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10.05.2012 Obernzell

Dichter Reiner Kunze will Museum einrichten

Deutsch-deutsche Fakten in Obernzell


Der 1977 aus der DDR in die BRD übergesiedelte Regimegegner Reiner Kunze will, dass nach seinem Tod in seinem Wohnhaus eine Ausstellung bisher unveröffentlichter Fakten gezeigt wird.

200 Stiftungen gibt es mittlerweile in Niederbayern, die Hälfte davon ist in den vergangenen zwölf Jahren entstanden. Damit hat die Region einen Stiftungsboom erlebt, der Niederbayern noch lebenswerter macht. Das hat die Regierung von Niederbayern heute mit ihrem Stiftungsforum in Landshut gefeiert.

 

Einer dieser Stifter ist der Schriftsteller und Dichter Dr. Reiner Kunze („Die wunderbaren Jahre"), der 1977 aus der damaligen DDR aufgrund einer wegen seiner Regimekritik drohenden Haftstrafe in die BRD übersiedelte und seit Jahren in Obernzell bei Passau lebt. Er stellte seine Stiftung vor, die sich um den Aufbau eines Museums für Kunst und deutsch-deutsche Geschichte kümmert. Im Wohnhaus von Kunze und seiner Frau soll nach dem Tod des Ehepaares eine Ausstellung gezeigt werden, die „gegen die Verklärung der Vergangenheit wirkt und gegen ideologische Verblendung immunisiert“, wie Kunze sagte. „Durch meine Arbeit als Schriftsteller haben sich viele deutsch-deutsche Fakten angesammelt, die nie an die Öffentlichkeit gelangt sind oder verleugnet wurden”, nennt Reiner Kunze als Motiv für ein Kunst- und Geschichtsmuseum in Obernzell.

 

Der Lyriker schilderte einige Erfahrungen aus seinem Leben in der DDR, die ihn und seine Familie wegen seines Widerstands gegen das Regime unter Druck setzte. Seine Tochter zum Beispiel sei in der Schule als Kind eines Staatsfeindes beschimpft worden, das die anderen Schüler verseuche. Erlebnisse wie dieses haben ihn zu einem leidenschaftlichen Stifter gemacht, der mit politischen Kunstwerken die Geschichte dokumentieren und über die Diktatur aufklären will.

 

Um sein Wohnhaus in ein modernes Museum umwandeln zu können, ist Kunze auf der Suche nach einem Zustifter, der das Projekt finanziell unterstützt. „Als Anerkennung dafür würde das Museum nach dem Investor benannt werden“, sagte er. 

 

„Stiftungen helfen da, wo der Staat zwar sein Bestes tut, aber nicht alles abdecken kann – im sozialen Bereich, in der Forschung und in der Bildung, bei Kunst und Kultur und im Natur- und Umweltschutz. „Darum danke ich allen Stiftern und Verantwortlichen in den Stiftungen“, sagte Regierungspräsident Heinz Grunwald anlässlich der Stiftungsforumsfeier.

Autor: pm

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