig wieder am Bildschirm die virtuellen Trümpfe um die Ohren hauen müssen – wie vor eineinhalb Jahren, als sich das Quartett auf einer Online-Schafkopfplattform kennen lernte. Irgendwann beschlossen sie, auch mal „in Echt” spielen zu wollen.

 

Tja...  



Autor: Martin Reitmeier
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