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15.06.2012 Vilshofen

Räucher-Stopp

Nach Ministrantinnen-Prügelei streicht Vilshofener Pfarrer den Weihrauch!


In Vilshofen rauchen die Köpfe an Stelle des Weihrauchfassls

Wer als Ministrant in der Kirche das Weihrauchfassl schwingen darf, ist bei den Messdienern der King – und bei den Messdienerinnen eben die Queen. Weil in Vilshofen das Wetteifern um das Weihrauchfassl unter den Ministrantinnen eskalierte, verzichtet dort der Pfarrer bis auf weiteres auf den Einsatz des Gefäßes. An Stelle des Weihrauchfassls rauchen dafür die Köpfe.

 

Bei der Fronleichnamsprozession am vergangenen Donnerstag vermissten viele Gläubige den Weihrauch. Einige wussten bereits, was sich hinter den Kulissen der Pfarrgemeinde abgespielt hatte: Am Palmsonntag war es nämlich zu einem handfesten Streit gekommen.

 

Wieder einmal ging es darum, wer das Weihrauchfassl schwingen darf. Die Schwester einer jungen Pfarrgemeinderätin erhielt an ihrem Geburtstag den Zuschlag. Das passte wiederum einer anderen Ministrantin nicht, deren Mutter Vorstandschaftsmitglied in der Kolpingfamilie war. Nach PaWo-Informationen soll es zwischen den beiden Familien schon seit längerem „geknistert” haben.

 

Nach dem Gottesdienst kam es schließlich zum Wortgefecht zwischen der Pfarrgemeinderätin und der Ministrantin, welche die Weihrauch-Abfuhr erhalten hatte. Es folgte eine körperlichen Auseinandersetzung, bei der auch die Mutter der verschmähten Weihrauchfassl-Trägerin mitmischte. 

 

Als Folge der Rauferei soll die Mutter mittlerweile aus der Vorstandschaft der Kolpingfamilie zurückgetreten sein, hat zudem Anzeige gegen die Pfarrgemeinderätin erstattet und fordert deren Rücktritt. Diese lehnt dies kategorisch ab und hat selber einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Stadtpfarrer Lothar Zerer ist die ganze Angelegenheit mehr als unangenehm, will, dass sich „alles wieder beruhigt”. 

 

So will er bis auf weiteres auf Weihrauch verzichten. „Es liegt in meinem Ermessen, ob Weihrauch eingesetzt wird oder nicht”, meinte er auf PaWo-Anfrage. Er habe Weihrauch ohnehin „eher selten” eingesetzt. 

 

Bei Beerdigungen soll das Weihrauchfass zwar weiterhin geschwungen werden. Zerer sagt aber auch: „Ich verwende ihn derzeit in der Pfarrkirche nicht mehr!” Auch bei der besagten Fronleichnamsprozession sei der Einsatz des Weihrauchs nach seinem Ermessen nicht zwingend gewesen. Letztendlich geht es Pfarrer Zerer mit seiner Weihrauch-Maßnahme darum, einen weiteren Konflikt unter den Ministrantinnen zu vermeiden.

 

„Bis Weihnachten wird sich alles beruhigt haben”, hofft er. Denn für ihn steht fest: „An Weihnachten gehört der Weihrauch auf alle Fälle dazu.” 

 

Spätestens bis Heiligabend sollte sich der Rauch in der Gemeinde also verzogen haben...  

Autor: Martin Reitmeier