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07.05.2012 Passau

Alkoholmissbrauch

Polizei zieht Maidult-Bilanz – „vorglühende" Jugendliche rücken ins Visier


Die Maidult-Bilanz der Passauer Polizei. Eines der Hauptprobleme: Immer mehr besoffene Jugendliche!

Die Dultbilanz der Passauer Polizei (Pressemeldung im Wortlaut):


 

Wie die Jahre zuvor war auch bei der diesjährigen Maidult die Polizeiinspektion Passau täglich mit einer Dultwache auf dem Messeplatz vertreten. Unterstützt durch den Passauer Einsatzzug gingen die Polizeibeamten Fußstreifen und nahmen eine Vielzahl von Strafanzeigen entgegen. An drei Tagen erhielten die Passauer Polizisten Entlastung durch auswärtige Polizeikräfte, unter anderem Bereitschaftspolizisten aus München und Polizeibeamte aus Landshut und Straubing.

 

Erwartungsgemäß gab es an den beiden Dultwochenenden sowie am Montag vor dem 1. Mai die meisten Einsätze. In erster Linie hatten es die Dultwachbeamten mit Streitigkeiten sowie tätlichen Auseinandersetzungen zwischen alkoholisierten Dultbesuchern zu tun, die den Beamten auch mental viel abverlangten. Eine Vielzahl von Schlägereien konnte bereits im Entstehen durch Trennen und Beruhigen der Streitenden verhindert werden. Neben Kommunikation waren Platzverweise und Dultverbote ein geeignetes Mittel, die erhitzten Gemüter abzukühlen. Trotzdem mussten insgesamt 37 Körperverletzungsdelikte sachbehandelt werden.

 

In der Mehrzahl waren es Attacken zwischen einzelnen Dultbesuchern. In 8 Fällen waren die Übergriffe so heftig, dass sie den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung erfüllten: es wurde mit dem Maßkrug zugeschlagen bzw. geworfen oder mehrere Täter schlugen auf einzelne Opfer ein. Bis auf einen gebrochenen Fuß, ausgeschlagene Zähne und diversen Platzwunden im Gesicht kam es zu keinen schwerwiegenderen Verletzungen. In einem Fall kam es zu einem räuberischen Diebstahl, wie bereits letzte Woche berichtet. Ansonsten mussten erfreulicherweise keine weiteren Raubstraftaten bearbeitet werden. Ebenso wenig sind sexuelle Übergriffe polizeilich bekannt geworden. 

 

Am letzten Dultwochenende hatten die eingesetzten Beamten nochmal alle Hände voll zu tun. Von Freitag auf Samstag sowie Samstag auf Sonntag kam es zu 12 Körperverletzungsdelikten. Bereits gegen 20.40 Uhr kam es zwischen zwei jungen Österreichern zu einem Gerangel. Als die Security einschritt, wurde einer von den Sicherheitsdienstangestellten attackiert und leicht verletzt. Gegen 22.55 Uhr randalierte ein 20jähriger in einem Zelt. Als er durch die Security nach draußen verbracht werden sollte, ließ sich der junge Mann zu Boden fallen und schlug mit Händen und Füßen um sich. Außerdem hatte er noch versucht, mit einem Maßkrug zuzuschlagen. Glücklicherweise verfehlte er sein Opfer. Er musste gefesselt werden.

 

Eine dreiviertel Stunde später versuchte der Sicherheitsdienst einen 22jährigen Österreicher aus einem Zelt zu bringen, da dieser randalierte. Der junge Mann schlug auf die Security ein, auch er musste gefesselt werden und wurde an die Beamten der Dultwache übergeben. Gegen 01.25 Uhr schlug ein 19jähriger mit einem Feuerzeug in der Hand einem anderen ins Gesicht. 

 

Auch am Samstag kam es zu Körperverletzungen: gegen 21.30 Uhr schlug ein 17jähriger aus dem nördlichen Landkreis einem 16jährigen Österreicher mit Fäusten ins Gesicht, so dass dieser Platzwunden an der Lippe davon trug. Eine dreiviertel Stunde später schlugen ein 22jähriger aus dem nördlichen Landkreis und ein 27jähriger aus dem Landkreis Freyung-Grafenau aufeinander ein. Beide verletzten sich jeweils im Gesicht.

