30.03.2017 Passau

Caritas-Seniorenheime bilden „Palliative Care Fachkräfte“ aus

Palliativpatienten brauchen die Freundschaft des Herzens

Pflegerisches Know-How und Herz haben Palliative Care Fachkräfte in den Seniorenheimen der Caritas. Christian Schacherbauer, Leiter des Seniorenheimes Mariahilf-Passau, die Fachbereichsleiterin Ambulante Altenhilfe Ursula Sendlinger im Gespräch mit Katarina Theißing von der Christophorus Akademie München und deren Leiter Hermann Reigber.
Foto: Caritasverband für die Diözese Passau e.V.
Menschen am Lebensende bestmöglich zu versorgen und zu begleiten, erfordert grundlegende Kenntnisse.

Deshalb haben alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas-Seniorenheime den Basiskurs „Palliative Care“ absolviert. 22 von ihnen schließen am Freitag, 31. März den Aufbaukurs als „Palliative Care Fachkräfte“ ab. Hermann Reigber von der Christophorus Akademie München fasst zusammen: „Die Kranken und Sterbenden brauchen die Freundschaft des Herzens und gleichzeitig die beste medizinisch-pflegerische Behandlung“.

 

Ärzte müssten die Versorgung alter Menschen ernster nehmen, mehr auf Schmerzen und Depressionen achten. „In beiden Bereichen gibt es eine eklatante Minderversorgung in Deutschland“, betont er am Rande des Kurses. Ebenso klar: „Menschen, die Alte und Kranke versorgen, brauchen mehr Lobby und eine bessere Bezahlung“. Zudem wünscht er sich mehr bürgerschaftliches Engagement für alte und kranke Menschen“.

 

Ziel für die Caritas-Fachkräfte sei es, so der Kursleiter, Lebensqualität zu erhalten. Auf dem Weg zum Lebensende, bei Tod und Trauer, komme auch dem Glauben und der spirituellen Begleitung große Bedeutung zu. Dies erlebe er bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Caritas. Sie lernten beim Kurs im Seniorenheim Mariahilf-Passau die Perspektiven anderer Beteiligter am Pflege- bzw. Trauerprozess kennen, auch die Zusammenarbeit mit den Angehörigen, Ärzten und Seelsorgern. Die zweijährigen Kursreihen abgeschlossen haben jetzt die Seniorenheime Hauzenberg, Hengersberg, Passau, Pfarrkirchen, Regen, Tittling und Zwiesel.

 

Drei Fragen an Hermann Reigber, der Diplom-Theologe, Krankenpfleger und Diplom-Pflegewirt, ist Geschäftsführender Leiter der Christophorus Akademie; angeschlossen an das Klinikum der Universität München.

 

Was dürfen Schwerkranke und Sterbende am Ende ihres Lebens erwarten?

Als Lebende behandelt zu werden bis zum letzten Augenblick. Das heißt, sie brauchen Schutz und Sicherheit und gleichzeitig sollen sie einbezogen werden in den Alltag eines Pflegeheims und einer Familie.

 

Was ist für die palliative Versorgung und Begleitung unerlässlich?

Pflegerisches Know-How und Herz. Die Kranken und Sterbenden brauchen die Freundschaft des Herzens und gleichzeitig die beste medizinisch-pflegerische Behandlung. Wichtig ist, dass Ärzte die Versorgung von alten Menschen ernster nehmen und mehr auf Schmerzen und Depressionen achten. In beiden Bereichen gibt es eine eklatante Minderversorgung in Deutschland. Weiter brauchen wir ein bürgerschaftliches Engagement für alte und kranke Menschen, Besuchsdienste, ehrenamtliche Hospizhelfer. Und Menschen, die Alte und Kranke versorgen, brauchen mehr Lobby und eine bessere Bezahlung.

 

Wie kann man auf den letzten Stufen des Lebens dann auch aus dem Glauben bestmöglich begleiten?

Die Fachkräfte der Caritas, die ich in den Schulungen erleben durfte, begleiten auch aus ihrem Glauben heraus. Sie haben einen Sinn für die spirituellen Bedürfnisse. Wichtig sind vertraute Gebete, etwa der Klang des Rosenkranzgebets, Bilder anzuschauen, Geschichten zu erzählen, Lieder zu singen. Aber Pflegende müssen Zeit haben, um neben der Grundpflege am Bett sitzen zu können. In den Häusern der Caritas ist es selbstverständlich, die verstorbenen Bewohner gut rituell zu verabschieden und ihrer in Gottesdiensten zu gedenken. Wer mit schwerkranken und sterbenden Menschen arbeitet, sollte zudem ein gesundes Verhältnis zur eigenen Vergänglichkeit haben.

Hermann Reigber
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Hermann Reigber

Autor: pm/jg

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