 

Etwa zur gleichen Zeit kam es zu einer tätlichen Auseinandersetzung nachdem ein 43jähriger aus dem östlichen Landkreis einer 30jährigen den Rock hoch hob. Der Freund der Frau sprach daraufhin den 43jährigen an, dieser wiederum antwortete mit mehrere Fausthieben. Ein Bekannter des 43jährigen würgte im Verlaufe des Tumults die 30jährige Frau, die dabei am Halsbereich verletzt wurde. Gegen 23.30 Uhr kam eine Polizeistreife zu einer Rauferei unter mehreren Jugendlichen. Der 15jährige Haupttäter, der einem 17jährigen mehrfach mit der Faust ins Gesicht schlug, wurde zur Wache verbracht, wo er von seinen verständigten Eltern abgeholt wurde. 

 

Vor allem an den Wochenenden und am Montag vor dem Feiertag mussten mehrfach Polizeistreifen zur Wendeplatte in der Dr.-Emil-Brichta-Straße ausrücken, da sich dort bis zu 100 Jugendliche und Heranwachsende zum sogenannten „Vorglühen“ niedergelassen hatten. Vor allem in den frühen Abendstunden löste die Polizei fast täglich die Ansammlungen auf. Die Resultate des Vorglühens waren neben teils stark Betrunkenen  auch große Mengen an Müll, insbesondere zerbrochene Flaschen.

 

 

Mit wachsender Sorge registrierten die auf der Dultwache eingesetzten Polizeibeamten die von Jahr zu Jahr steigende Zahl an stark alkoholisierten Jugendlichen. Alleine am letzten Dultsamstag wurden um 21.15 Uhr sowie um 21.35 Uhr jeweils stark betrunkene 15jährige Schüler zur Dultwache bzw. zu den Sanitätern verbracht. Die Jugendlichen, die sich mehrfach übergeben mussten, wurden in einem Fall vom verständigten Vater, im anderen Fall von der verständigten Mutter abgeholt.

 

Gegen 22.00 Uhr wurde in der Pionierstraße durch eine Polizeistreife eine 14jährige aufgegriffen, die bei einem Alkotest einen Alkoholwert von über 1,4 Promille erreichte. Ihren Angaben nach hatte sie im Bereich der Wendeplatte Alkohol getrunken. Gegen 22.40 Uhr wurde auf dem Dultplatz eine weitere 14jährige angetroffen, die bei einem Alkotest einen Wert von knapp über 2 Promille erreichte. Das betrunkene Mädchen wurde an die Eltern übergeben. In allen vier Fällen wurden Ermittlungen eingeleitet, von wem die Jugendlichen den Alkohol bekommen hatten. 

 

Am Tag zuvor wurde ein 16jähriger gegen 20.00 Uhr mit einem Alkoholwert von rund 2 Promille im Bereich eines Festzeltes angetroffen. Ein weiterer stark betrunkener Jugendlicher musste im Sanitätszelt behandelt werden. Die Mutter des Jugendlichen wurde verständigt, sie holte ihren Sohn ab. Auch am ersten Dultwochenende wurden mehrere betrunkene Jugendliche festgestellt. Am Freitag wurde gegen 20.00 Uhr eine 14jährige stark alkoholisiert im Sanitätsbereich abgeliefert. Auch hier wurden die Eltern verständigt.

 

Gegen 00.30 Uhr wurde ein 15jähriger im Gebüsch gegenüber der X-Point-Halle liegend aufgefunden. Der Vater holte seinen Sohn ab. In der Nacht zum 1. Mai musste gegen 00.50 Uhr ein 16jähriger Österreicher im Sanitätszelt behandelt werden. Über die Polizeiinspektion Schärding wurden die Eltern verständigt, diese holten ihren Sohn bei der PI Passau ab. 

 

Bei zukünftigen Dulten wird die Polizei ihr verstärktes Augenmerk auf das "Vorglühen" im Dultumfeld fortsetzen. In diesem Zusammenhang richtet sich der polizeiliche Appell auch an die Eltern, um der Problematik des ungezügelten Alkoholmißbrauchs besser entgegen zu wirken.

 

Die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Sicherheitsdienst, der sowohl für den Dultplatz als auch für die Festzelte und den Dultstadel verantwortlich war, war sehr gut. Das konsequente Auftreten des Sicherheitsdienstes sowie die ständige polizeiliche Präsenz auf dem Dultgelände konnte eine weit höhere Anzahl an Gewaltdelikten und weiteren Sicherheitsstörungen verhindern.

 

Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der registrierten Körperverletzungen um 13 an, was zuletzt auch dem zusätzlichen Feiertag geschuldet ist, der diesesmal nicht auf das Wochenende fiel. Die Zahlen der Vorjahre: 2011 waren es 24 Körperverletzungsdelikte, 2010 27 Fälle von Gewalt gegen Personen.